{"id":563,"date":"2026-01-09T19:42:23","date_gmt":"2026-01-09T18:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mentoring\/?p=563"},"modified":"2026-01-13T11:18:07","modified_gmt":"2026-01-13T10:18:07","slug":"ki-und-mentoring-eine-grenzziehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mentoring\/2026\/01\/09\/ki-und-mentoring-eine-grenzziehung\/","title":{"rendered":"KI und Mentoring \u2013 eine Grenzziehung"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_563 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_563')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_563').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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F\u00fcr Beratungsangebote werden KI-Tools ver\u00f6ffentlicht. Insbesondere Chatbots werden f\u00fcr psychosoziale Kompetenzentwicklung genutzt. Ohne das Kind mit dem Bade auszusch\u00fctten, gilt: KI kann zentrale Bausteine in Mentoring-Programmen nicht ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Begriffsabgrenzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausgestaltung von Mentoring-Programmen ist abh\u00e4ngig von der Zielgruppe und dem gew\u00e4hlten Schwerpunkt. Angebote im Bereich Mentoring beinhalten in der Wissenschaft allerdings immer \u2013 in einem zeitlich begrenzten Rahmenprogramm \u2013 die qualifizierungsf\u00f6rdernden Elemente Mentoring, Training und Networking&nbsp;(Kamm und Wolf, 2017, S. 59). Es gibt zunehmend Angebote f\u00fcr Chatbot-basiertes Mentoring. Doch bei bisher entwickelten KI-Tools stellt sich Mentoring oft als ein Containerbegriff dar, in dem verschiedene Beratungs- oder Unterst\u00fctzungsangebote versammelt werden: Die Begriffe&nbsp;<a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mentoring\/2023\/01\/19\/mentoring-als-erfolgsgeschichte\/\">Mentoring<\/a>, Beratung und Coaching werden zusammengenommen oder gar nicht erst definiert&nbsp;(so zum Beispiel bei K\u00f6bis und Mehner, 2021, S. 2). Zuweilen wird z.&nbsp;B. auch von Mentoring gesprochen, wenn ein Bot zur Lernunterst\u00fctzung als Tutoring entwickelt wird&nbsp;(Neumann&nbsp;<em>et al.<\/em>, 2021; Moser&nbsp;<em>et al.<\/em>, 2022; Neumann and Klamma, 2022).&nbsp;&nbsp;Daraus kann abgeleitet werden, dass es in diesen Kontexten keine intensive Auseinandersetzung mit den Dimensionen von Mentoring sowie Abgrenzungen zu anderen Angeboten gab \u2013 und infolgedessen das Training einer KI vermutlich entsprechend unzufriedenstellend ist. Sie entsprechen nicht den g\u00e4ngigen universit\u00e4ren Mentoring-Prinzipien im deutschsprachigen Raum und haben als Fallbeispiele f\u00fcr KI in Mentoring-Programmen daher kaum Relevanz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ethische Grenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Nutzung von KI \u2013 auch im Kontext Mentoring \u2013 bedeutet zun\u00e4chst eine Auseinandersetzung mit ethischen Fragen.&nbsp;K\u00f6bis und Mehner formulieren grundlegende Fragen dazu wie folgt:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMentoring is widely accepted as a very beneficial, personal, and individual support, in which mentees take advantage of expertise and experience to expand their knowledge and to achieve individual goals. However, the emerging use of AI in mentoring processes in higher education not only necessitates the adherence to applicable laws and regulations (e.g., relating to data protection and non-discrimination) but also further requires a thorough understanding of ethical norms, guidelines, and unresolved issues (e.g., integrity of data, safety and security of systems, as well as confidentiality, avoiding bias, insuring trust, and transparency of algorithms).