{"id":44,"date":"2017-06-11T17:20:25","date_gmt":"2017-06-11T15:20:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/?p=44"},"modified":"2017-06-11T17:20:25","modified_gmt":"2017-06-11T15:20:25","slug":"voyant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/2017\/06\/11\/voyant\/","title":{"rendered":"Voyant"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_44 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_44')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_44').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Scanning beschreibt hierbei das blo\u00dfe \u00dcberfliegen eines Textes w\u00e4hrend man auf Schl\u00fcsselbegriffe achtet. Dass hierbei oftmals Begriffe \u00fcbersehen werden k\u00f6nnen, scheint nur alzu logisch. Daher haben sich Informatiker angeschickt eine Software zu entwickeln, die einem Historiker diesen zeitaufwendigen Vorgang erspart. Das Ergebnis ist ein Programm mit dem Namen Voyant. Voyant kann mittels des sogenannten distant readings einen Text auf bestimmte Begriffe hin untersuchen und \u00fcbersichtlich in einer Grafik darstellen. Aus diesen lassen sich im Anschluss Erkenntnisse gewinnen, die bei der Analyse einer Quelle durchaus hilfreich sind.<\/p>\n<p>Im Folgenden werde ich anhand einiger Begriffsbeispiele eine kurze Analyse zu Adolf Hitlers Reden von 1933-45 durchf\u00fchren. Hierbei liegt die Konzentration auf Begriffe, die einen Bezug zur Relgion herstellten sollen. Durch die relativ gro\u00dfe zeitliche Spanne lassen sich genauere Aussagen \u00fcber die Unterschiede innerhalb der Reden herausarbeiten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich in diesem Rahmen mit dem Wort Erl\u00f6s beginnen. Um damit m\u00f6glichst alle Variationen des Begriffs abzudecken ( zum Beispiel: Erl\u00f6sung, erl\u00f6sen,&#8230;etc.), gibt Voyant automatisch vor, den Begriff mit einem Sternchen zu markieren. Dieser Trick ist \u00fcbrigens auch sinnvoll bei der Suche wenn Google verwendet wird. Wie auf der nachfolgenden Abbildung zu sehen ist, zeigen sich kaum Ausschl\u00e4ge, was die H\u00e4ufigkeit betrifft. In den Reden von 1933-36 findet erl\u00f6s* dabei gar keine Nennung. Im Jahre 1937 und 1942 findet sich dieser Begriff lediglich einmal in der Rede wohingegen in der Rede im Reichstag von 1939 erl\u00f6s* ganze sechsmal zu verzeichnen ist. Eine erste Vermutung k\u00f6nnte sein, dass Hitler dabei eine Art \u00dcbersicht zur Schau stellt, in der er bekundet von welchem Unheil er die deutsche Bev\u00f6lkerung seiner Meinung nach erl\u00f6st habe. Das k\u00f6nnte in diesem Fall beispielsweise die aus seiner Sicht verhasste Weimarer Republik sein, die er als eher schwaches System ansah. Somit versuchte er dem Volk das Vertrauen in sich selbst und der eigenen St\u00e4rke wieder zu beleben. Ironischerweise verweist Hitler bei der letzten Verwendung von erl\u00f6s* auf das f\u00fcnfj\u00e4hriger Bestehen des Nichtangriffspaktes mit Polen, in welchem Abschnitt er daraufhin nicht m\u00fcde wird zu betonen, welchen Dienst er damit beiden Staaten erwiesen habe. Wenig sp\u00e4ter \u00fcberfiel die Wehrmacht dann eben jenes Polen und st\u00fcrzte Europa damit in einen Krieg.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-46\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt2-300x137.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"137\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt2-300x137.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt2-768x350.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt2-1024x466.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt2.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Neben der absoluten H\u00e4ufigkeit von erl\u00f6s* kann man sich aber auch den Kontext direkt zeigen lassen und dabei die L\u00e4nge des Kontextes mit der Anzahl der umgebenden W\u00f6rter beschreiben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-48\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt-300x136.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"136\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt-300x136.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt-768x349.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt-1024x466.