{"id":143,"date":"2021-11-18T22:54:33","date_gmt":"2021-11-18T21:54:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/?page_id=143"},"modified":"2022-03-22T21:20:44","modified_gmt":"2022-03-22T20:20:44","slug":"kid-dad","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/howtopop\/kid-dad\/","title":{"rendered":"KID DAD"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_143 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_143')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_143').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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In ihrem Proberaum sprachen wir mit Marius (Gesang und Gitarre), Joshua (Gitarre), Max (Synthesizer und Bass) und Michael (Schlagzeug). Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten sie an ihrer EP <i>Bloom<\/i>.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Interview mit KID DAD\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6l2TUcvQU5k?list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption>Interview mit KID DAD<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<h1>Transkription des Interviews<\/h1>\n<p>Interview zwischen Alex Parusch und KID DAD, Paderborn, 12.09.2021<\/p>\n<p>Quelle: #HowToPop, \u201eInterview mit KID DAD\u201c, 04.02.2022, <em>Youtube, <\/em>URL: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6l2TUcvQU5k&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=2\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6l2TUcvQU5k&amp;list=PLG-cTcBygJd1Ic5bmS4iv7PE-mOyv0C3P&amp;index=2<\/a> (Abruf: 05.02.2022).<\/p>\n<h2><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>Inhalt<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"#_Toc98875230\">Einleitung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#_Toc98875231\">Inspiration<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#_Toc98875232\">Inspiration\/ musikalische Bildung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#_Toc98875233\">Inspiration<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#_Toc98875234\">Musikalische Bildung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#_Toc98875235\">Ziele<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#_Toc98875236\">Arbeitsteilung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#_Toc98875237\">Komposition\/Preproduction<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#_Toc98875238\">Produktion\/Aufnahme<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#_Toc98875239\">Postproduction<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2><a name=\"_Toc\"><\/a><a name=\"_Toc98875230\"><\/a>Einleitung<\/h2>\n<p>[00:00:07]<\/p>\n<p>Alex: Ja, Hallo erstmal. Wir sind #HowToPop. Wir sind ein Forschungsprojekt aus acht Studierenden der Universit\u00e4t Paderborn und der Hochschule f\u00fcr Musik Detmold. Wir untersuchen, wie popul\u00e4re Musik erzeugt wird, quasi welche Phasen ein Song durchl\u00e4uft, bis dieser Song fertig ist. Fr\u00fcher konnte man Musik im Grunde nur auf Papier festhalten, indem quasi musikalische Ideen einfach auf Notenpapier geschrieben wurden. Aber heute gibt es, dank der Technik, viel mehr M\u00f6glichkeiten Musik zu gestalten und dadurch sind denn auch die Produktionsprozesse sehr vielseitig geworden, aber vielleicht auch ein wenig unnahbar. Aber um hinter den Vorhang der Musikproduktion zu blicken, sind wir heute zu Gast bei der Band KID DAD. Danke, dass wir hier sein d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Alle: Hallo, hi &#8230;<\/p>\n<p>Alex: Stellt euch mal vor, der Reihe nach.<\/p>\n<p>[00:00:54]<\/p>\n<p>Michi: Ja, ich bin Michael. Ich spiel Schlagzeug bei uns.<\/p>\n<p>[00:00:59]<\/p>\n<p>Joshi: Ich bin der Joshi. Ich spiel Leadgitarre.<\/p>\n<p>[00:01:03]<\/p>\n<p>Marius: Ich bin Marius. Ich spiele Rhythmusgitarre und singe.<\/p>\n<p>[00:01:06]<\/p>\n<p>Max: Ich bin Max und spiel Bass, Synth und Standtom und Percussions, sing auch manchmal ein bisschen mit.<\/p>\n<p>[00:01:14]<\/p>\n<p>Alex: Nochmal danke, dass wir hier sein durften.<\/p>\n<p>[00:01:16]<\/p>\n<p>Marius: Danke, dass ihr hier seid.<\/p>\n<p>[00:01:17]<\/p>\n<p>Alex: Wir wollen heute \u00fcber die Arbeit eurer Musik sprechen und da stell ich mal gleich die erste Frage. Ist eine sehr allgemeine Frage: Wenn ihr an einem neuen Song arbeiten wollt, wenn ihr an einem neuen Song arbeitet, was passiert als erstes? Wie beginnt quasi euer Prozess?