{"id":53,"date":"2021-06-12T23:00:41","date_gmt":"2021-06-12T21:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/?page_id=53"},"modified":"2022-02-04T12:24:08","modified_gmt":"2022-02-04T11:24:08","slug":"verhaeltnis-von-elektronik-und-akustik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/verhaeltnis-von-elektronik-und-akustik\/","title":{"rendered":"\u00dcber das Lernen in popul\u00e4rer Musikkultur"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_53 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_53')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_53').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Wie erlangt man dieses K\u00f6nnen, woher genau kommen diese F\u00e4higkeiten und Werkzeuge, die den Startpunkt jeden Musikschaffens bilden? In diesen Fragen liegt unser Interesse an den Anf\u00e4ngen und der Ausbildung dieser F\u00e4higkeiten begr\u00fcndet. Wir beleuchten die Entwicklung der musikalischen F\u00e4higkeiten einiger unserer interviewten Musiker*innen und werfen dazu einen Blick in die Forschung zur musikalischen Sozialisation und zum informellen Lernen. In diesem Zuge betrachten wir Aussagen der Musiker*innen zu ihren musikalischen Urspr\u00fcngen und fragen: Wie ist das Interesse f\u00fcr das Musizieren bei ihnen entstanden? Warum wurden die Musiker*innen aktiv? Gab es etwa einen Schl\u00fcsselmoment? Gibt es unterschiedliche Formen des musikalischen Lernens und wenn ja, welche Form nimmt einen besonderen Stellenwert in den Aussagen der interviewten Musiker*innen ein? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, werden wir die Aussagen \u00fcber erste Ber\u00fchrungspunkte mit Musik, die erste Ann\u00e4herung an ein Instrument sowie die Entwicklung einer eigenen Herangehensweise an das Lernen von F\u00e4higkeiten aus den Interviews herausarbeiten.<\/p>\n<h5 class=\"western\"><a name=\"__RefHeading___Toc105_2385149387\"><\/a>\u00a0Musikalische Sozialisation<\/h5>\n<p>Nach den Soziologen Klaus Hurrelmann und Dieter Ulrich meint Sozialisation zun\u00e4chst \u201eMitglied werden in einer Gesellschaft\u201c (Hurrelmann\/Ulich 1998, 6). Der Musikp\u00e4dagoge und -psychologe G\u00fcnter Kleinen spezifiziert, dass dies in \u201ewechselseitige[r] Beeinflussung von Individuum und Gesellschaft\u201c geschieht (Kleinen 2008, 42). Dabei ist das Individuum explizit aktiv oder, wie Hurrelmann es formuliert, ein \u201eproduktiv realit\u00e4tsverarbeitende[s] Subjekt\u201c (Hurrelmann, zit. n. ebd.). Der Mediensoziologe Robert Seifert fasst dies vor dem Hintergrund der Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung mit der \u201eInternalisierung von Werten, Haltungen, Gewohnheiten sowie als Aneignung von Fertigkeiten im allt\u00e4glichen Leben\u201c zusammen (Seifert 2018, 145). Bei den Musikwissenschaftlern Hans Neuhoff und Helga de la Motte-Haber findet sich in Bezug auf die musikalische Sozialisation die Beschreibung der \u201eEntwicklung musikbezogener Erlebensweisen, Handlungsformen und Kompetenzen.\u201c (Neuhoff\/Motte-Haber 2007, 390.) Darunter fallen u.a. der \u201eMusikgeschmack\u201c, \u201eNutzungsgewohnheiten\u201c, \u201eUrteilsbildung\u201c, und gegebenenfalls praktische F\u00e4higkeiten. All dies macht zusammen die \u201eBedeutung von Musik f\u00fcr die Identit\u00e4t einer Person\u201c aus (ebd.). Weiterhin betonen sie explizit, dass die Musik einen sehr hohen Stellenwert in Bezug auf die Bildung des \u201esozialen Charakters\u201c hat (ebd., 391). Die Beschreibungen von Neuhoff und de la Motte-Haber bilden eine wichtige Grundlage f\u00fcr die weiteren \u00dcberlegungen im vorliegenden Text und gerade der \u201esoziale Charakter\u201c wird sich hier als besonders relevant erweisen.<\/p>\n<p>Doch zun\u00e4chst wenden wir uns den unterschiedlichen Stadien der Sozialisation zu. Das erste Stadium, Seifert nennt es \u201efamiliale musikalische Sozialisation\u201c (Seifert 2018, 148), ist gepr\u00e4gt vom Elternhaus und umfasst die Zeit von der Geburt bis zur Pubert\u00e4t. In diesem Stadium bilden Familienangeh\u00f6rige die Hauptbezugspersonen und pr\u00e4gen das Kind nachhaltig. (Vgl. Neuhoff\/Motte-Haber 2007, 399.) Marius Vieth, der S\u00e4nger und Gitarrist der Band KID DAD, gibt in den Interviews hierzu ein gutes Beispiel: \u201eMein Opa hat Horn gespielt, das hat mich voll fasziniert.\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2579\">(KID DAD, 00:42:59 ff.)