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt.png 1919w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Wurde gerade auf ein Wort eingegangen, was sich eher auf die Vergangenheit und deren Wertung berief, kommt nun mit \u201eHoffnung\u201c eines, was sich eher an die Zukunft orientiert. Wenn man sich hier nun die absoluten Zahlen ansieht, wie h\u00e4ufig das Wort \u201eHoffnung\u201c in den Reden zwischen 1933-45 verwendet wurde, dann f\u00e4llt auf, dass Hitler in der ersten Rede mit keinem Wort Hoffnung erw\u00e4hnt. Erst 1934 ist ein ganz starker Ausschlag zu verzeichnen, der sich in einer H\u00e4ufigkeit von siebenmal \u00e4u\u00dfert und damit den gr\u00f6\u00dften Ausschlag zeigt. Nach einigen Aufs und Abs stellen sich dann 1940 und 1941 die letzten Peaks ein. Im Anschluss an das Jahr 1941 sinkt die H\u00e4ufigkeit und damit sprichw\u00f6rtlich die Hoffnung auf 0. Daraus l\u00e4sst sich ableiten, dass Hitler diese Euphorie und die Nutzung der Hoffnung in eine bessere Zukunft erst 1934 richtig ergriff. Allerdings verwendet er diesen Begriff nicht nur um die Hoffnung der Anh\u00e4nger auszudr\u00fccken, sondern auch um die (vergebliche) Hoffnung seiner Gegner zu zerst\u00f6ren. Wenn man sich hingegen die Kurve ab 1941 ansieht, dann wird augenscheinlich, dass der Begriff Hoffnung bei jeder Niederlage der deutschen Streitkr\u00e4fte w\u00e4hrend des Krieges schw\u00e4cher ausgepr\u00e4gt war. Ab 1943, welches auch Jahr auch gleichzeitig die Niederlage in Stalingrad markierte und damit die Wende an der Ostfront einleitete, kommt in den hier gezeigten Reden kein Hoffnungsbegriff mehr vor.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-50\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt1-300x136.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"136\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt1-300x136.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt1-768x349.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt1-1024x465.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt1.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Neben den absoluten Zahlen kann man sich auch noch das relative Verh\u00e4ltnis der H\u00e4ufigkeit von Hoffnung zu der Anzahl der insgesamt verwendeten W\u00f6rter in der Rede ansehen, wordurch sich ein etwas anderes Bild ergibt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-52\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt3-300x136.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"136\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt3-300x136.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt3-768x349.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt3-1024x466.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt3.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Reflektionstext<\/p>\n<p>Ich war im ersten Moment \u00fcberrascht, was alles m\u00f6glich ist mit einem Textverarbeitungsprogramm wie Voyant. Es gibt eine Vielzahl an Tools die einem bei einer quantitativen Anlyse sicherlich weiterhelfen k\u00f6nnen, wenn man eine gro\u00dfe Anzahl an Quellen vor sich liegen hat. Auf der anderen Seite ist man aber auch darauf angewiesen, dass die Quelle zun\u00e4chst digital vorliegt und in zweiter Instanz auch als richtige Dateiart vorliegt. Des Weiteren eignet sich dieses Tool lediglich zur quantitativen Methode. Um wirklich aussagekr\u00e4ftige Erkenntnisse zu sammeln, gen\u00fcgt es des \u00d6fteren nicht blo\u00dfe Zahlen sich vor Augen zu halten, sondern es muss auch eine inhaltliche Analyse, also eine qualitative Untersuchung erfolgen, wobei man dann nicht um die alte F\u00e4higkeit des Lesens herum kommt.<\/p>\n<p>Ich habe hier in diesem kleinen Blogeintrag nicht mal die H\u00e4lfte der Tools verwendet, die Voyant zur Verf\u00fcgung stellt, daher kann eine abschlie\u00dfende Beurteilung zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgen. Was ich allerdings schon hier ausdr\u00fccken kann ist, dass Voyant sicherlich hilfreich ist, wenn es um eine Pr\u00e4sentation der Ergebnisse geht, selbt wenn es sich hierbei lediglich um Worth\u00e4ufigkeiten geht. Es sieht einfach klasse aus solche Wortkarten zu erstellen und diese dann in vielen verschiedenen Farben darzustellen. Auch der Spa\u00dffaktor sollte hierbei nicht untersch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-54\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt4-300x136.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"136\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt4-300x136.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt4-768x349.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt4-1024x465.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/jkossen\/files\/2017\/06\/Unbenannt4.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Im Bereich der Geschichte geht es h\u00e4ufiger um die quantitative Auswertung von Quellen. 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