<\/p>\n<p>[00:01:34]<\/p>\n<p>Marius: Die Basis der Songs schreib ich meistens zuhause oder unterwegs. Das sind meistens f\u00e4ngt das an mit so Skizzen irgendwie im Kopf. Wenn ich auf der Arbeit bin, habe ich manchmal irgendwelche Melodien im Kopf und nehme die dann auf nebenbei. Bis hin zu ganz klassisch zuhause mit der Gitarre oder am Klavier. Und das sind oft nur kleine Fetzen, also so gar nicht zusammenh\u00e4ngende Songs. Ich schreibe h\u00e4ufig nur die Ideen auf, die ersten Ideen bzw. nehme die dann auf. Transkribieren kommt irgendwie erst sp\u00e4ter, wenn sich das gut anh\u00f6rt. Und dann flicke ich sehr viel. Ich habe verschiedene Ideen, die vielleicht am Anfang gar nicht zusammenpassen. Und dann packe ich die in eine Tonlage, gucke, ob die zusammenpassen und dann entstehen sehr, sehr viele Frankenstein-Songs oder ich schreibe halt weiter, das passiert super, super unterschiedlich. Wenn ich dann zufrieden damit bin, setze ich mich meistens an die DAW [Digital Audio Workstation], wenn ich es nicht schon am Anfang, also ich schreib manchmal auch in der DAW direkt dann mit einem Midiboard oder so, aber sehr h\u00e4ufig kommt der Schritt in die DAW erst mit der Grundidee. Dann nehme ich eine kleine Demo auf, schicke das an die Jungs und dann treffen wir uns im Proberaum und machen was draus.<\/p>\n<p>[00:02:54]<\/p>\n<p>Alex: Ok. Hast du dann dabei vielleicht auch schon textliche Vorstellungen oder hast du vielleicht erstmal nur die Musik im Kopf oder kommt das unterschiedlich?<\/p>\n<p>[00:03:04]<\/p>\n<p>Marius: Recht unterschiedlich. Aber die Punchlines bzw. die Zeilen im Refrain oder die ersten in einem Song, also womit der Song anf\u00e4ngt, das sind, finde ich, die wichtigsten und die geben so ein bisschen die Richtung vor. H\u00e4ufig bestimmt die erste Zeile oder die Hauptzeile, die mir im Kopf ist, auch den Vibe des Songs so ein bisschen. Aber ganz h\u00e4ufig ist es auch umgekehrt, dass ich eine Melodie im Kopf hab und dann muss der Text inhaltlich und auch ja vom Klang einfach auf die Melodie passen und so bedingt das eine das andere. Wir haben da gar keine so feste Regel, dass wir immer sagen, ok erst ist Melodie, dann ist Text und das eine beeinflusst immer das andere, sondern es ist so wechselseitig und super, superabh\u00e4ngig von der Situation, von dem Vibe, von dem Song. Da sind wir ein bunter Salat irgendwie.<\/p>\n<p>[00:03:58]<\/p>\n<p>Alex: Ok, ja cool. Und wenn du dann z.B. die Idee an die Jungs weitergeschickt hast, wie geht es dann weiter mit eurem Song?<\/p>\n<p>[00:04:07]<\/p>\n<p>Marius: Ja ihr k\u00f6nnt ja auch mal was sagen.<\/p>\n<p>[00:04:09]<\/p>\n<p>Joshi: Ja, wir sind nicht nur zur Zierde hier. H\u00e4ufig geht es eben \u00fcber, es wird \u00fcber WhatsApp rumgeschickt oder \u00fcber irgendeine Mail oder sowas. Wir h\u00f6ren uns alle schon einmal rein und gucken einfach mal gef\u00e4llt uns das, gef\u00e4llt uns das nicht, was haben wir f\u00fcr eine Idee dazu, weil das ist immer ein ganz kleinschrittiger Prozess. Derjenige, der z.B. den Text geschrieben hat und die ersten Akkorde, das ist dann, dann hat man schonmal eine Vision im Kopf. Dann trifft das auf einen anderen Menschen und der andere Mensch f\u00fchlt vielleicht etwas ganz anderes, so aus diesen Akkorden m\u00f6chte der eine irgendwie was superschnelles machen, was Geradliniges und wer anders denkt sich, \u201eey yo, ich denk hier grad irgendwie an was Vertrackteres oder was langsameres\u201c. Und dementsprechend kommen dann Vorstellungen und Ideen zusammen und dann guckt man mal, was so geht und unterh\u00e4lt sich, wie findet man das. Wir haben so eine Aussprache bei uns gefunden, die manchmal sehr sch\u00f6n ist, manchmal sehr im Weg steht und zwar sagen wir \u201ef\u00fchl ich\u201c oder \u201ef\u00fchl ich nicht\u201c. Das beschreibt uns als Band eigentlich auch ganz gut, weil \u00fcber dieses Gef\u00fchl sehr viel bei uns geht und im Songwriting-Prozess spielt das eben eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>[00:05:41]<\/p>\n<p>Michi: Ja, ist dann halt oft so, dass wenn wir das angeh\u00f6rt haben, dann treffen wir uns irgendwie hier im Proberaum und spielen eigentlich mal drauf los, meistens und gucken halt dann was passiert. Und jeder gibt dann den Input, den er hat, mit rein und gibt die Ideen und die Gef\u00fchle, die er zu dem Song hatte, dann quasi irgendwie mit in den Topf mit rein und dann entsteht irgendwie ein Song draus. Oder manchmal ist es auch so, dass wir irgendwie zwei, drei angefangene Ideen haben, wo wir aber nicht so happy mit sind oder mit waren und dann haben wir irgendwie zwei andere Songs zur H\u00e4lfte geschrieben und irgendwann denken wir uns so, warum f\u00fcgen wir das nicht zusammen? Wir haben z.B. \u201eA Prison Unseen\u201c, ich glaub da sind zwei oder drei Songs, die eigentlich mal einzelne Songs waren, die dann irgendwie zu einem Song zusammengef\u00fcgt wurden, weil irgendwie die Ideen und die einzelnen Parts dann irgendwie doch gut zusammengepasst haben. Und so nimmt das dann seinen Lauf. Manchmal geht es schneller, manchmal braucht es Tage, bis halt irgendwie dann doch was Brauchbares bei rum kommt. Ist immer unterschiedlich.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc1\"><\/a><a name=\"_Toc98875231\"><\/a>Inspiration<\/h2>\n<p>[00:07:05]<\/p>\n<p>Alex: Und wie findet ihr z.B. die Inspiration zu eurer Musik, also in welchen Situationen z.B., oder zu welchen Zeiten, oder wie kommt das quasi in euern Kopf rein?