<\/a> Schlie\u00dflich spielte Marius von der 3. bis zur 8. Klasse im selben Verein wie sein Opa \u2013 allerdings Trompete <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2579\">(ebd.)<\/a>. Ungeachtet der differenten Instrumentenwahl l\u00e4sst sich hier sehr deutlich die Inspiration zum ersten aktiven Zugang zur Musik durch den Gro\u00dfvater feststellen.<\/p>\n<p>Kinder zeigen sich grunds\u00e4tzlich offen gegen\u00fcber unterschiedlicher Musik, was mit einer starken Orientierung an den Eltern \u2013 an deren Musikverhalten und Pr\u00e4ferenzen \u2013 einher geht. (Vgl. Kleinen 2008, 46; Seifert 2018, 185.) Zus\u00e4tzlich zur Familie gewinnen mit der Zeit jedoch auch Peergroup und Schule an Einfluss. (Vgl. Gembris 2009, 185.) Beide Instanzen repr\u00e4sentieren den Umweltaspekt der Sozialisation. Dem gegen\u00fcber steht das Individuum, welches mit Faktoren wie \u201eBegabung, Lernf\u00e4higkeit, intrinsische[r] Motivation, Leistungsbereitschaft\u201c (Kleinen 2008, 44) ausgestattet ist. Dabei betont Kleinen das wechselseitige Verh\u00e4ltnis der beiden Pole Umwelt und Individuum. (Vgl. ebd.) Das bedeutet, dass das Individuum die genannten Faktoren mitbringt und die Umwelt \u2013 also Familie, Peergroup, Schule \u2013 dessen Entwicklung in irgendeiner Art und Weise unterst\u00fctzt, und nat\u00fcrlich umgekehrt. Oder anders gesagt, Individuum und Umwelt bedingen sich gegenseitig.<\/p>\n<p>Bei der Auseinandersetzung mit diesem Themenfeld wird besonders der Einfluss des Jugendalters auf die musikalische Sozialisation hervorgehoben sowie umgekehrt der besondere Stellenwert von Musik im Sozialisationsprozess von Jugendlichen. Dies \u00fcberrascht auch nicht, denn schlie\u00dflich stellt das Jugendalter die Phase der Abl\u00f6sung von vorherigen Sozialisationsinstanzen zugunsten der Herausbildung einer eigenen Identit\u00e4t dar (vgl. Kleinen 2008, 44; Gembris 2009, 185; Seifert 2018, 148 f.). Seifert betont, dass es einen Konsens dar\u00fcber g\u00e4be, dass Musik die Verarbeitung der Gef\u00fchle in Verbindung mit den drastischen Ver\u00e4nderungen des Jugendalters sehr gut auffangen k\u00f6nne. Dabei fokussiert er sich auf die Rolle der Popmusik, die besonders bei der Verarbeitung von Konflikten und Entwicklungsaufgaben beteiligt sei (Seifert 2018, 149). So schreibt er: \u201eNicht umsonst gilt die Herausbildung musikalischer Pr\u00e4ferenzen im Jugendalter als zentraler Schritt\u201c (ebd., 147). Die Orientierung an Gleichaltrigen sorgt f\u00fcr \u201eemotionalen R\u00fcckhalt\u201c im Angesicht der \u201ever\u00e4nderten gesellschaftlichen Bedingungen\u201c in der Jugend (Kleinen 2008, 45).<\/p>\n<p>Des Weiteren berichtet Seifert \u00fcber die \u201eAuspr\u00e4gung musikalischer Pr\u00e4ferenzen\u201c (Seifert 2018, 150) im gesch\u00fctzten Rahmen der Peergroups: Musik sei eines der bedeutendsten Themenfelder in diesem Alter. (Vgl. ebd.) Sie unterst\u00fctze die Identit\u00e4tsbildung durch die Teilhabe an Peergroups. (Vgl. ebd., 155.) Das kann dadurch geschehen, dass der Musikgeschmack ein Pr\u00fcfpunkt f\u00fcr m\u00f6gliche Freundschaften darstellt, da es sich um eine Gemeinsamkeit handelt und Jugendliche auch Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale in den Musikgeschmack hineininterpretieren. Daraus l\u00e4sst sich auf Basis von Neuhoff und de la Motte-Haber schlussfolgern, dass innerhalb einer Gruppe \u201ewechselseitige musikgeschmackliche Anpassungsprozesse statt[finden]\u201c (Neuhoff\/Motte-Haber 2007, 402). Seifert fasst diese Prozesse als \u201emusikzentriert[e] Vergemeinschaftung\u201c zusammen (Seifert 2018, 150). Kleinen formuliert diesen Sachverhalt wie folgt: \u201e[O]hne Zweifel hat Musik die h\u00f6chste individuelle und soziale, somit auch entwicklungspsychologische Relevanz in der Jugendphase\u201c (Kleinen 2008, 58). Greift man das Beispiel von Marius wieder auf, so zeigt sich das auch in seinem Werdegang: Entsprechend der dargelegten Neuorientierung im Jugendalter h\u00f6rte er in der 8. Klasse auf, Trompete zu spielen. Damit l\u00f6ste er sich von der famili\u00e4ren Pr\u00e4gung (hier der Gro\u00dfvater) und begann, Gitarre zu spielen. Er wandte sich so identit\u00e4tsstiftend seiner Peergroup zu, indem er bald Teil einer Band aus Gleichaltrigen wurde <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2579\">(vgl. KID DAD, 00:42:59 ff.)<\/a>.