{"id":502,"date":"2024-12-03T14:27:51","date_gmt":"2024-12-03T13:27:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mentoring\/?p=502"},"modified":"2026-01-13T11:23:12","modified_gmt":"2026-01-13T10:23:12","slug":"mentoring-und-vorbilder-ein-rueckblick-nach-15-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mentoring\/2024\/12\/03\/mentoring-und-vorbilder-ein-rueckblick-nach-15-jahren\/","title":{"rendered":"Mentoring und Vorbilder &#8211; ein R\u00fcckblick nach 15 Jahren"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_502 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_502')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_502').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Motiviert durch ihre Erfahrung als Mentorin initiierte sie 2007 zusammen mit der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Irmgard Pilgrim das Mentoring-Programm f\u00fcr Doktorandinnen, mit dem Ziel langfristig den Frauenanteil unter den Professuren zu erh\u00f6hen. Im folgenden Bericht teilt sie ihre Gedanken zu Mentoring und der Wirkung von Vorbildern:<\/p>\n\n\n\n<p>Seit gut 15 Jahren leite ich das Mentoring-Programm f\u00fcr Doktorandinnen an der Uni Paderborn. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um sich zu fragen, ob ich so etwas noch einmal anfangen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie \u00fcblich in der Wissenschaft \u2013 Differenzierungsf\u00e4higkeit ist ja eine der Eigenschaften, die wir uns gerne zugutehalten \u2013 ist die Antwort komplex. Weil es hier um ein spezifisches Mentoring-Programm geht (mit anderen habe ich nur begrenzte Erfahrungen), m\u00f6chte ich mit der pers\u00f6nlichen Seite beginnen. Wenn es nur darum ginge, was mir Freude macht, dann w\u00fcrde ich es ohne Z\u00f6gern noch einmal starten. Ich habe mit allen Frauen, die es \u201ekoordiniert\u201c, wie das Verwaltungsdeutsch m\u00f6chte, haben, sehr gerne zusammengearbeitet, und ich habe die Zusammenarbeit immer als ungew\u00f6hnlich kooperativ, kollegial und angenehm erfahren. Das kann Zufall sein. Vielleicht hat es aber doch eine inhaltliche Komponente, die sich daraus speist, dass im Programm ganz \u00fcberwiegend Sinnvolles getan wird. Oder sagen wir bescheiden: etwas, das als sinnvoll erlebt wird. Ich freue mich auch jedes Jahr wieder dar\u00fcber, welch tolle, interessante und schwungvolle Frauen sich bewerben.<\/p>\n\n\n\n<p>Habe ich das Gef\u00fchl, Wirkung entfaltet zu haben? Das ist schon schwieriger zu beantworten. Quantitativ ist unsere Stichprobe auch nach 15 Jahren viel zu klein, als dass sich sichere Schl\u00fcsse daraus ziehen lie\u00dfen, selbst wenn man von Problemen der Selbstselektion, R\u00fcckschaufehlern, der raschen Ver\u00e4nderung der Rahmenbedingungen der wissenschaftlichen Karriere in den letzten Jahren und vielem anderen absieht. Ja, es gibt einige Professorinnen unter den Alumnae, und diese berichten auch, dass ihnen die Teilnahme geholfen habe. Was ich aber sagen kann ist, dass sich meine urspr\u00fcnglichen Hoffnungen nicht erf\u00fcllt haben. Das hat mit zwei Dingen zu tun. Einerseits ist die Erh\u00f6hung des Frauenanteils unter den Professuren deutlich z\u00e4her und langsamer, als ich es erwartet habe, und ich h\u00e4tte mir nie tr\u00e4umen lassen, dass ich 2023 noch abf\u00e4llige Bemerkungen \u00fcber die (hochqualifizierte) \u201eDame\u201c in einem Bewerber*innenfeld h\u00f6ren muss. Ich finde es frustrierend, wenn in Forschungsantr\u00e4gen stolz berichtet wird, wie viele weibliche Projektleitungen man im Konsortium habe, und ich als Gutachterin dann feststellen muss, dass sie aus einer Hilfswissenschaft kommen, die schon von sich aus relativ weiblich besetzt ist. Und es macht mich fassungslos, wie lahm die Verbesserung in einigen Feldern ist und wie wenig es den Kollegen ausmacht, schon wieder keine Frau berufen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Demgegen\u00fcber steht aber die Erfahrung, dass es f\u00fcr die Teilnehmer*innen selbst oft durchaus einen Unterschied zu machen scheint, im Programm gewesen zu sein. Selbst wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ge\u00e4ndert haben (wie konnte ich das blo\u00df erwarten?), w\u00fcrde ich denken, dass viele, wenn nicht sogar die allermeisten Wissenschaftlerinnen im Programm durch die Gruppe, mithilfe