{"id":111,"date":"2012-05-15T19:23:29","date_gmt":"2012-05-15T19:23:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/janarose\/?p=111"},"modified":"2012-05-15T19:23:30","modified_gmt":"2012-05-15T19:23:30","slug":"diagnose-und-forderung-aufgabe-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/janarose\/2012\/05\/15\/diagnose-und-forderung-aufgabe-4\/","title":{"rendered":"Diagnose und F\u00f6rderung &#8211; Aufgabe 4"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_111 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_111')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_111').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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An welchen Faktoren (allgemeine Faktoren und ggf. konkrete Beispiele) kann dies liegen?<\/strong><\/p>\n<p>Um diese Frage treffend beantworten zu k\u00f6nne, ist es zun\u00e4chst notwendig, zu definieren, wie sich das Nicht-Erreichen der geforderten Lernzeile \u00fcberhaupt\u00a0 charakterisiert: Die Situation, die vorliegt, ist ganz allgemein bestimmt erst einmal eine Diskrepanz zwischen einem akuten IST-Zustand, zu einem, der Entwicklungsstufe des Alters entsprechenden, SOLL-Zustand. SOLL-Zustand w\u00e4re in diesem konkreten Beispiel das Erreichen der Lernziele (so, wie es die Majorit\u00e4t der \u00fcbrigen Sch\u00fcler auch leisten kann).<\/p>\n<p>Diese Leistungsabweichung kann im heutigen Schulalltag das Resultat unterschiedlicher Faktoren sein.<\/p>\n<p>Zum einen k\u00f6nnen Lern- und Leistungsprobleme der Ausl\u00f6ser sein, darunter zum Beispiel die, die nicht nur die von ihr bezeichneten Kompetenzen der Betroffenen beeintr\u00e4chtigt, sondern auch Begleiterscheinungen zur Folge haben kann, wie eine Sprachst\u00f6rung oder generelle Aufmerksamkeitsschwierigkeiten.Gerade derartige Teilleistungsst\u00f6rungen k\u00f6nnen wiederum andere begr\u00fcnden:<\/p>\n<p>Ein Kind, dass aufgrund seiner Lese-Rechtschreib-Schw\u00e4che nicht im Stande ist, die in der Schule geforderten Leistungen zu erf\u00fcllen, wird vielleicht durch die Eltern, die sein Defizit nicht als solches erkennen, zu intensiverer Leistung angetrieben, obwohl ihm dies gar nicht m\u00f6glich ist. Durch den entstehenden Stress k\u00f6nnten dann erst recht Hausaufgabenkonflikte, oder ein Verlust des Selbstwertgef\u00fchls, eventuell begleitet von depressiven Verstimmungen, da der Druck zwar stetig w\u00e4chst, der Erfolg aber dennoch ausbleibt. Was folgt, ist ein Teufelskreis der Demotivation: Leistungsdruck bedingt deren Leistungsabfall.<\/p>\n<p>Es kann sicherlich auch davon ausgegangen werden, dass ein Kind, das in der Schule durch z.B. L\u00fccken im Sprachgebrauch (stockendes Vorlesen etc.) auff\u00e4llt, in soziale Integration gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnte, da Mitsch\u00fcler evtl. dazu neigen, es zu h\u00e4nseln oder aus der Klassengemeinschaft auszuschlie\u00dfen, um ihren eigenen Leistungsstand nicht infrage zu stellen.Wie in einer Kettenreaktion, wird dieses Kind dann vielleicht aufgrund der Erfahrung eines solch negativen Schulumfelds, den Gang zur Schule generell als unangenehm, mitunter sogar angstausl\u00f6send empfinden.<\/p>\n<p>Aber nicht nur psychische Probleme k\u00f6nnen Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Diskrepanz von IST- und SOLL-Zustand sein, sondern auch famili\u00e4re Faktoren.