<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr ab einem Alter von 20 Jahren \u201efestigt sich\u201c schlie\u00dflich die \u201epopmusikalische Identit\u00e4t\u201c und musikalische Pr\u00e4ferenzen dieser Zeit werden oft ein Leben lang beibehalten (Kleinen 2008, 50). Ver\u00e4nderung findet dann h\u00e4ufig nur noch auf der Ebene der Art und Weise des H\u00f6rens statt: Sie ver\u00e4ndert sich dahingehend, dass der identit\u00e4ts- und gruppenzugeh\u00f6rigkeitsstiftende Charakter der Musik in der Jugend zugunsten eines subjektiveren H\u00f6rens aufgegeben wird. (Vgl. ebd., 58 f.; Zur Sozialisation als lebenslangen Prozess vgl. weiterf\u00fchrend Seifert 2018, 150.)<\/p>\n<h5 class=\"western\"><a name=\"__RefHeading___Toc107_2385149387\"><\/a>Schl\u00fcsselerlebnisse &amp; Musikimmanente Motivation<\/h5>\n<p>Wenden wir uns nun der Frage zu, warum Menschen aktiv musizieren. Ziel ist es dabei, von dem zuvor gegebenen \u00dcberblick und der Einordnung in Entwicklungsphasen zu einer Betrachtung von Schl\u00fcsselerlebnissen, Motivation und informellem Lernen zu f\u00fchren, um so besondere Momente im Detail zu beleuchten. Der Musikpsychologe Heiner Gembris zeigt den Einfluss von \u201enicht vorhersehbare[n] Ereignisse[n]\u201c auf, also von sogenannten \u201eSchl\u00fcsselerlebnissen\u201c (Gembris 2009, 205). Diese k\u00f6nnten einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklung musikalischer F\u00e4higkeiten haben. So f\u00fchrt er Beispiele an, wie das einer auf dem Dachboden gefundenen Trompete oder eines als besonders empfundenen Konzertes und verweist auf biografische Studien, die zu entsprechenden Ergebnissen kommen. Abschlie\u00dfend leitet er Kriterien zur Kategorisierung m\u00f6glicher musikalischer Schl\u00fcsselerlebnisse ab (ebd., 205\u2013208). Er weist dabei auf den \u201esubjektiv relevanten musikalischen Kontext\u201c und die \u201estarke emotionale Bewegung\u201c hin sowie auf die Entwicklung und Kanalisation neuer \u201eErkenntnisse\u201c, \u201eInteressen\u201c und einen Beitrag zur \u201eIdentit\u00e4tsbildung\u201c (ebd., 208). Ebenso beschreibt er die H\u00e4ufung von Schl\u00fcsselmomenten in \u201ePhasen der Unsicherheit und Orientierungssuche\u201c und dass mit ihnen \u201eWendepunkte mit l\u00e4ngerfristigen Folgen\u201c einhergingen (ebd.). An dieser Stelle zeigt sich, dass die hinter den Schl\u00fcsselmomenten stehenden Mechanismen stark an die Sozialisation im Jugendalter erinnern \u2013 es scheinen in dieser Zeit (jedoch nicht nur dann) grunds\u00e4tzlich viele Aspekte vorzuliegen, die Schl\u00fcsselmomente beg\u00fcnstigen k\u00f6nnen. Die genannten Parallelen f\u00fchren uns hingegen zu weiteren Aussagen der interviewten K\u00fcnstler*innen:<\/p>\n<p>Der Leadgitarrist der Band KID DAD, Joshua Meinert alias Joshi, wuchs in einem musikgepr\u00e4gten Haushalt mit st\u00e4ndig verf\u00fcgbaren Gitarren auf, f\u00fcr die er sich ungeachtet der musikalischen Aktivit\u00e4t seines Vaters zun\u00e4chst weniger interessierte <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2355\">(KID DAD, 00:39:15 ff.)<\/a>. Das \u00e4nderte sich, als Joshi 17 wurde:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px\">[I]rgendwie war ich unzufrieden mit meinem Umfeld da, weil [&#8230;] f\u00fcr mich war das so hohl alles [&#8230;]. Dann habe ich pl\u00f6tzlich entdeckt, dass es Menschen gibt, die Bands haben und eigene Songs schreiben [&#8230;] und das fand ich irgendwie richtig geil und [&#8230;] [ein Mensch], der mich ganz besonders beeindruckt hat damals[, &#8230;] hat daf\u00fcr gesorgt, dass ich irgendwann eine Gitarre in die Hand genommen habe und dann bin ich tats\u00e4chlich meiner ersten Band beigetreten, bevor ich angefangen habe, Gitarre zu spielen, [&#8230;] mit dem Versprechen, dass ich das jetzt lerne. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2355\">(KID DAD, 00:39:15 ff.)<\/a><\/p>\n<p>Diese Situation bedient alle zuvor genannten Merkmale eines Schl\u00fcsselerlebnisses: Joshi findet in dem Beitritt einer Band die Orientierung, die ihm zuvor fehlte. Das Musizieren wirkt identit\u00e4tsstiftend auf ihn \u2013 besonders vor dem Hintergrund seines weiteren Werdegangs \u2013 und stellt den Ausgangspunkt f\u00fcr die Entwicklung von Erkenntnissen und Interessen dar. Somit bedeutet der Beitritt in eine Band einen Wendepunkt in seinem Leben.<\/p>\n<p>An diesem Beispiel ist ein weiteres Themenfeld unserer genaueren Betrachtung, warum Menschen aktiv musizieren, zu erkennen: Die Motivation. Joshi, der von klein auf umgeben von Gitarren war, wird erst durch einen Freund zum Erlernen dieses Instruments und zum Bandbeitritt motiviert.