<\/p>\n<p>[00:07:17]<\/p>\n<p>Marius: Ich glaube, das ist sehr unterschiedlich, also wie gesagt, teilweise bei der Arbeit, teilweise, wenn man Langeweile hat und teilweise auch, wenn man im Stress ist und irgendwie tausend andere Sachen zu tun hat und dann kriegt man halt eine Songidee und dann klingt man sich eben aus der Telko aus und muss eben was einsingen. Das ist zwar nicht so h\u00e4ufig, aber es ist halt, in jedem Bereich kommt es tats\u00e4chlich mal vor oder an jedem Abschnitt des Tages, dass einem irgendwie mal so ein Song begegnen kann und wir haben das Gl\u00fcck, dass wir mobile Endger\u00e4te dabeihaben und st\u00e4ndig alles aufnehmen k\u00f6nnen, unsere Gedanken nieder sprechen, niederschreiben k\u00f6nnen, das ist glaub ich ein riesiger Vorteil, den unsere Generation im Gegensatz zu der Generation der 50er 60er Jahre so hatte. Da musste man immer einen Stift und Papier parat haben oder ein extrem gutes Langzeitged\u00e4chtnis. Aber ich glaube, was Inspiration angeht, und unterschiedliche Gedanken, die dann in den Song flie\u00dfen, ist es bei uns dahingehend so spannend, dass jeden von uns glaube ich etwas anderes inspiriert. Wir haben zwar \u00dcberschneidungen, aber wir haben auch ganz, ganz viel Musik, ganz, ganz viel ja vielleicht auch andere Kunst, die uns als einzelne Musiker inspiriert, wo die anderen sagen: \u201eHey das w\u00fcrde mich niemals ber\u00fchren, da kann ich nichts mit anfangen\u201c. Aber das ist irgendwie auch das Spannende. Wir haben irgendwie die ungeschriebene Regel, dass wir uns niemals zu viert auf einem Konzert, bei einer K\u00fcnstlerin oder einem K\u00fcnstler zuf\u00e4llig treffen w\u00fcrden, weil wir einfach so unterschiedlich sind. Und das gibt uns die M\u00f6glichkeit so diverse, so unterschiedlich inspiriert Mukke zu machen.<\/p>\n<p>[00:09:11]<\/p>\n<p>Joshi: Es gibt ja h\u00e4ufig dieses Klischee von der Band, dass sie sich 18 Uhr, 19 Uhr, ein paar Bierchen, und dann im Proberaum treffen und alle sind dann super inspiriert und trinken was und denken sich \u201eey yo, das flutscht mal eben so raus und wir haben grad mal eben einen Song geschrieben\u201c. Jetzt f\u00fcr die EP \u201cBloom\u201d, die wir gerade so parallel ein bisschen ver\u00f6ffentlichen, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, ist es z.B. so, dass wir eine Phase hatten, wo wir uns sehr oft Mittags teilweise auch schon Morgens getroffen haben im Proberaum und dass wir fast, das klingt jetzt total bl\u00f6d, aber das hatte so einen festen Rhythmus, das hatte schon fast was Jobtechnisches, ohne dass es jetzt einfach nur eine Auftragsarbeit war, das will ich gar nicht sagen, sondern es hatte halt eine Regelm\u00e4\u00dfigkeit, die eben entgegen dieses Klischees ist. Und diese Inspiration, die wir alle, jeder f\u00fcr sich ja irgendwo rauszieht, m\u00fcndet dann irgendwie auch in diesen Moment, man tr\u00e4gt das mit rein, und versucht dann auf diese Skizzen, auf diese Grundideen, auf diesen Vibe irgendwie seinen eigenen Vibe, seine eigene Vorstellung da mit rein zubringen. Entsprechend kommt dieses einzigartige Erlebnis heraus, was nur Bands in der Form glaube ich haben, dass verschiedene Gedankenwelten aufeinandertreffen und dann irgendwann nach unz\u00e4hligen Stunden, Tagen, vielleicht auch ganz wenigen Momenten, aber pl\u00f6tzlich dieses runde Ganze ergeben. Das ist ein gro\u00dfer Unterschied zu einem Einzelk\u00fcnstler, glaube ich, weil da vieles in dem Kopf eines einzelnen Menschen passiert. Und bei uns passiert, wie bei vielen anderen Bands auch, irgendwann dann in dem Prozess, dass von jedem Kopf was da rein geht in diesen Songpool. Das ist irgendwas, wo sich Inspiration von allen drin trifft. Das ist immer wieder sehr spannend, weil manchmal kommt K\u00e4se bei raus, nein Murks, K\u00e4se ist manchmal was Gutes. Und manchmal kommt was extrem Gutes bei raus oder irgendwie einfach etwas, wo man Bock hat, richtig viel Zeit zu investieren und immer tiefer zu graben und nicht nur einfach zu sagen \u201eey, wir haben eine Strophe, wir haben ein Intro, wir hab einen Prechorus, einen Chorus, einen C-Teil\u201c, was wei\u00df ich, sondern, wo man sich denkt, \u201eey yo, ich will noch einen Akkord haben, der da rein leitet, ich will noch dieses kleine Gimmick, ich will noch dieses Detail. Und ey dieser Sound, ey ich mag die Melodie, aber der Sound ist nicht geil\u201c. Dann guckt man und gr\u00e4bt immer weiter und immer tiefer. Und das ist dann zwar sehr kleinschrittig, aber auch sehr besonders, weil dann diese kleinen Ver\u00e4nderungen und Erlebnisse pl\u00f6tzlich so einen ganz gro\u00dfen Aha-Effekt erzeugen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[00:12:09]<\/p>\n<p>Alex: Ok. Ich hatte dazu auch mal gleich eine Anschlussfrage, weil ihr beide jetzt gesagt habt, dass ihr so unterschiedlich seid und ihr so auch sehr unterschiedliche Inspirationen findet, da stellt sich mir jetzt die Frage z.B. welche musikalischen Vorbilder oder Stile haben euch gepr\u00e4gt? Vielleicht auch bevor es die Band gab oder auch jetzt aktuell noch?