{"id":590,"date":"2026-09-07T16:57:05","date_gmt":"2026-09-07T14:57:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mentoring\/?p=590"},"modified":"2026-09-07T17:00:41","modified_gmt":"2026-09-07T15:00:41","slug":"promovieren-mit-kindern-nicht-immer-planbar-aber-gestaltbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mentoring\/2026\/09\/07\/promovieren-mit-kindern-nicht-immer-planbar-aber-gestaltbar\/","title":{"rendered":"Promovieren mit Kind(ern) \u2013 nicht immer planbar, aber gestaltbar"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_590 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_590')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_590').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Und auch ein Familienleben l\u00e4sst sich nur bedingt planen. Wenn beides zusammenkommt, wird es noch einmal ein St\u00fcck unvorhersehbarer \u2013 und viele Fragen stehen im Raum: Wann ist der richtige Zeitpunkt f\u00fcr ein Kind? Wie l\u00e4sst sich die Promotion mit dem Familienalltag verbinden? Wann und wie viel Zeit bleibt noch f\u00fcr die Dissertation?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus meiner Arbeit im FamilienServiceB\u00fcro kenne ich viele dieser Fragen aus Gespr\u00e4chen mit Promovierenden. Eine einfache Antwort gibt es meistens nicht. Daf\u00fcr sind die Lebenssituationen und Promotionsverl\u00e4ufe zu unterschiedlich. Einige Gedanken k\u00f6nnen jedoch dabei helfen, die eigene Situation besser einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt \u2013 oder was vielleicht die entscheidendere Frage ist<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht sollte erst die Dissertation fertig werden. Vielleicht vorher der Vertrag verl\u00e4ngert werden. Vielleicht erst die n\u00e4chste berufliche Station gekl\u00e4rt sein. Diesen Gedanken kennen vermutlich viele. Gleichzeitig kann eine Promotion l\u00e4nger dauern als urspr\u00fcnglich gedacht, und auch das Leben h\u00e4lt sich selten an einen perfekten Zeitplan. Eine Schwangerschaft l\u00e4sst sich nicht vollst\u00e4ndig planen. Auch wenn ein Kinderwunsch schon lange besteht, bleibt offen, wann eine Schwangerschaft eintritt, wie sie verl\u00e4uft und wie der Alltag mit Baby sp\u00e4ter tats\u00e4chlich aussieht. Auch w\u00e4hrend der Schwangerschaft kann sich vieles ver\u00e4ndern. Manche Frauen haben lange viel Energie und k\u00f6nnen gut an der Dissertation weiterarbeiten, andere leiden unter starker \u00dcbelkeit, sind ersch\u00f6pft und m\u00fcssen ihre Arbeit deutlich zur\u00fcckfahren. Nach der Geburt ist ohnehin vieles neu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb gibt es aus meiner Sicht nicht den perfekten Zeitpunkt f\u00fcr ein Kind. Wichtiger erscheint mir die Frage: Was brauche ich, damit beides in meiner aktuellen Lebenssituation m\u00f6glichst gut zusammenpassen kann?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Es wird Phasen geben, in denen es gut l\u00e4uft \u2013 und andere \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade die erste Zeit mit einem Baby l\u00e4sst sich nur begrenzt planen. Vielleicht schl\u00e4ft das Baby schnell mehrere Stunden am St\u00fcck \u2013 vielleicht auch nicht. Vielleicht findet sich rasch ein guter Rhythmus, vielleicht dauert es l\u00e4nger. Dazu kommen Vorsorgetermine, Impfungen, Infekte, schlaflose N\u00e4chte und all die kleinen Dinge, die im Alltag mit Kind pl\u00f6tzlich wichtig werden. F\u00fcr eine Dissertation, die konzentriertes und selbstst\u00e4ndiges Arbeiten erfordert, kann das eine echte Herausforderung sein.