<\/p>\n<p>Dazu kann auch ein Migrationshintergrund der Familie geh\u00f6ren, denn teilweise sind die Eltern dieser Kinder nicht so fest in der deutschen Sprache verwurzelt, als dass sie ihnen ihr Wissen weitervermitteln k\u00f6nnten. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zeigen in derartigen F\u00e4llen dann vielleicht Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten und demzufolge auch Leistungsschw\u00e4chen, da Verst\u00e4ndnisfehler zuhause nicht behoben werden k\u00f6nnen, oder aber sich diese erst im Kontext Schule \u00fcberhaupt zeigen. Durch sprachliche Benachteiligung sind sie somit lernschw\u00e4cher. Ist eine solche Blockade durch Sprache gegeben, kann man nicht ausschlie\u00dfen, dass vielleicht auch der Kontakt zu Mitsch\u00fclern so erschwert wird, dass soziale Bindungen vernachl\u00e4ssigt werden und somit auch das Sozialverhalten nicht gef\u00f6rdert wird. Dies kann auch damit zusammenh\u00e4ngen, dass die Gewaltbereitschaft des Elternhauses in Familien mit Migrationshintergrund h\u00e4ufig eher gegeben ist, und die Kinder auf diese Art ein falsches Sozialgef\u00fchl vermittelt, bzw. dadurch erst wieder einen Hang zum Leistungsabfall (durch Druck) bekommen.<\/p>\n<p>Um im Wirkungsbereich Familie zu bleiben, k\u00f6nnte man als einen weiteren Indikator einen schlechten sozio\u00f6konomischen Stand der Familie hinzuziehen, da Nachforschungen auf diesem Gebiet nachweisen konnten, dass Kinder, deren Familie tats\u00e4chlich sozio\u00f6konomisch benachteiligt sind, eher zu \u00dcberforderung (im Schulalltag) neigen, als andere.Dabei ist jedoch auch bei jenen \u201eanderen\u201c Familien eine Leistungsschw\u00e4che nicht von vornherein ausgeschlossen: Auch hier kann, so zum Beispiel durch die Eltern, Druck ausge\u00fcbt werden, der das Kind eher am Lernen hindert, als es darin zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re aber auch denkbar, dass die Scheidung und evtl. der damit verbundene Partnerwechsel eines Elternteils ausschlaggebend f\u00fcr die Lernst\u00f6rung eines Kindes ist, da dieses Schwierigkeiten hat, sich in diesem neuen, sozialen Gef\u00fcge zu etablieren.<\/p>\n<p>All diese Faktoren k\u00f6nnen mit hineinspielen, wenn eine Sch\u00fclerin oder ein Sch\u00fcler in der Schule defizit\u00e4r vom, dem Alter angemessenen, Leistungsstand abweicht. Was jedoch im Einzelfall zutrifft, muss unter Ber\u00fccksichtigung des jeweiligen Individuums in Erfahrung gebracht werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bestimme f\u00fcr die einzelnen Faktoren, welche grunds\u00e4tzlichen Strategien zum Umgang damit bestehen<\/strong>.<\/p>\n<p>F\u00f6rderung bedeutet in diesem Fall die Reduzierung der bereits oben erw\u00e4hnten Diskrepanz von einem tempor\u00e4ren IST-Zustandes zu einem (angemessenen) SOLL-Zustand.<\/p>\n<p>Um auf grunds\u00e4tzliche F\u00f6rderungsma\u00dfnahmen zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen, muss vorrangig immer eines im Fokus stehen: Der Sch\u00fcler( die Sch\u00fclerin), bei dem eventuell F\u00f6rderbedarf notwendig ist. Flankierend sollen dann zus\u00e4tzlich Berater, sowie Lehrer und Eltern den Vorgang durch Erziehungskompetenz subventionieren.