<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc2\"><\/a><a name=\"_Toc98875232\"><\/a>Inspiration\/musikalische Bildung<\/h2>\n<p>[00:12:33]<\/p>\n<p>Max: Ich w\u00fcrde anfangen, ok. Boah, bei mir hat es, glaube ich, angefangen mit, also, ich glaube, ich habe vier Jahre lang nur Die \u00c4rzte geh\u00f6rt, von 12 bis 16 nur die. Und dann kam irgendwie Blink 182 und dieses ganze Pop-Punk-Universum auf mich rein, dann auch diese Emo-Schiene mit Taking Back Sunday oder die andere vergesse ich jetzt gerade. Das hat mich schon, glaube ich, hart gepr\u00e4gt, auch so in meinen vorherigen Bands. Und, ich glaub, so seit den letzten paar Jahren geht das auch in die Hiphop-Schiene bei mir, aber mehr so diese Lo-Fi-Geschichte, bisschen auf Boom bap, gar nicht dieses moderne, wobei das hin und wieder auch.<\/p>\n<p>[00:13:26]<\/p>\n<p>Alex: Dann erz\u00e4hlt mal weiter. Wie ist das bei den anderen dreien?<\/p>\n<p>[00:13:31]<\/p>\n<p>Marius: Ich habe immer ganz gewaltig intensive Phasen, wo ich Bands, K\u00fcnstler*innen oder was auch immer, oder irgendwas, was ann\u00e4hernd Musik ist, sehr stark konsumiere. Und dann habe ich wieder keinen Bock mehr drauf. Das war, anfangs bin ich angefangen, so wirklich in Gitarrenmusik reinzurutschen mit Green Day, das war dann nicht Blink, sondern die andere Seite des Pop-Punks sozusagen &#8230;<\/p>\n<p>[00:13:58]<\/p>\n<p>Max: &#8230; die B\u00f6se.<\/p>\n<p>[00:13:59]<\/p>\n<p>Marius: Nee, die Gute. Das hat mich ganz gewaltig gepr\u00e4gt. Ich bin dann aber bevor es dann wirklich an Kajal und so weiter ging, bin ich dann tats\u00e4chlich auf eine, auf eher so diese Garage Rock, in diese Garage Rock-Szene gekommen, so West-Coast-Punk. Das war dann so die Zeit, wo wir uns auch gegr\u00fcndet haben, so 2016 und da bin ich, da habe ich ganz viel Brit-Rock geh\u00f6rt, Brit-Pop, vor allem aber auch, also nicht nur Brit-Pop, sondern auch vor allem britische Bands an sich. Habe vorher nur amerikanische Musik irgendwie geh\u00f6rt. Bin dann, ich glaube, ich habe dann ein K\u00fcrzel gefunden f\u00fcr die Zeit, in der ich mit Max zusammengewohnt habe, da habe ich sehr viel Radiohead, Eminem, Nirvana und Oasis geh\u00f6rt. Das war so mein magisches Viereck. Ich habe das immer \u201eReno\u201c genannt, weil wenn Leute fragen, was h\u00f6rst du so, dann konnte ich das irgendwie ganz schnell abrufen, indem ich da K\u00fcrzel f\u00fcr gefunden hab. Aber die letzten Monate haben mich vor allem, ich glaube, f\u00fcr die letzte Platte hat mich viel Radiohead beeinflusst, f\u00fcr unser Album hat mich viel Radiohead beeinflusst. F\u00fcr die EP danach war es tats\u00e4chlich wieder viel offener. Ich habe auch viel Filmmusik geh\u00f6rt, so Yann Tiersen und so, also vieles, was schnell schwankt zwischen gl\u00fccklich und traurig. Was ich vor allem durch diesen bunten Mix gelernt habe f\u00fcr mich selber ist, dass man einfach kein Verfechter sein sollte von einer bestimmten Art. Es kommt immer aus mir oder aus uns raus und dann gibt jeder seinen Teil hinzu und so formt sich irgendwie was Eigenes. Man sollte nie irgendwie, das haben wir glaube ich alle gelernt, nie sagen \u201edas ist zu happy\u201c, \u201edas ist zu traurig\u201c, \u201edas ist zu unpoppig\u201c, \u201edas ist zu poppig\u201c. Ich hoffe, ich habe jetzt noch nichts vorweggenommen, da bin ich jetzt so reingerutscht, sorry.<\/p>\n<p>[00:16:07]<\/p>\n<p>Alex: Ne, ne, also alles gut.<\/p>\n<p>[00:16:10]<\/p>\n<p>Joshi: Ich komm aus einem Haushalt, wo, also mein Papa ist auch Musiker, so bis heute, aber witzigerweise hat mich das \u00fcberhaupt nie interessiert. Habe erst recht sp\u00e4t angefangen Gitarre zu spielen mit fast 17 Jahren. Aber dann so richtig, ich bin dann irgendwie, ich habe Leute kennengelernt, ich komme urspr\u00fcnglich aus Detmold, so hallo Detmold. Genau und da gabs dieses autonome Kulturzentrum Alte Pauline, das gibt es, glaube ich, immer noch. Die hatten da im Keller Prober\u00e4ume, wo man nichts f\u00fcr zahlen musste. Die einzige Bedingung war: \u201eLeute, spielt zweimal im Jahr ein Konzert.\u201c Damit die Stromkosten quasi wieder reinkommen. \u00dcber dieses Netzwerk bin ich irgendwie an Musiker, an Szenen herangekommen und es war nat\u00fcrlich anfangs alles Grunge. Dann gabs irgendwie so Pop-Punk-Geschichten. Was mich individuell, also nein, nicht individuell, was mich pers\u00f6nlich bis heute begleitet, ich w\u00fcrde sagen, dass der gemeinsame Nenner, der sich durch meine musikalische Emanzipation zieht, das ist die Band Incubus. Bin da irgendwie einmal darauf gekommen und ja, wir haben uns so ein bisschen auseinander entwickelt in den letzten Jahren, aber ich h\u00f6r sie immer wieder gerne und ist f\u00fcr mich sehr, sehr entscheidend. Auf Grund dieser Band habe ich mein Lieblings-Gitarrenmodell irgendwie entdeckt, keine Ahnung warum, aber seitdem spiele ich dieses Modell, Fender Jazzmaster, obwohl ich keinen Jazz mag, aber die Gitarre hat nix mit Jazz zu tun. Habe sonst auch wie Max diese Ami-Emo-Schiene