&nbsp;&nbsp;Deshalb finde ich es wichtig, sich von der Vorstellung zu verabschieden, w\u00e4hrend der Elternzeit oder mit einem kleinen Kind einfach genauso weiterarbeiten zu k\u00f6nnen wie vorher. Manchmal passiert an der Dissertation wochenlang kaum etwas. Und das ist kein pers\u00f6nliches Scheitern. Es gibt Phasen, in denen die Familie mehr Aufmerksamkeit braucht. In anderen Phasen kann die Dissertation wieder st\u00e4rker in den Mittelpunkt r\u00fccken. Vielleicht gelingt an einem Vormittag mehr als erwartet. Vielleicht f\u00e4llt ein ganzer Arbeitstag aus, weil das Kind krank ist. Vielleicht dauert ein Kapitel l\u00e4nger als gedacht. Vielleicht verschiebt sich ein Abgabetermin. Vielleicht muss ein Experiment oder ein Schreibprojekt unterbrochen werden. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Promotion nicht funktioniert. Und manchmal ist die wichtigste Erkenntnis: Heute hat es nicht geklappt. Morgen ist ein neuer Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilfreich kann sein, sich immer wieder zu fragen: Was ist gerade realistisch? Was hat Priorit\u00e4t und was kann warten? Hier kann die Betreuungsvereinbarung f\u00fcr Promovierende eine gute M\u00f6glichkeit sein, Erwartungen und Rahmenbedingungen (vorausschauend) mit der Promotionsbetreuung transparent festzuhalten und gemeinsam Ma\u00dfnahmen zur besseren Vereinbarkeit zu besprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fokuszeiten und Auszeiten entstehen selten von allein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein paar Stunden konzentriertes Arbeiten oder einfach mal ein freier Nachmittag zum Durchatmen entstehen mit Kind selten zuf\u00e4llig. Daf\u00fcr braucht es Planung \u2013 und Unterst\u00fctzung. Und am besten nicht erst dann, wenn eigentlich schon gar nichts mehr geht. Entlastung kann ganz unterschiedlich aussehen. Ein wichtiger Faktor ist die partnerschaftliche Aufteilung der Sorgearbeit. Wenn beide Elternteile von Anfang an Verantwortung f\u00fcr die Care-Arbeit \u00fcbernehmen, kann das im Alltag viel Druck herausnehmen. Unterst\u00fctzung kann aber genauso von Gro\u00dfeltern oder anderen Bezugspersonen kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Manchmal braucht es Unterst\u00fctzung, die \u00fcber das pers\u00f6nliche Umfeld hinausgeht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch an der Universit\u00e4t Paderborn gibt es verschiedene Anlaufstellen und Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten. Das FamilienServiceB\u00fcro ber\u00e4t rund um die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie und unterst\u00fctzt bei der Suche nach passenden Betreuungsm\u00f6glichkeiten. Die Kinderkurzzeitbetreuung PUKi kann kleinere Betreuungsengp\u00e4sse \u00fcberbr\u00fccken. Auch Babysitter*innen oder ehrenamtliche Ersatzgro\u00dfeltern k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Entlastung bieten. Manchmal sind es nur ein paar zus\u00e4tzliche Stunden, die den notwendigen Freiraum schaffen und einen wichtigen Unterschied machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiterhin gibt es an der UPB Angebote f\u00fcr Austausch, Vernetzung und die eigene wissenschaftliche Weiterentwicklung. Das Gleichstellungsb\u00fcro bietet \u00fcber das Jahr verteilt Veranstaltungen und Angebote im Rahmen des Qualifizierungsprogramms \u201eKarriere als Wissenschaftlerin\u201c an. Im vergangenen Jahr gab es beispielsweise einen Workshop zum Thema \u201ePromovieren mit Kind: Wie passen Doktorarbeit und Kind unter einen Hut?