<\/p>\n<p>Der Musiksoziologe Jan Hemming definiert Motivation in einem Text \u00fcber autodidaktisches Lernen mit Bezug auf Edward Decis und Richard Ryans \u201eSelbstbestimmungstheorie der Motivation\u201c als Zusammensetzung aus \u201eKompetenz\u201c, \u201eAutonomie\u201c und \u201esozialer Eingebundenheit\u201c (Hemming 2009, 68). Hemming stellt in Bezug auf seine Studie \u00fcber semi-professionelle Rock- und Popmusiker*innen eine Verbindung zwischen Motivation und Lernen her. Dies lege f\u00fcr ihn auch der Charakter von popul\u00e4rer Musik nahe, da \u201eder individuelle Ausdruck und die kreative Bet\u00e4tigung\u201c stark mit dieser Musikrichtung verbunden sei. (Vgl. ebd., 69.) \u00c4hnliche \u00dcberlegungen lassen sich auch bei Gembris finden: Der \u201eAusdruck pers\u00f6nlicher Gef\u00fchle\u201c erfordere \u201eein gr\u00f6\u00dferes Ma\u00df an Spontaneit\u00e4t\u201c \u2013 entgegen der eher auf \u201eReproduktion\u201c (ebd.) ausgerichteten klassischen Musik \u2013 sodass autodidaktisches Lernen f\u00fcr Popmusik besonders geeignet sei. (Vgl. Gembris 2009, 204.) Ferner k\u00e4men die Bildungsinstitutionen den \u201eneusten Trends\u201c der Popmusik nicht schnell genug hinterher, sodass es nicht immer den passenden Unterricht geben k\u00f6nne. (Vgl. ebd., 205.) Hemming definiert schlie\u00dflich den Begriff der \u201emusikimmanenten Motivation\u201c (Hemming 2009, 69), also Motivation, die mit oder aus der Musik entsteht. Er nennt daf\u00fcr das Beispiel der \u201eLiebe\u201c (ebd.) f\u00fcr ein Instrument oder f\u00fcr einen Song, was dann in intensivem \u00dcben und dem \u201eFlow-Effekt\u201c (ebd.) m\u00fcnden w\u00fcrde: \u201eMusik wird als Ausl\u00f6ser emotionaler Erlebnisse oder von Ereignissen hoher Intensit\u00e4t erfahren.\u201c (ebd.) Darin liegt f\u00fcr Hemming auch der \u201eSchl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis von Motivation\u201c (ebd.).<\/p>\n<p>Aussagen der von uns interviewten K\u00fcnstler*innen untermauern diese \u00dcberlegungen Hemmings. Die Liebe zum Instrument und die daraus erfolgende Motivation, intensiv zu \u00fcben, findet sich bei dem zuvor bereits beschriebenen Beispiel von Joshi:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px\">[H]abe mir irgendwie Sachen angeguckt und dachte mir \u201eAh krass, die k\u00f6nnen sowas machen mit einer Gitarre, das will ich auch!\u201c Dann habe ich da irgendwie dran gesessen und einfach ausprobiert und von mir aus einen extremen Antrieb gehabt, einfach besser zu werden. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2355\">(KID DAD, 00:39:15 ff.)<\/a><\/p>\n<p>Die Faszination f\u00fcr das Instrument sowie f\u00fcr andere Musiker*innen und deren F\u00e4higkeiten scheinen bei Joshi die Motivation ausgel\u00f6st zu haben, seine eigenen F\u00e4higkeiten stetig auszubauen, mit, wie er es sagt, \u201eeiner gesunden Ein- oder \u00dcbe-Mentalit\u00e4t [\u2026], weil wenn man nicht \u00fcbt, dann passiert nichts\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2355\">(ebd.)<\/a>.<\/p>\n<p>Auch im Werdegang von Marius (KID DAD) lassen sich unsere Ausf\u00fchrungen zur Motivation wiederfinden: Zwar hatte er Gitarrenunterricht, doch brachte es ihm f\u00fcr seinen musikalischen Werdegang mehr, in einer Band zu sein. Marius beschreibt seine Motivation folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px\">Dann habe ich eigentlich mit der Band Gitarre spielen gelernt, habe aber nie wirklich den Ansporn gehabt, [&#8230;] viel mehr auf der Gitarre zu k\u00f6nnen, als selber aus meinem Kopf herauskommt. Ich habe mich selber durch das Zeug, was ich spielen wollte, was ich geschrieben habe, gepusht [&#8230;]. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2579\">(ebd., 00:42:59 ff.)<\/a><\/p>\n<p>Es zeigt sich, dass sich bei Marius deutlich der zuvor nach Gembris und Hemming beschriebene Aspekt des Selbstausdrucks durch popul\u00e4re Musik als Ursprung seiner Motivation findet. Ebenso wird (wie auch bei Joshi) der Aspekt der \u201eGruppenprozesse\u201c innerhalb einer Band deutlich, die nach Hemming einen vergleichbaren Stellenwert wie die \u201emusikimmanente Motivation\u201c haben (Hemming 2009, 70). Wie stark der pers\u00f6nliche Ausdruck und die Gef\u00fchle beim Musizieren bei allen Bandmitgliedern von KID DAD im Fokus liegen, wird besonders daran deutlich, dass sie bandintern eine besondere \u201eAussprache\u201c gefunden haben: So sagen sie \u201ef\u00fchl ich\u201c oder \u201ef\u00fchl ich nicht\u201c als Bewertungskriterien beim Song schreiben. \u201eDas beschreibt uns als Band eigentlich auch ganz gut, weil \u00fcber dieses Gef\u00fchl sehr viel bei uns geht\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=249\">(KID DAD, 00:04:09 ff.)