mitgemacht, Taking Back Sunday und sowas, Circa Survive irgendwann, fand ich irgendwie geil. Was in den letzten zwei Jahren f\u00fcr mich sehr entscheidend geworden ist, ich habe mir angeguckt, was machen diese Gitarristen \u2013 ne, ich bin ja Gitarrist \u2013 was machen diese Gitarristen von den Bands, die ich geil finde, eigentlich, was spielen die, wie spielen die das, was benutzen die. Habe mich in so ein paar Sachen rein gearbeitet, nicht kopiert, sondern einfach mein Wissen erweitert. Das, glaube ich, auch jetzt so in diese Schreibphase mit einflie\u00dfen lassen, was ich da an Erkenntnissen rausgezogen hab. Ich nenn da auch noch einmal Billy Talent als Vorbild, weil ich finde, dass der Gitarrist ein unglaublich stilpr\u00e4gender Gitarrist f\u00fcr die heutige Zeit ist. Es gibt viele Gitarristen, die klingen halt wie Gitarristen und er klingt wie \u201eahja der Typ von Billy Talent\u201c. Das find ich mega beeindruckend. Das ist z. B. etwas, was mich inspiriert und woran ich f\u00fcr mich selber arbeite, dass ich eine Art von Handschrift entwickle f\u00fcr mich, die ich mag, die mich irgendwie vielleicht auch auszeichnet, wei\u00df nicht, ob es mir gelingt, das ist was anderes. Das ist zumindest etwas, was ich in diesen Schreibprozess auch mit rein trage, nicht kopieren, sondern einfach sich selber als Musiker so ein bisschen weiterentwickeln und Einfl\u00fcsse aufsaugen und das sich zu eigen machen und sein eigenes Ding daraus entwickeln.<\/p>\n<p>[00:19:38]<\/p>\n<p>Alex: Wie siehts bei dir aus Michi?<\/p>\n<p>[00:19:40]<\/p>\n<p>Michi: Mein Vater ist zwar kein Musiker, aber ein sehr musikbegeisterter Mensch und deswegen, als ich klein war, glaube ich, ist den ganzen Tag Musik gelaufen, auch unterschiedliches, aber sehr viel Soul und Funk. Und deswegen war f\u00fcr mich irgendwie von vorne herein Musik irgendwie so ein Ding, was ich faszinierend und interessant und cool fand. Ich hab dann auch eher wie Marius eher die Green Day-Schiene mitgenommen und auch 30 Seconds To Mars z.B. die ersten Alben, die ich sehr, sehr cool und inspirierend fande. Und habe mich dann irgendwann dazu hin entwickelt, einfach gerne sehr, sehr viel auszuprobieren, sehr viel unterschiedliche Sachen zu h\u00f6ren, um irgendwie so ein bisschen einfach zu schauen, was andere K\u00fcnstler*innen f\u00fcr Musik machen und habe mich nicht so auf ein Genre fokussiert, sondern irgendwie einfach das, was ich cool fand, habe ich einfach angeh\u00f6rt, und hab mir Alben gekauft. Das war sehr, sehr durchwachsen und ist es immer noch, weil ich es einfach spannend finde zu sehen, auch irgendwie aktuelle Tendenzen von Popmusik, und wie sich das alles entwickelt, find ich einfach super, super spannend. Da sind halt sehr, sehr viele K\u00fcnstler*innen dabei, die einfach coole Musik machen und da bin ich genretechnisch einfach nicht so auf einen Bereich fokussiert. In den letzten Jahren habe ich sehr viel Indie geh\u00f6rt, Half Alive, Circa Waves z.B., Billie Eilish war bei den letzten Jahren auch eine gro\u00dfe Inspiration z.B., glaube ich, f\u00fcr Marius auch ein bisschen.<\/p>\n<p>[00:21:40]<\/p>\n<p>Marius: Ich habe mir das Album gekauft, ich kaufe mir selten Alben.<\/p>\n<p>[00:21:43]<\/p>\n<p>Max: Ich habe das Fotobuch von ihr, aber mehr nicht.<\/p>\n<p>[00:21:46]<\/p>\n<p>Michi: Genau, also bei mir ist das sehr, sehr durchgemischt irgendwie.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc3\"><\/a><a name=\"_Toc98875233\"><\/a>Inspiration<\/h2>\n<p>[00:21:52]<\/p>\n<p>Alex: Ja cool. Ihr habt ja jetzt euren ganzen Pool an Inspiration und Vorbildern quasi in den Raum geworfen und da will ich jetzt mal weiter nachfragen, wie denkt ihr schafft ihr das, eure ganzen Einfl\u00fcsse miteinander zu vermischen und das das dann zu einem Endprodukt wird?<\/p>\n<p>[00:22:13]<\/p>\n<p>Michi: Ich glaube das funktioniert einfach ganz gut, weil wir die Songs zusammenschreiben und jeder an seinem Instrument durch die Einfl\u00fcsse und durch die Inspiration, die er hat, entsprechend Parts, Akkorde, T\u00f6ne, Grooves etc. hat, die dann irgendwie durch uns als vier Individuen irgendwie zusammenkommen und jeder quasi von seiner Inspiration irgendwie profitiert. Aber nat\u00fcrlich die Band halt auch, weil eben so vier ziemlich unterschiedliche Personen, unterschiedliche Musiker quasi einfach irgendwie hier im Proberaum sind und an einem Song schreiben und einfach alles in die Mitte in einen Haufen werfen und dann von jedem einfach ein bisschen was dabei ist.