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf den IST-Zustand sollte zuerst das eigentliche Problem diagnostiziert werden, und zwar basierend auf Erkenntnis elaborierter, p\u00e4dagogischer Forschung. Weiterhin muss auch das SOLL, also der Zustand, an den der Leistungsstand angen\u00e4hert werden soll, klar definiert werden. \u00a0Die Frage ist: Was w\u00e4re eine dem Alter entsprechende Entwicklungsstufe?Erst, wenn dar\u00fcber Klarheit herrscht, kann auch die richtige F\u00f6rderungsstrategie eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Basal l\u00e4sst sich F\u00f6rderung in drei Kategogien unterteilen: Pr\u00e4vention, kurative Ma\u00dfnahmen und Rehabilitation.<\/p>\n<p>Besteht ein pr\u00e4ventiver Anlass, ist die Diskrepanz zwar noch nicht aufgetreten, aber m\u00f6glich bis absehbar. Eine pr\u00e4ventive F\u00f6rderung entspricht demnach einer Vorsorgema\u00dfnahme, die eine Leistungsdiskrepanz erst gar nicht entstehen lassen soll.<\/p>\n<p>Am Beispiel k\u00f6nnte dies unter anderem angewandt werden im Bereich der Vermeidung antizipierter Problemzust\u00e4nde, wie (exemplarisch) Konzentrationsschw\u00e4chen durch schlechte Ern\u00e4hrung. Hier k\u00f6nnte bereits pr\u00e4ventiv durch gezielte Informationsprogramme f\u00fcr Eltern und Sch\u00fcler auf deren Essverhalten und damit auch ihre Gesundheit eingewirkt werden.<\/p>\n<p>Bei einem interventiven Anlass, besteht bereits eine Diskrepanz, deren Einebnung kurative Ma\u00dfnahmen erfordert. Rekurrierend auf Aufgabenteil a) k\u00f6nnte es sich dabei zum Beispiel um die F\u00f6rderung der Sprachkenntnisse von Sch\u00fclern mit Migrationshintergrund handeln. Durch gezielte Unterst\u00fctzung k\u00f6nnte auf diese Weise ihre Sprachkompetenz gest\u00e4rkt und somit auch ihre schulische Leistung wieder verbessert werden.<\/p>\n<p>Rehabilitation schlie\u00dflich, wird dann verwendet, wenn das eigentlich Problem zwar bereits behoben ist, jedoch Sp\u00e4tfolgen auftreten, die aber mit darauf zugeschnittenen Ma\u00dfnahmen behoben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf Grundlage von Aufgaben a) und b): Wo siehst Du als Lehrerin\/Lehrer Dein zuk\u00fcnftiges Aufgabengebiet, wo sind Deine Grenzen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Problematik bei der Beantwortung dieser Frage, wird bereits offenbar in der Art ihrer Formulierung.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach gehend die Aufgaben eines Lehrers in der heutigen Zeit viel weiter, als ihre Grenzen dies zulassen.Das liegt jedoch weniger an den Grenzen der F\u00f6rderungsm\u00f6glichkeiten, als an der Bandbreite von Aufgaben, die sich erst in den letzten Jahren herauskristallisiert haben.<\/p>\n<p>Vor einiger Zeit noch fiel in das Aufgabengebiet eines Lehrers lediglich die geistige Bildung und disziplinierte, teilweise auch soziale Erziehung \u2013 wobei diese vorrangig dem Elternhaus zukam.In der heutigen Gesellschaft jedoch, kommen auf uns als k\u00fcnftige Lehrkr\u00e4fte weit umfangreichere Aufgaben zu, als dies noch vor drei\u00dfig Jahren der Falls war. Wir befinden uns stets in einer Position, in der damit zu rechnen ist, dass die Kinder, die unsere Sch\u00fcler sind, aus ihrem elterlichen Umfeld nur wenig soziale Kompetenzen vermittelt bekommen haben, was nicht zuletzt an der immensen Zunahme einer gesellschaftlichen sozio\u00f6konomischen Schw\u00e4chung liegt, die es den Eltern zum Teil auch kaum noch erlaubt intensiv Zeit in die soziale Erziehung ihrer Kinder zu investieren.