<\/a>.<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstlerin LISA WHO hatte unregelm\u00e4\u00dfig Unterricht f\u00fcr unterschiedliche Instrumente, den sie jedoch immer wieder abbrach, bis sie im Alter von 15 Jahren mit Gesangsunterricht begann. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=939\">(Vgl. LISA WHO, 00:15:39 ff.)<\/a> \u201eUnd dann kam irgendwann dazu, dass ich [&#8230;] Ideen im Kopf hatte und die gerne auch selber umsetzen wollte, [&#8230;] ich habe einfach das versucht zu lernen, was ich brauchte daf\u00fcr. [&#8230;] [A]ber die meisten Sachen lerne ich wirklich durch Machen.\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=939\">(ebd.)<\/a> Auch hier entsteht die Motivation dadurch, dass sie sich selbst ausdr\u00fccken m\u00f6chte, und \u00fcberlegt, wie sie ihre Ideen umsetzen kann. Alex Nolte (u.a. Mitglied der Band Julia\u2019s Mind) spricht davon, dass Grundkenntnisse aus dem Musikunterricht \u2013 er betont auch das Ausprobieren mehrerer unterschiedlicher Instrumente \u2013 f\u00fcr ihn wie ein \u201eTool\u201c seien, mit dessen Hilfe er seine Ideen \u201eaus dem Kopf rauskriegt\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/zEgwF4Swm0o?t=883\">(Alex Nolte 00:14:43 ff.)<\/a>. Auch hat das Gef\u00fchl einen hohen Stellenwert f\u00fcr seine Musik. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/zEgwF4Swm0o?t=883\">(Vgl. ebd.)<\/a> LISA WHO wie Alex nutzen also die im Unterricht erworbenen Grundkenntnisse in Kombination mit ihren eigenen Ideen, ihren Gef\u00fchlen, um die Musik aus ihren K\u00f6pfen heraus f\u00fcr die Ohren der H\u00f6rer*innen zu transferieren. F\u00fcr LISA WHO war auch explizit eine Zeit pr\u00e4gend, in der sie bei Aufnahmen der Band Madsen als Musikerin dabei war, denn \u201edann kann man sehr viel herum probieren.\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=939\">(LISA WHO 00:15:39 ff.)<\/a> Gembris nennt diese Vorgehensweise \u201eTrial-and-Error-Prinzip\u201c (Gembris 2009, 205). Somit verbindet ihre Zeit bei Madsen sowohl den Aspekt des Probierens \u2013 also den der \u201emusikimmanenten Motivation\u201c \u2013, als auch den bisher immer wieder erw\u00e4hnten \u201esozialen Charakter\u201c der Gruppenprozesse durch das Musizieren in einer Band.<\/p>\n<h5 class=\"western\"><a name=\"__RefHeading___Toc109_2385149387\"><\/a>Informelles Lernen<\/h5>\n<p>Wenden wir uns nun einer Betrachtung des Themas Lernen zu. Unter Lernen durch \u201eeinfach machen\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=939\">(LISA WHO, 00:15:39)<\/a>, wie LISA WHO ihr eigenes Vorgehen beschreibt, kann man auch informelles Lernen verstehen. Dies wiederum ist eine Lernform, die sich von bekannten Prinzipien des formalen und non-formalen Lernen unterscheidet. Letztere begegnen in Einrichtungen wie Schulen, Ausbildungsst\u00e4tten und Hochschulen. (Vgl. Harring\/Witte\/Burger 2018, 18.) Diese wiederum sind auf der Grundlage bestimmter Lerninhalte gestaltet sowie mit einer Qualifizierung und Zertifizierung verbunden. Formales Lernen ist also zielgerichtet und findet in anerkannten Bildungseinrichtungen statt. Non-formale Einrichtungen sind zwar auch wie formale Einrichtungen institutionell strukturiert, doch diese k\u00f6nnen freiwillig genutzt werden. (Vgl. Harring\/Witte\/Burger 2018, 18.) Diese Lernprozesse zielen aber nicht haupts\u00e4chlich auf einen Abschluss oder ein Zertifikat ab. Beispiele w\u00e4ren innerbetriebliche Weiterbildungen, private Sprachkurse oder auch vorschulische Bildung.<\/p>\n<p>Bezeichnungen f\u00fcr informelles Lernen weichen hingegen stark voneinander ab: Livingstone (1999, 68f.) definiert informelles Lernen am Konzept des selbstgesteuerten Lernens. Es erfolgt selbst\u00e4ndig, unterscheidet sich hingegen von Alltagswahrnehmungen und allgemeinen Sozialisierungen, sodass Lernende den eigenen Lernprozess bewusst als Wissenserwerb einstufen. Dohmen hingegen versteht darunter alle bewussten und unbewussten Lernprozesse, die au\u00dferhalb von organisierten und kontrollierten Lernstrukturen erfolgen (vgl. Dohmen 2001, 19) \u2013 also auch Aktivit\u00e4ten des t\u00e4glichen Lebens im Zusammenhang mit Arbeit, Familie und Freizeit. (Vgl. auch Commission of the European Communities 2001, 32.) Informelles Lernen ist somit nicht strukturiert und f\u00fchrt normalerweise auch nicht zu einer Zertifizierung. Es kann bewusst passieren, ist in den meisten F\u00e4llen aber unbeabsichtigt bzw. beil\u00e4ufig. (Vgl. ebd.)