<\/p>\n<p>[00:23:10]<\/p>\n<p>Marius: Ich glaube das ist, ich stimme dir da voll zu, ich glaube aber gar nicht, dass das so ein Ding ist, wie ich h\u00f6re grade das und das und ich versuche das jetzt einzubringen. Sondern es ist so, man ist selber so eine Sammlung von dem, was man h\u00f6rt, und das shaped den eigenen Geschmack, die eigene Marke irgendwie oder f\u00fchrt dazu wie eine Person musikalisch agiert. Wenn wir vier dann zusammen sind, dann bringen wir eigentlich uns vier nur ein ohne jetzt glaube ich im Hinterkopf zu haben \u201eok ich muss jetzt da eine Billy Talent-Line reinbringen, aber in Wahrheit sind da so, so, so viele Musiker*innen hinter und K\u00fcnstler*innen, die uns beeinflusst haben und wir nehmen das in dem Moment gar nicht mehr wahr, dass das gar nicht wir sind, wie wir geboren wurden, sondern dass wir auch gepr\u00e4gt wurden durch unser Konsumieren und da ist jeder von uns ein riesiger Mix und aus diesen vier Mixes macht man dann ein Produkt. Wenn man so will, ist dann, wei\u00df ich nicht, besteht dieser Song dann halt aus Inspiration von, wei\u00df ich nicht, 200 Songs oder 200 Artists, man denkt so, \u201eok, den haben wir vier geschrieben\u201c, aber uns vier hat halt ganz viel Musik gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>[00:24:22]<\/p>\n<p>Joshi: Ich musste grad daran denken, es gibt dieses eine Meme, was ich sehr gerne verwende, das ist so ein Hund, der sitzt an einem Tisch und es ist einfach in einem Haus und es brennt alles. Und ich denke gerade, dass dieser Hund einfach metaphorisch ein Song ist und wir sind die Flammen, werfen einfach alles rein und der Song denkt sich \u201eI\u00b4m fine\u201c. Irgendwann entwickelt sich dann daraus, wir l\u00f6schen die Br\u00e4nde vielleicht oder so, ich wei\u00df nicht, wie man dieses Bild weiter zeichnen kann. Aber mir schoss das grad in den Kopf und ich wollte das kurz zum Besten geben.<\/p>\n<p>[00:24:56]<\/p>\n<p>Michi: Ja, ich fand das bei uns auch irgendwie immer ganz cool, dass wir nie gesagt haben: \u201eJa, wir wollen jetzt einen Song schreiben, der nach dem und dem klingt.\u201c Sondern wir haben uns da einfach, wir waren einfach offen, haben uns da keine Grenzen gesetzt. Ich glaube das war auf jeden Fall auch ein guter Weg, der uns dazu gebracht hat, einfach das zu machen, was irgendwie aus uns herauskommt und dann sich irgendwie zusammen entsteht.<\/p>\n<p>[00:25:24]<\/p>\n<p>Joshi: Wobei ich den Ansatz auch irgendwie, auch wenn wir den nie verfolgt haben, zumindest, seit ich dabei bin, sehr spannend finde, einfach mal zu sagen: \u201eIch will, angenommen ich will einen Song schreiben, der im Set live an der und der Stelle genau das und das tut.\u201c So sind wir, glaub ich, nie an einen Schreibprozess heran gegangen, sondern wir haben Demos gehabt, die haben sich irgendwie entwickelt, aber so eine konkrete Absicht, \u201ewir brauchen so einen Song\u201c, hatten wir glaube ich noch nicht.<\/p>\n<p>[00:25:52]<\/p>\n<p>Marius: Ja, viele letzte und viele erste Songs geschrieben, aber irgendwie dazwischen wenig.<\/p>\n<p>[00:25:57]<\/p>\n<p>Joshi: Und ich find das einfach mal spannend, einfach mal mit so einer Zielvorgabe daran zu gehen. Dann setzt man sich halt andere Grenzen. Ja gut, keine Grenzen setzen \u2013 Grenzen setzen, ist nicht das gleiche.<\/p>\n<p>[00:26:09]<\/p>\n<p>Alex: Also im Prinzip schreibt ihr einfach drauf los, kann man sagen, und dann guckt ihr, was daraus entsteht, oder? Also ihr habt noch keine konkrete Zielvorstellung, was am Ende dabei heraus kommt?<\/p>\n<p>[00:26:18]<\/p>\n<p>Marius: Also, ich glaube wir schreiben viele Songs, wo wir denken, wenn die nur auf dem Papier sind, oder nur eine kleine abgespackte Demo davon existiert, dann klingt die ja noch nicht nach uns. Die klingt dann vielleicht nach mir, wie ich das eingesungen habe, oder man stellt sich vor, wie das klingen k\u00f6nnte. Aber wenn dieser Song, den man erstmal nur als Song wahrnimmt, durch den KID DAD-Filter geht, sozusagen, dann passiert das Gleiche, was mit Covern passiert. Also wir schreiben so, so unterschiedliche Songs, wo ich niemals sagen w\u00fcrde, \u201eEy, das Songwriting ist jedes Mal so gleich, das klingt nach uns.\u201c Das Songwriting klingt nie nach uns, es klingt eigentlich voll h\u00e4ufig, w\u00fcrde ich jetzt behaupten, irgendwie der Sound nach uns oder wie wir das umsetzen. Das hei\u00dft, wenn wir jetzt, das haben wir auch manchmal schon gemacht, wir haben Lines oder irgendwelche Covers in unser Set gepackt, sei es am Anfang unserer Bandgeschichte oder sp\u00e4ter, und es f\u00e4llt Leuten h\u00e4ufig einfach nicht auf, einfach, weil es nach uns klingt. Wir haben jetzt z.B. mit unserer letzten Single \u201eApartment\u201c, da haben wir gedacht, \u201eEy das ist eigentlich so ein Highschool\/College Song, so voll leicht, den hatten wir vorher nicht in unserem Repertoire.\u201c Aber wenn wir den halt durch den KID DAD-Filter schicken, dann \u00e4ndern wir halt Sachen, die eigentlich bei einem Highschool Song anders w\u00e4ren. Wir \u00e4ndern die halt so wie sie f\u00fcr uns cool w\u00e4ren, dann wird aus diesem eigentlich kitschigen Song ein KID DAD-Song. Das ist eben, glaube ich, das, was uns so von Bands mit einem Mainsound unterscheidet. Da ist das Songwriting sehr, sehr \u00e4hnlich h\u00e4ufig, die Lyrics vielleicht teilweise auch und der Sound und die Stimmung und alles ist irgendwie, kann man sich gut am St\u00fcck anh\u00f6ren, aber es klingt halt alles so ACDC-m\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>[00:28:00]<\/p>\n<p>Max: Oh, danke, dass du das gesagt hast und ich das nicht machen musste.