\u201c Auch das Mentoring-Programm f\u00fcr Doktorandinnen schafft Raum f\u00fcr den Austausch mit anderen Wissenschaftlerinnen und die M\u00f6glichkeit, verschiedene Vorbilder f\u00fcr Vereinbarkeit zu finden. Das Kompetenzzentrum Schreiben und ProLernen bieten zudem Unterst\u00fctzung beim wissenschaftlichen Arbeiten, beispielsweise mit dem Workshop \u201eAcademic Writing Mom\u201c. Weitere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Austausch und Vernetzung bietet die Lokalgruppe \u201eMutterschaft &amp; Wissenschaft\u201c, sowie das Peer-Coaching des Paderborn PhD &amp; Postdoc Support Office \u201ePromovieren mit Kind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solche Angebote k\u00f6nnen keine Patentl\u00f6sung f\u00fcr die Vereinbarkeit von Promotion und Familie liefern. Aber sie k\u00f6nnen dabei helfen, nicht alles allein herausfinden zu m\u00fcssen und Menschen zu finden, die \u00e4hnliche Fragen kennen. Im FamilienServiceB\u00fcro der UPB sind wir sehr gern die ersten Ansprechpartnerinnen und informieren zu jeglichen Vereinbarkeitsfragen, w\u00e4hrend das Personaldezernat bei arbeitsrechtlichen Fragen (z.B. bei Vertragsverl\u00e4ngerungen) ber\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was ich Doktorandinnen mitgeben m\u00f6chte, die \u00fcber eine Promotion mit Kind nachdenken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Promotion und Elternschaft schlie\u00dfen sich nicht aus. Beides miteinander zu verbinden, kann herausfordernd sein \u2013 aber es ist m\u00f6glich. Und Care-Arbeit bringt nicht nur zus\u00e4tzliche Aufgaben mit sich. Sie kann auch F\u00e4higkeiten st\u00e4rken, die in der Promotion und sp\u00e4ter im Berufsleben wertvoll sind: Priorit\u00e4ten zu setzen, Zeit bewusst einzuteilen, flexibel auf Ver\u00e4nderungen zu reagieren und auch in herausfordernden Situationen handlungsf\u00e4hig zu bleiben. Oft entstehen dabei ganz nebenbei Strategien, die auch im wissenschaftlichen Arbeitsalltag hilfreich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist aus meiner Sicht weniger, alles von Anfang an perfekt zu planen, sondern die eigene Situation immer wieder ehrlich in den Blick zu nehmen: Was funktioniert gut? Wo wird es gerade schwierig? Was brauche ich, damit es wieder besser funktioniert? Welche Unterst\u00fctzung ist bereits vorhanden und wo kann gegebenenfalls noch Unterst\u00fctzung hinzukommen? Hilfreich kann es sein, sich fr\u00fchzeitig \u00fcber Betreuungsm\u00f6glichkeiten und verschiedenen Angebote \u2013 auch an der UPB \u2013 zu informieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vereinbarkeit ist kein Zustand, der einmal hergestellt ist und dann dauerhaft funktioniert. Die Bed\u00fcrfnisse ver\u00e4ndern sich, Kinder werden gr\u00f6\u00dfer, die Promotion geht in unterschiedliche Phasen \u00fcber und auch die eigenen Priorit\u00e4ten k\u00f6nnen sich verschieben. Was heute gut passt, kann in einigen Monaten schon wieder anders aussehen. Deshalb darf ausprobiert, ver\u00e4ndert und auch wieder verworfen werden. Vielleicht funktioniert eine neue Routine nicht so gut wie gedacht. Vielleicht braucht es eine andere Aufteilung der Sorgearbeit oder regelm\u00e4\u00dfig ein geplantes Wochenende \u201efrei\u201c. Den eigenen Weg zu finden, kann ein Prozess sein \u2013 und Umwege geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist das am Ende die sch\u00f6nste Seite daran: Die Promotion bleibt ein wichtiges Ziel, aber sie ist nicht mehr das Einzige, was z\u00e4hlt. Zwischen Dissertation, Familienalltag und all den kleinen Abzweigungen entsteht etwas, das sich nicht planen l\u00e4sst \u2013 ein Leben, das vielleicht anders aussieht als gedacht. Und vielleicht liegt genau darin ein besonderer Zugewinn: Die Promotion l\u00e4uft nicht trotz des Familienlebens weiter, sondern entwickelt sich gemeinsam mit ihm \u2013 manchmal chaotisch, aber mit Erfahrungen, die weit \u00fcber die Dissertation hinausreichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag von Noelle Maicher-Hoff \u2013 FamilienServiceB\u00fcro der Universit\u00e4t Paderborn Eine Promotion verl\u00e4uft selten genau so, wie sie am Anfang geplant war. 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