\u201c&nbsp;(K\u00f6bis und Mehner, 2021, S. 1)<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Pr\u00fcfung verschiedener ethischer Standards f\u00fcr KI und Mentoring kommen K\u00f6bis und Mehner zu dem Schluss, dass \u00fcberlappende Standards gelten, zum Beispiel hinsichtlich der Datennutzung. So ben\u00f6tigt die Speicherung von Daten von Mentees und Mentor*innen f\u00fcr das Training und die Anwendung von KI eine ethische Rahmung&nbsp;(vgl. K\u00f6bis und Mehner, 2021, S. 7). Doch auch, wer eben schnell ChatGPT mit vertraulichen Daten \u00fcber sich selbst oder die Mentor*in f\u00fcttert, h\u00e4lt sich nicht an das Prinzip der Vertraulichkeit. Die Nutzung von KI in Mentoring-Angeboten fordert einen sensiblen Umgang zwischen Programmverantwortlichen und Teilnehmenden, aber auch unter den Teilnehmenden ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beziehungsgrenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hinsichtlich der Entwicklungen generativer AI f\u00fcr die Entwicklung psychosozialer Kompetenzen dr\u00e4ngt sich im Kontext Mentoring die Frage auf, inwieweit Peers und\/oder Mentor*innen durch Chatbots ersetzt werden k\u00f6nnen. Zunehmend gibt es Angebote f\u00fcr Chatbot-basiertes Mentoring; im Allgemeinen ist die Nutzung jedoch noch gering&nbsp;(Neumann und Klamma, 2022, S. 104). Zudem wird durchaus spekuliert, inwieweit zwischenmenschliche&nbsp;&nbsp;Herausforderungen im Vertrauensverh\u00e4ltnis Mentee-Mentor*in vermieden werden k\u00f6nnen, wenn etwa KI Mentor*innen ersetzt&nbsp;(K\u00f6bis und Mehner, 2021, S. 2 nach&nbsp;Weil, 2001; Moberg und Velazquez, 2004). Doch Mentoring funktioniert dank des zwischenmenschlichen Kontakts. Die psychosoziale Unterst\u00fctzung und Beratung, die seitens der Programmverantwortlichen geleistet wird, oder das&nbsp;<a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mentoring\/2025\/05\/22\/vom-studium-zur-promotion-wie-netzwerke-beim-ankommen-helfen-koennen\/\">Netzwerk<\/a>, das sich zwischen Peers, Mentees und Mentor*innen entwickelt, kann ein Chatbot niemals ersetzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wissensgrenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Chatbots, die eine Mentoring-Beziehung nachbilden sollen, hinken immer einen Schritt hinter dem (universit\u00e4ren) Alltag her. Denn ein Chatbot ist auf der technischen Seite durch die Programmierung, die nutzbaren Datens\u00e4tze und die KI-Kompetenz der Nutzer*innen beschr\u00e4nkt&nbsp;(Buck, 2025, p. 13).<a href=\"\/\/0ADF5C78-487C-4EBE-AA94-248EE6AB8289#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Mentoring-Programme schaffen durch zwischenmenschlichen Austausch Zugang zu informellem, d.&nbsp;h. nicht verschriftlichtem Wissen \u00fcber wissenschaftliche Verhaltensregeln, Kernkompetenzen oder fachkulturelle Spezifika. Dieses Wissen kann ad definitionem Chatbots nicht zur Verf\u00fcgung stehen, denn es ist in keinem Datensatz abgebildet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberdies zeigt die bisherige Nutzung von Chatbots, dass die Ergebnisse in hohem Ma\u00dfe davon abh\u00e4ngig sind, wie gut Prompting, also die Eingabe von Text oder Fragen, beherrscht wird. Der Wissensstand von Mentees bestimmt also die Qualit\u00e4t der Antwort, w\u00e4hrend im zwischenmenschlichen Austausch