<\/p>\n<p>Diese informellen Lernprozesse lassen sich nun auch bei den von uns interviewten Musiker*innen finden. Joshi beschreibt seine Musikbildung als \u201ekomplett autodidaktisch\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2355\">(KID DAD, 00:39:15)<\/a>. Sein Lernprozess bestand darin, sich andere Gitarrist*innen anzusehen, wobei er \u201eeinen extremen Antrieb\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2355\">(ebd.)<\/a> versp\u00fcrte, deren Niveau zu erreichen und besser zu werden. Max Zdunek, ebenfalls von KID DAD<i>, <\/i>besuchte mit 14 Jahren die Musikschule. Jedoch berichtet er, dass viele seiner Lernprozesse im Proberaum stattfinden. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=3028\">(Vgl. ebd., 00:48:31 ff.)<\/a> Diese Lernprozesse sind weitestgehend \u201ezweckgebunden\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6l2TUcvQU5k?t=2911\">(ebd.)<\/a>, da er erst anf\u00e4ngt zu lernen, sobald er etwas spielen will, das er noch nicht beherrscht. Somit hat er einen non-formalen Lernhintergrund, erwirbt allerdings viel mehr F\u00e4higkeiten selbst\u00e4ndig im Proberaum.<\/p>\n<p>Auch Zara Akopyan hat vieles autonom gelernt. Sie beschreibt, wie sie sich \u201etagelang\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/0As0z7EDm8Q?t=421\">(Zara Akopyan, <span class=\"NormalTextRun  BCX4 SCXW140975112\">00:07:<\/span><span class=\"NormalTextRun  BCX4 SCXW140975112\">01<\/span>)<\/a> YouTube-Tutorials zu Liedern angeschaut und diese dann \u201eeinfach gespielt\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/0As0z7EDm8Q?t=421\">(ebd.)<\/a> habe, also frei nach dem Motto: einfach machen.<\/p>\n<p>\u201e[E]infach machen\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=939\">(LISA WHO, <\/a><a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=939\">00:15:39<\/a><a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=941\">)<\/a> ist auch das Motto von LISA WHO. Sie hatte zwar einige non-formale Lerngelegenheiten <a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=939\">(vgl. ebd.)<\/a>, probierte mit Musikprogrammen am Computer aber auch viel selbst aus. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=939\">(Vgl. ebd.)<\/a> Auch aus der Zeit mit der Band Madsen, wie etwa den Aufnahmeprozessen, konnte sie viel mitnehmen. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/pvjhYPwvGj4?t=939\">(Vgl. ebd.)<\/a><\/p>\n<p>Selbst bei Musikern mit formalem Lernhintergrund, wie Oliver Gies von Maybebop ist festzustellen, dass informelle Lernprozesse f\u00fcr das Schaffen von Musik trotzdem wichtig sind. Er selbst hat \u201eMusik auf Lehramt studiert\u201c <a href=\"https:\/\/youtu.be\/2tNtXjMm0Dk?t=310\">(Maybebop, 00:05:10 ff.)<\/a> und einen entsprechenden musiktheoretischen Hintergrund. Dennoch beschreibt er seine musikalische Bildung als einen \u201eLearning-by-doing\u201c-Prozess <a href=\"https:\/\/youtu.be\/2tNtXjMm0Dk?t=268\">(ebd., 00:04:28 ff.)<\/a>.<\/p>\n<p>Oliver Gies betont dar\u00fcber hinaus seine sehr intuitive Herangehensweise an das Musizieren:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px\">[A]ber beim Melodienschreiben lass\u2019 ich mich doch sehr von meiner Intuition leiten und auch von der Stimme. [&#8230;] Ja, weil die Stimme h\u00e4ufig andere Wege findet als der Kopf und Melodien dadurch sanglicher werden und dass ich sie tats\u00e4chlich ausprobiere und versuche, dass die Stimme einen Weg findet, den sie vielleicht, wenn ich nur dr\u00fcber nachdenke, nicht finden w\u00fcrde. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/2tNtXjMm0Dk?t=354\">(ebd., 00:05:54 ff.)<\/a><\/p>\n<p>Ein derartiger Fokus auf die Stimme mag bei einer A-capella-Gruppe naheliegend sein, doch hat er damit f\u00fcr sich eine Methode entwickelt, mit der er gezielt verkopfte, theorielastige Herangehensweisen \u00fcberwindet. Hierzu l\u00e4sst sich res\u00fcmieren, dass die 15 Jahre Erfahrung vermutlich starken Einfluss an der Losl\u00f6sung des Musizierens vom \u201eKopf\u201c hatten. So verinnerlichte Oliver seine Arbeitsweise \u00fcber die Jahre und kann sich in seinem pers\u00f6nlichen Methodenschatz frei und intuitiv bewegen.