<\/p>\n<p>[00:28:03]<\/p>\n<p>Yoshi: Der Song \u201eApartment\u201c ist eigentlich ein ganz gutes Beispiel daf\u00fcr, dass wir uns irgendwann gesagt haben, es ist erstmal alles erlaubt, was dem Song gut tut. H\u00e4tten wir jetzt einfach gedacht \u201eEy yo, wir m\u00fcssen irgendwie so eine krasse Alternative Rock Band sein, dann h\u00e4tten wir vielleicht das Ding ein bisschen anders geschrieben. Dann h\u00e4tten wir uns vielleicht andere Grenzen gesetzt. In dem Fall haben wir uns einfach gesagt, einfach, was dem Song gut tut, nicht, was vielleicht Menschen von uns erwarten w\u00fcrden, wie es zu klingen hat. Das war glaub ich auch sehr wichtig f\u00fcr uns, das mal so zu machen.<\/p>\n<p>[00:28:45]<\/p>\n<p>Marius: Bei der Produktion auch glaub ich neu. Also wir haben sonst gesagt, wir wollen das und das als Gesamtsound. Und jetzt haben wir gesagt, \u201eok wir haben f\u00fcnf Songs, jeder Song ist anders, wir geben jedem das, was er braucht, was wir glauben, was er braucht.\u201c So kam halt raus, dass absolute Aufs-Maul-Nummern neben Pop-Nummern irgendwie standen. Es hat irgendwie alles zusammengepasst, weil man es nat\u00fcrlich zusammen in Master geschickt hat und so. Aber das ist eine ganz neue Herangehensweise, so fast als w\u00fcrde man Singles aufnehmen und rausbringen, wir versinglen ja auch aktuell jeden Song. Aber es muss halt irgendwie auch als Gesamtkonzept funktionieren. Ich habe letztens noch von meiner Mama das Feedback bekommen, dass unsere Songs ja sehr dynamisch sind und dass, wenn man sich in eine Stimmung gefunden hat oder in einer Stimmung verloren hat, dass man dann mehr davon will. Das spricht dann eher f\u00fcr Bands, die das wirklich so machen, wo ein Song klingt wie der andere, gleicher Vocaleffect die ganze Zeit, gleicher Gitarreneffekt und gleicher Gitarrensound. Aber irgendwie ist jedes kreative Jahr von uns oder jede Schaffensperiode ist anders und wir versuchen all das, was wir f\u00fchlen und das, was wir erlebt haben, irgendwie reinzupacken und wollen nicht sagen, \u201eok im Gro\u00dfen und Ganzen haben wir jetzt mehr Bock auf ein Album, was richtig auf die Fresse geht, deswegen schreien wir jetzt bei jedem Song und deswegen drehen wir die Verst\u00e4rker auf bei jedem Song.\u201c Das ist gar nicht so. Sondern wir schreiben unterschiedliche Songs, produzieren alle unterschiedlich und deswegen haben wir auch so eine krasse Dynamik drin irgendwie.<\/p>\n<p>[00:30:19]<\/p>\n<p>Alex: Interessant auf jeden Fall. Ich wollt noch dazu mal wissen, ob ihr vielleicht dabei noch au\u00dfermusikalische Wirkung auf eure Songs habt, z.B. pers\u00f6nliches, politisches oder irgendwie Naturph\u00e4nomene? Habt ihr das Gef\u00fchl sowas spiegelt sich auch in euren Songs wider?<\/p>\n<p>[00:30:41]<\/p>\n<p>Max: Was f\u00fcr eine \u00dcberleitung! Wir bringen demn\u00e4chst, oder ich wei\u00df nicht, wann das rauskommt, aber wir haben, sagen wir, wir spielen es in der Zukunft. Auf jeden Fall kommt ein Song heraus, der hei\u00dft \u201eAs Soon As America\u201c und der ist halt in Folge dieser ganzen US-Wahlen, die jetzt letztes Jahr stattgefunden haben. Dieser unheimlich widerliche Wahlkampf zwischen dem w\u00fctenden orangenen Mann mit den kleinen H\u00e4nden und Joe Biden. Das hat dann irgendwann gegipfelt in der St\u00fcrmung des Kapitols und wir sa\u00dfen halt hier und haben halt irgendwie Tweets von deutschen Politiker*innen gelesen, die genau das gleiche auch gefordert haben und wir dachten uns so \u201eboah, was geht hier ab\u201c. Dann ist halt ein Song entstanden, der das alles so ein bisschen aufgreift, diese komplette Verunsicherung, die man irgendwie aufgreift, weil da dieser Riesen Staat USA ist mit diesem Typen und das drescht in Deutschland drescht es halt voll auf einen ein und das haben wir noch nie so krass miterlebt. Das Verhalten von Trump, das hat so viel quasi mit dem Verhalten der deutschen Politik gemacht. Es ist gef\u00fchlt alles viel populistischer und plumper gewesen. Dieser Begriff der Fakenews ist jetzt gef\u00fchlt schon im Duden drin. Und wir dachten uns so \u201ewas geht ab?\u201c Dann hat es diese Thematik und dieses Gef\u00fchl halt auch in einen Song geschafft.