m\u00f6gliche Wissensl\u00fccken bei Antworten antizipiert werden k\u00f6nnen. Zudem kann ein Chatbot nicht erkl\u00e4ren, wie er zu einer Antwort kommt, w\u00e4hrend in Mentoring-Programmen Antworten von Peers, Mentor*innen, Koordinator*innen oder Trainer*innen durch gezieltes Nachfragen reflektiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Finanzielle Grenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>KI&nbsp;<em>kann<\/em>&nbsp;zur Erleichterung der Arbeitsorganisation im Wissenschaftsmanagement genutzt werden. Eine explorative Studie hat etwa f\u00fcr ein Mentoring-Programm an der Universit\u00e4t Berlin Einsparungen zeitlicher und personeller Ressourcen dank eines automatisierten Matching-Tools erkannt&nbsp;(K\u00f6bis, Ruhland und Piontkowitz, 2022). Jedoch h\u00e4ngen der Ablauf des Matching-Prozesses und die damit verbundenen zeitlichen und personellen Ressourcen in hohem Ma\u00dfe von der Programmgestaltung ab. Zudem geht aus dem Artikel nicht hervor, inwieweit die Kosten auf der Anwendungsseite die Einsparungen in Balance bringen (z.&nbsp;B.&nbsp;Hardware- und Infrastrukturkosten, Wartungsarbeiten). Zu implementieren ist&nbsp;f\u00fcr die zielf\u00fchrende und reflektierte Nutzung einer KI&nbsp;auch&nbsp;ein fortw\u00e4hrendes KI-Training von Mentees und Mentor*innen durch die Programmkoordination.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der konstruktive Nutzen von KI in Mentoring-Programmen h\u00e4ngt davon ab, wie kompetent Benutzer*innen das Tool anwenden (k\u00f6nnen), welche ethischen und qualitativen Standards f\u00fcr das jeweilige KI-Tool entwickelt wurden und wie der finanzielle Rahmen gegeben ist. Wer glaubt, KI k\u00f6nnte die intensive zwischenmenschliche Zusammenarbeit im Mentoring-Netzwerk auf der Seite der Teilnehmer*innen oder der Programmkoordination ersetzen, irrt. KI fehlt es an Qualit\u00e4t f\u00fcr zentrale Mentoring-Bausteine. Menschen leisten im Mentoring die Weitergabe von informellem Wissen, die Umsetzung von Trainings, den psychosozialen Austausch und den Aufbau wertvoller, interdisziplin\u00e4rer und generationen\u00fcbergreifender Netzwerkstrukturen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-default\" \/>\n\n\n\n<p>Autorin: Dr. Christina Lammer<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Danksagung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den bereichernden Austausch zum Thema KI im Rahmen der Erstellung dieses Beitrags danke ich Anja Westermann, Julia Steinhausen, Stefanie Leinfellner und der Pop-up-AG&nbsp;<em>KI und Mentoring<\/em>&nbsp;(Forum Mentoring e.&nbsp;V.).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Buck, I. (2025)&nbsp;<em>Wissenschaftliches Schreiben mit KI<\/em>. 1st edn. Stuttgart, Deutschland: utb GmbH. Available at: https:\/\/doi.org\/10.36198\/9783838563657.<\/p>\n\n\n\n<p>Fleck, R., Brocke, P.S. and Br\u00fcschke, G. (2017) \u2018Modul Mentoring: Die One-to-one Mentoring-Beziehung\u2019, in R. Petersen et al. (eds)&nbsp;<em>Praxishandbuch Mentoring in der Wissenschaft<\/em>. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, pp. 73\u201389. Available at: https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-658-14268-1.<\/p>\n\n\n\n<p>Forum Mentoring e.V. 2014. Mentoring mit Qualit\u00e4t \u2013 Qualit\u00e4tsstandards f\u00fcr Mentoring in der Wissenschaft. W\u00fcrzburg. 5. Auflage.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Haasen, Nele. 2001. Mentoring: pers\u00f6nliche Karrieref\u00f6rderung als Erfolgskonzept. M\u00fcnchen: Wilhelm Heyne.