<\/p>\n<h5 class=\"western\"><a name=\"__RefHeading___Toc111_2385149387\"><\/a>Fazit<\/h5>\n<p>Wie haben die Musiker*innen nun ihre F\u00e4higkeiten erworben? Wir haben uns, um Antworten darauf zu finden, im Vorherigen mit dem Einfluss der Sozialisation auf die Entwicklung musikalischer F\u00e4higkeiten befasst. Dabei lie\u00df sich anhand der Interviews die pr\u00e4gende Rolle der Familie sowie besonders des Jugendalters best\u00e4tigen. Ebenso haben wir uns mit dem Stellenwert der Motivation f\u00fcr das Musizieren besch\u00e4ftigt. Vor allem musikimmanente Motivation und das soziale Miteinander beim gemeinsamen Musizieren stellten sich als auffallend wirksam bei der musikalischen Entwicklung heraus und damit auch bei dem Erlernen der F\u00e4higkeiten. Das Spielen in einer Band haben etwa f\u00fcr Joshi und Marius von KID DAD und f\u00fcr LISA WHO einen besonderen Stellenwert beim Lernen. Die M\u00f6glichkeit der Umsetzung eigener Ideen und Gef\u00fchle f\u00fchren bei allen interviewten K\u00fcnstler*innen zu einer Motivations- und damit auch zu einer Produktivit\u00e4tssteigerung. So ist auch h\u00e4ufig der eigene Ausdruck der Gef\u00fchle ein Ausl\u00f6ser zum aktiven Musizieren oder zum Weiterentwickeln der F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p>Des Weiteren haben wir festgestellt, dass die K\u00fcnstler*innen h\u00e4ufig ihre Fertigkeiten informell erarbeiten. Interessant ist dabei auch, dass (bis auf Joshi von KID DAD, der sein Instrument rein autodidaktisch erlernte) alle Musiker*innen tats\u00e4chlich formalen Instrumentalunterricht hatten. Musikunterricht wird also h\u00e4ufig als Einstieg ins Musizieren genutzt und die so erworbenen Grundkenntnisse werden von einigen K\u00fcnstler*innen als grunds\u00e4tzlich hilfreich eingeordnet. Allerdings scheint Unterricht allein oft nicht auszureichen. Einige K\u00fcnstler*innen beschreiben den Musikunterricht als nicht zielf\u00fchrend und er habe nicht das vermittelt, was sie eigentlich interessierte. Das zeigt sich an den zuvor beschriebenen Beispielen u.\u202fa. von LISA WHO, die immer wieder Unterbrechungen im Musikunterricht hatte oder bei Zara Akopyan, die, als sie der Gitarrenunterricht nicht weiterbrachte, erg\u00e4nzend auf Youtube-Videos zur\u00fcckgriff und sich so ihren pers\u00f6nlichen Musikfundus aufbaute. Dies l\u00e4sst sich insgesamt h\u00e4ufig beobachten: Die Musiker*innen eignen sich selbstst\u00e4ndig die F\u00e4higkeiten an, die sie f\u00fcr ihren eigenen musikalischen Ausdruck ben\u00f6tigen, sei es nun \u00fcber Imitation, das \u201eTrial-and-Error-Prinzip\u201c oder in Gruppenprozessen innerhalb einer Band, also durch \u201eLearning-by-doing\u201c. Dabei\u00a0 bilden die im Musikunterricht erworbenen Grundkenntnisse h\u00e4ufig die Basis, auf welche weitere F\u00e4higkeiten aufbauen, wie z.B. Oliver Gies und Alex Nolte es betonen.<\/p>\n<p>Wir haben also herausgefunden, dass das Erlangen musikalischer F\u00e4higkeiten verschiedenen Wegen folgen kann. Dennoch haben alle interviewten K\u00fcnstler*innen gemeinsam, dass sie sich beim Musizieren stark auf ihre Intuition verlassen und dabei ihre individuellen Methoden gefunden haben, die f\u00fcr sie und ihre Vorstellungen von Musik funktionieren.<\/p>\n<h5 class=\"western\"><a name=\"__RefHeading___Toc113_2385149387\"><\/a><b>Quellenverzeichnis<\/b><\/h5>\n<p>#HowToPop, \u201eInterview mit Alex Nolte von Julia&#8217;s Mind\u201c, 26.01.2022, in: <i>Youtube<\/i>, URL: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zEgwF4Swm0o&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=5\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zEgwF4Swm0o&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=5<\/a> (Abruf: 01.02.2022).<\/p>\n<p>#HowToPop, \u201eInterview mit KID DAD\u201c, 06.01.2022, in: <i>Youtube<\/i>, URL: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6l2TUcvQU5k&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=2\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6l2TUcvQU5k&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=2<\/a> (Abruf: 01.02.2022).<\/p>\n<p>#HowToPop: \u201eInterview mit Lisa Who\u201c, 06.01.2022, in: <i>Youtube<\/i>, URL: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pvjhYPwvGj4&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=4\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pvjhYPwvGj4&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=4<\/a> (Abruf: 01.02.2022).