der Information und der Transparenz und durch ihre Mentorin eine Unterst\u00fctzung erfahren haben, die im besten Fall einen Unterschied macht \u2013 und zeigt, dass man in der Universit\u00e4t (relativ) solidarische Netzwerke bilden kann. Universit\u00e4ten sind (wie viele andere Institutionen) gut darin, Menschen zu \u201evereinzeln\u201c, d.h. ihnen den Eindruck zu vermitteln, dass sie Probleme als einzelne Menschen l\u00f6sen m\u00fcssen (und k\u00f6nnen). Damit verliert man eine sehr wichtige Ressource, seine Mitmenschen \u2013 hier: seine Mitfrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Mitfrau m\u00f6chte ich noch besonders hervorheben, n\u00e4mlich die Mentorin (und die Gelegenheit nutzen, einen gro\u00dfen Dank an all die Professorinnen zu senden, die sich die Zeit nehmen, mit jungen Wissenschaftlerinnen ausf\u00fchrlich zu sprechen!). Im Netzwerk spielt die Mentorin eine besondere Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Mentoring hat f\u00fcr mich damit zu tun, Vorbilder zu haben. Vorbilder genie\u00dfen allerdings derzeit keinen guten Ruf. Man m\u00f6chte lieber, dass Menschen individuell und autonom sind, Dinge selbst tun, nach eigener Fa\u00e7on. Das ist als Leitbild f\u00fcr die Ferne sicher auch richtig, aber Lernen durch Imitation hat nicht umsonst eine wichtige Funktion in der menschlichen Entwicklung. Ich halte es f\u00fcr sinnvoll, dar\u00fcber nachzudenken, was man am Vorbild, durch ein Vorbild lernen kann, wozu Vorbilder dienen, wie sie entlasten und auch erfreuen k\u00f6nnen \u2013 und, nat\u00fcrlich, was sie nicht leisten k\u00f6nnen oder, anders ausgedr\u00fcckt, wann die Orientierung am Vorbild zu weit geht. Letzteres tun wir oft genug, deswegen beschr\u00e4nke ich mich hier auf Ersteres.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Vorbild ist f\u00fcr mich nicht identisch mit einem Ideal. Ein Vorbild ist f\u00fcr mich eine konkrete, gesamte, leibliche Person, bei deren Beobachtung ich mir vorstellen kann: \u201eSo m\u00f6chte ich auch sein\u201c. Das ist zum Teil eine leibliche Reaktion (\u201eso&nbsp;<em>kann<\/em>&nbsp;ich auch sein\u201c), zum Teil eine emotionale (\u201edas f\u00fchlt sich gut an\u201c), zum Teil eine kognitive (\u201edas ist interessant\u201c), immer mit einer positiven Bewertung. Wenn ich neue Rollen \u00fcbernehme \u2013 als neue Professorin waren das f\u00fcr mich zum Beispiel die \u201eF\u00fchrung\u201c von Mitarbeiter*innen und die Betreuung von Early-Career-Wissenschaftler*innen (die damals noch nicht so hie\u00dfen), Auswahlgespr\u00e4che bei Einstellungen, Leitung von Selbstverwaltungsgremien und vieles mehr \u2013, dann hilft es mir, eine Frau vor Augen zu haben, die genau diese T\u00e4tigkeiten erledigt, in einer Weise, die mich anspricht und anspornt, es ihr gleich zu tun. Wirksam sind dabei oft ganz kleine Dinge, Gesten beispielsweise, Haltungen, die mein abstraktes Bild davon, wie es beispielsweise ist, eine Chefin zu sein, mit konkretem, lieblichem Leben f\u00fcllen. In dem Moment wird diese Aufgabe imitierbar, und wenn ich sie eine Weile imitiert habe, f\u00fclle ich sie dann auf meine Weise aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nachahmen eines Vorbilds ist, wie beim Lernen durch Imitation, also ein Schritt, eine \u00dcbergangsphase. Eine Phase, in der ich mich entlaste, in der ich etwas Schwieriges und Abstraktes mit Lebendigem f\u00fclle, ausprobiere und mir dann peu \u00e0 peu zu eigen mache. Nie (oder vielleicht: h\u00f6chst selten) ist Alles an einer Frau Vorbild.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Weise Vorbilder zu haben, ist mir auch deswegen wichtig, weil ich so Leistungen von Frauen ein wenig weitertragen kann, \u00fcber ihren eigenen Wirkungsbereich hinaus. Auch das geh\u00f6rt zum Mentoring dazu, und auch deswegen w\u00fcrde ich es noch einmal machen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ingrid Scharlau ist Professorin f\u00fcr Kognitive Psychologie und Psychologiedidaktik. Motiviert durch ihre Erfahrung als Mentorin initiierte sie 2007 zusammen mit der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Irmgard Pilgrim das Mentoring-Programm f\u00fcr Doktorandinnen, mit dem Ziel langfristig den Frauenanteil unter den Professuren zu erh\u00f6hen. 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