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kamm, R. and Wolf, H. (2017) \u2018Mentoring-Programme und Mentoring-Systeme: Was ist Was?\u2019, in R. Petersen et al. (eds)&nbsp;<em>Praxishandbuch Mentoring in der Wissenschaft<\/em>. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, pp. 57\u201370. Available at: https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-658-14268-1_6.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6bis, L. and Mehner, C. (2021) \u2018Ethical Questions Raised by AI-Supported Mentoring in Higher Education\u2019,&nbsp;<em>Frontiers in Artificial Intelligence<\/em>, 4, p. 624050.&nbsp;Available at: https:\/\/doi.org\/10.3389\/frai.2021.624050.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6bis, L., Ruhland, C. and Piontkowitz, V. (2022) \u2018Chancen und Herausforderungen beim Einsatz von Matching-Tools im Hochschulbereich\u2019.<\/p>\n\n\n\n<p>Moser, E.&nbsp;<em>et al.<\/em>&nbsp;(2022) \u2018G.3 Designing Digital Self-Assessment and Feedback Tools as Mentoring Interventions in Higher Education\u2019.<\/p>\n\n\n\n<p>Neumann, A.T.&nbsp;<em>et al.<\/em>&nbsp;(2021) \u2018Chatbots as a Tool to Scale Mentoring Processes: Individually Supporting Self-Study in Higher Education\u2019,&nbsp;<em>Frontiers in Artificial Intelligence<\/em>, 4, p. 668220.&nbsp;Available at: https:\/\/doi.org\/10.3389\/frai.2021.668220.<\/p>\n\n\n\n<p>Neumann, A.T. and Klamma, R. (2022) \u2018B.6 Kollaborative Erstellung von intelligenten Mentoring-Bots als skalierbare Werkzeuge zur individuellen Unterst\u00fctzung in der Hochschulbildung\u2019.<\/p>\n\n\n\n<p>de Witt, C., Rampelt, F. and Pinkwart, N. (2020) \u2018Whitepaper \u201cK\u00fcnstliche Intelligenz in der Hochschulbildung\u201d\u2019. Available at: https:\/\/doi.org\/10.5281\/ZENODO.4063722.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"\/\/0ADF5C78-487C-4EBE-AA94-248EE6AB8289#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;KI nutzt Datens\u00e4tze zur Automatisierung von Prozessen. Wie diese Automatisierung stattfindet, ist abh\u00e4ngig von den genutzten Datens\u00e4tzen und den vorgegebenen Algorithmen. Denn die Programmierung von Algorithmen bestimmt, welche Informationen aus Datens\u00e4tzen hinsichtlich einer vorgegebenen Zielsetzung zum Ergebnis f\u00fchren. Die Programmierung von KIs ist Grundlage der wesentlichen Kritik an der Technologie: Algorithmen werden von Menschen programmiert und spiegeln deren Wissensstand und Weltbild wider. Dadurch kommt es nachweislich zu reproduzierten Stereotypen und Diskriminierungen. Zudem erfindet KI Informationen, sogenannte Halluzinationen, und schafft es z.B. nicht, fehlende Datens\u00e4tze als \u201aWissensl\u00fccken\u2018 ersichtlich zu machen. Dahingehend zeichnet sich KI-Kompetenz dadurch aus, dass das Fehlerpotential z.&nbsp;B. von Chatbots in der Nutzung mitgedacht wird und entsprechend sensibel mit den Ergebnissen generativer KI umgegangen wird (Buck, 2025, p. 13).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KI ver\u00e4ndert die akademische Landschaft hinsichtlich Forschung, Lehre, Textproduktion oder der Ein\u00fcbung des akademischen Diskurses. F\u00fcr Beratungsangebote werden KI-Tools ver\u00f6ffentlicht. Insbesondere Chatbots werden f\u00fcr psychosoziale Kompetenzentwicklung genutzt. Ohne das Kind mit dem Bade auszusch\u00fctten, gilt: KI kann zentrale Bausteine in Mentoring-Programmen nicht ersetzen. 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