<\/p>\n<p>Auf schulischem Wege soll also nicht nur ihr Bildungsniveau erweitert, sondern auch ihr zwischenmenschliches Verhalten gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt kommt hinzu, dass die Zuwanderungsrate in Deutschland gerade in den vergangenen Jahr doch zugenommen hat und sich das neue und zuk\u00fcnftige Lehrerkollegium auch darauf einstellen muss, mit Sch\u00fclern zu arbeiten, deren Sprachkenntnisse noch nicht dem Stand der \u00fcbrigen Klassenteilnehmer entsprechen. Wir m\u00fcssen also einen Weg finden, der es erlaubt sowohl die Sprachkompetenz (aller! \u2013 das ist wichtig) Sch\u00fcler zu subventionieren, uns um eine sozial angemessenes Klassenklima zu bem\u00fchen, in dem niemand benachteiligt wird (sei es durch sprachliche oder sonstige Diskrepanz) und im Rahmen all dessen den Bildungsaspekt so zu integrieren, dass allen Sch\u00fclern ein dem Alter angemessenes Entwicklungsniveau gew\u00e4hrleistet wird.<\/p>\n<p>Das <em>w\u00e4ren<\/em>, die Aufgaben der Lehrer, wie ich sie <em>s\u00e4he<\/em>, st\u00fcnden uns dabei nicht so viele Grenzen im Wege.Denn leider k\u00f6nnen wir nicht wissen, ob auch die Eltern unserer Sch\u00fcler mit diesem System, das an sich ja doch recht realistisch und zielorientier konzipiert ist, kooperieren.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen auf Erziehung und F\u00f6rderung nur so weit Einfluss nehmen, wie es den schulischen Rahmen betrifft. Was zuhause, im famili\u00e4ren Umfeld passiert, entzieht unserem Wirkungsbereich.<\/p>\n<p>Wenn die Eltern mit Migrationshintergrund darauf beharren, dass ihr Kind weiterhin <em>ihre<\/em> Muttersprache spricht, anstelle es zu unterst\u00fctzen sich sprachlich fortzubilden, dann ist es fraglich, ob der in der Schule initiierte F\u00f6rderunterricht wirklich einen Effekt erzielt.<\/p>\n<p>Wenn ein Sch\u00fcler mit sozial-emotionaler St\u00f6rung (und in diesem Fall referiere ich auf ein real-existentes Beispiel) auch seine Freizeit mit Kindern verbringt, die seine unkontrollierten Verstimmungen nur noch mehr f\u00f6rdern und auch die Eltern nicht an der psychologischen Betreuung ihres Kindes interessiert sind, inwiefern kann die von der Schule engagierte psychologische Fachkraft noch Einfluss auf sein Verhalten nehmen?<\/p>\n<p>Was uns als k\u00fcnftigen Lehrern bleibt, ist unseren Aufgaben, so wie sie sich uns stellen nach besten Verm\u00f6gen nachzukommen und die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen so zu f\u00f6rdern, wie wir k\u00f6nnen \u2013 und zwar auf ALLEN Kompetenzebenen. Wir m\u00fcssen sie vorbereiten auf ihre Zukunft und die Gesellschaft, die damit einhergeht. Was nicht mehr in unserer Verantwortung liegt, k\u00f6nnen wir vielleicht nicht \u00e4ndern, aber da, wo wir wirken k\u00f6nnen, sollten wir unsere Aufgaben so intensiv wahrnehmen wie es geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Sch\u00fclerin\/ein Sch\u00fcler erreicht dauerhaft nicht die geforderten Lehrziele. An welchen Faktoren (allgemeine Faktoren und ggf. konkrete Beispiele) kann dies liegen? 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