<\/p>\n<p>#HowToPop: \u201eInterview mit Oliver Gies von Maybebop\u201c, 06.01.2022, in: <i>Youtube<\/i>, URL: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2tNtXjMm0Dk&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=1\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2tNtXjMm0Dk&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=1<\/a> (Abruf: 01.02.2022).<\/p>\n<p>#HowToPop: \u201eInterview mit Zara Akopyan\u201c, 06.01.2022, in : <i>Youtube<\/i>, URL: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0As0z7EDm8Q&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=3\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0As0z7EDm8Q&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=3<\/a>, 2022. (Abruf: 01.02.2022).<\/p>\n<h5 class=\"western\"><a name=\"__RefHeading___Toc115_2385149387\"><\/a>\u00a0<strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/h5>\n<p>Commission of the European Communities (2001), <i>Communication from the Commission: Making a European Area of Lifelong Learning a Reality,<\/i> Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>Dohmen, G\u00fcnther (2001), <i>Das informelle Lernen: die internationale Erschlie\u00dfung einer bisher vernachl\u00e4ssigten Grundform menschlichen Lernens f\u00fcr das lebenslange Lernen aller,<\/i> Bonn: Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung.<\/p>\n<p>Gembris, Heiner (2009), <i>Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung<\/i>, 3. Auflage, Augsburg: Wi\u00dfner-Verlag (=Forum Musikp\u00e4dagogik; Bd. 20).<\/p>\n<p>Harring, Marius; Witte, Matthias D.; Burger, Timo (2018), \u201eInformelles Lernen: Eine Einf\u00fchrung\u201c, in: <i>Handbuch informelles Lernen: Interdisziplin\u00e4re und internationale Perspektiven<\/i>, hrsg. v.\u00a0 dens., Weinheim\/Basel: Beltz Juventa, S. 12\u201325.<\/p>\n<p>Hemming, Jan (2009), \u201eAutodidaktisches Lernen, Motivation und Innovation. Eine Dreiecksbeziehung im Bereich popul\u00e4rer Musik?\u201c, in: <i>Vom wilden Lernen. Musizieren lernen \u2013 Auch au\u00dferhalb von Schule und Unterricht<\/i>, hrsg. v. Natalia Ardila-Mantilla u. Peter R\u00f6bke, Mainz: Schott Music, S. 61\u201378.<\/p>\n<p>Hurrelmann, Klaus; Ulich, Dieter (1998), \u201eGegenstands- und Methodenfragen der Sozialisationsforschung\u201c, in: <i>Handbuch der Sozialisationsforschung<\/i>, hrsg. v. dens., Weinheim: Beltz, S. 3\u201320.<\/p>\n<p>Kleinen, G\u00fcnter (2008), \u201eMusikalische Sozialisation\u201c, in: <i>Musikpsychologie. Das neue Handbuch<\/i>, hrsg. v. Herbert Bruhn, Reinhard Kopiez u. Andreas C. Lehmann, Reinbeck: Rowohlt Taschenbuch Verlag, S. 37\u201366.<\/p>\n<p>Livingstone, David W. (1999), \u201eInformelles Lernen in der Wissensgesellschaft: Erste kanadische Erhebung \u00fcber informelles Lernverhalten\u201c, in: <i>QUEM-Report Kompetenz f\u00fcr Europa. Wandel durch Lernen \u2013 Lernen durch Wandel: Referate auf dem internationalen Fachkongress<\/i>, 1999 (=Heft 60), S. 65\u201391.<\/p>\n<p>Neuhoff, Hans; de la Motte-Haber, Helga (2007), \u201eMusikalische Sozialisation\u201c, in: <i>Musiksoziologie<\/i>, hrsg. v. dens., Laaber: Laaber-Verlag (= Handbuch der Systematischen Musikwissenschaft; Bd. 4), S. 387\u2013417.<\/p>\n<p>Seifert, Robert (2018), <i>Popmusik in Zeiten der Digitalisierung. Ver\u00e4nderte Aneignung \u2013 Ver\u00e4nderte Wertigkeit<\/i>, Bielefeld: transcript Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sophie Stremel und Luisa Docter, Version 1.0,\u00a001.02.2022 17:00 \u00a0 \u201eDie meisten Sachen lerne ich wirklich durch Machen\u201c &#8211; LISA WHO \u201eLearning by doing w\u00fcrde ich mal sagen.\u201c &#8211; Oliver Gies (Maybebop) \u201eAlso ich habe wirklich tagelang immer nur auf YouTube mir irgendwelche Tutorials angeguckt [\u2026] und habe die halt einfach gespielt.\u201c &#8211; Zara Akopyan &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/verhaeltnis-von-elektronik-und-akustik\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u00dcber das Lernen in popul\u00e4rer Musikkultur\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9061,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-53","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/53","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9061"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53"}],"version-history":[{"count":34,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/53\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":537,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/53\/revisions\/537"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}