<\/p>\n<p>[00:32:12]<\/p>\n<p>Marius: Es hat uns irgendwie nie Inhalte gegeben zum Songs f\u00fcllen, irgendwie war das immer aufs Ich beschr\u00e4nkt und diesmal wurden wir halt so von \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden anger\u00fcttelt und angetackelt, dass wir das einfach nicht mehr rauslassen konnten, also aus den Song-Thematiken rauslassen konnten. Wir haben uns einfach, nicht nur moralisch, dazu verpflichtet gef\u00fchlt, sondern auch irgendwie als Person das wirklich gewollt, einfach was dazu zu sagen zu Dingen, mit denen wir aufgewachsen sind, die jetzt gipfeln oder die Sachen abebben, oder eben bestes Beispiel mit Amerika. Da w\u00fcrden wir jetzt ein Fass ohne Boden aufmachen, aber das sind halt Sachen, mit denen, die uns schon lange besch\u00e4ftigen, aber die uns jetzt als mitteljunge Erwachsene einfach viel, viel banaler erscheinen, gerade was Max schon angesprochen hat, mit diesem Kapitol-Sturm und allgemein, was die letzten Jahre in Amerika passiert ist. Das hat uns einfach massiv zum Denken, zum Reflektieren angeregt, das hat unser Verhalten, auch die Klimapolitik hat unser Verhalten ganz massiv ver\u00e4ndert. Wenn wir jetzt weiter einfach machen und sagen \u201eich und du und M\u00fcllers Kuh\u201c so, nat\u00fcrlich ist das interessant, was man selber f\u00fchlt und was man mitteilen m\u00f6chte, aber irgendwann ist man auch das, was drau\u00dfen passiert, nicht nur irgendwann, das ist meistens so, dass das Teil von einem ist und wenn man das komplett beiseite schieben w\u00fcrde, w\u00e4re das glaube ich ein bisschen aufgesetzt.<\/p>\n<p>[00:33:49]<\/p>\n<p>Joshi: Ja, wir sind ja alle als Individuum irgendwie auch trotzdem Akteure in einer Gemeinschaft, und wir sind alle dadurch irgendwie schon politische Wesen, zumindest Menschen, die das alles wahrnehmen und sich irgendwie in diesem Kreis bewegen. Ich finde, wenn man einfach mal Parallelen zieht, was unser Wahlkampf gerade zu bieten hat und was vor ungef\u00e4hr einem Jahr z.B. in den Staaten der Wahlkampf zu bieten hatte. Ja, Die Partei sagt, \u201eInhalte \u00fcberwinden\u201c, das soll jetzt kein Statement sein, aber irgendwie f\u00fchlt es sich fast so an, als ob es gar nicht mehr darum geht, wof\u00fcr steht jemand. Sondern es geht irgendwie gerade nur noch darum, warum ist der Andere, die Andere bl\u00f6d, so, warum sollte man die nicht w\u00e4hlen. Ich wei\u00df nicht, ob das ein tolles Zeichen ist. Wir saugen sowas nat\u00fcrlich auch auf. Was besonders zu beachten ist, ist z.B., dass jetzt z.B. der Song \u201eAs Soon As America\u201c, der jetzt 16.9. rauskommt, das ist ja nicht so, dass wir den vor zwei Wochen geschrieben haben, sondern wir haben vor einem Jahr ungef\u00e4hr, haben wir die Demos produziert oder sind gemeinsam als Band daran gegangen. Aber auch das bedeutet nicht, dass der erst vor einem Jahr entstanden ist, sondern die Erfahrung, die insbesondere Marius, Marius hat die Skizze geliefert, das gedeiht ja schon lange und dementsprechend ist das ein Gedanke, der vielleicht auch schon zwei Jahre oder drei Jahre da ist und irgendwann eben bereit ist, in einem Song verarbeitet zu werden. So beeinflusst eben Weltgeschehen oder auch einfach das, was wir so in unserem Umfeld wahrnehmen auch unsere Musik. Wir sind irgendwie gerade, \u201eIn A box\u201c war ja ein sehr pers\u00f6nliches Album und die EP \u201eBloom\u201c wird halt ein bisschen offener mit Einfl\u00fcssen von drau\u00dfen, wir sagen mehr, was uns besch\u00e4ftigt als Wesen in einer Gemeinschaft.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc4\"><\/a><a name=\"_Toc98875234\"><\/a>Musikalische Bildung<\/h2>\n<p>[00:36:14]<\/p>\n<p>Alex: Joa, ich w\u00fcrde, danke f\u00fcr diesen Beitrag. [Gespr\u00e4ch, Lachen] Ich w\u00fcrde mal zum n\u00e4chsten Thema \u00fcberkommen, da geht es um musikalische Bildung und Ziele und da w\u00fcrde ich euch auch erstmal einzeln mal wieder gerne fragen, wo ihr euer Know-how herhabt, wie ihr euer Instrument z.B. gelernt habt, oder wie ihr Vocaltechniken erlernt habt oder sowas? Fangt gerne mal der Reihe nach an.<\/p>\n<p>[00:36:43]<\/p>\n<p>Michi: Dann fange jetzt ich an. Gerade haben wir so rum gemacht, jetzt machen wir so rum, oder?<\/p>\n<p>[00:36:48]<\/p>\n<p>Max: Lass uns mal so rum machen. [Gel\u00e4chter]<\/p>\n<p>[00:36:53]<\/p>\n<p>Michi: Ich habe, wie auch immer bin ich schon als kleines Kind irgendwie darauf gekommen, dass ich Schlagzeug spielen cool finde. Wie das entstanden ist, kann ich dir auch nicht sagen, aber ich habe mit drei oder so angefangen irgendwie auf Kocht\u00f6pfen herum zu trommeln und hab zu meinen Eltern gesagt: \u201eIch will Schlagzeug spielen. Ich finde das cool.\u201c Die haben immer gesagt: \u201eJa, jetzt warte mal ab bis du in die Schule kommst, dann k\u00f6nnen wir gucken.\u201c Und ich glaube, ich war keine Woche in der Schule, da habe ich zu meinen Eltern gesagt: \u201eSo, wie war das jetzt nochmal?\u201c Und dann haben die gesagt: \u201eJa, ok, wenn du das willst, dann kannst du Schlagzeugunterricht nehmen.\u201c Seit dem, bis ich dann 18, 19 war, habe ich im Drum Department in Stuttgart, wo ich aufgewachsen bin, habe ich Unterricht genommen, mal mehr mal weniger oft, irgendwie einmal in der Woche, ich hatte aber auch Phasen, da war ich zwei Mal in der Woche da, oder auch irgendwie da war ich nur einmal in zwei, drei Wochen oder so da. Habe halt nebenbei, neben der Schule her, wie glaube ich, alle von uns, einfach in Bands gespielt, und irgendwie da die ersten Banderfahrungen gesammelt. Ich glaube, die erste Band war bei mir in der vierten Klasse und dann hat sich das halt irgendwie so durchgezogen, dass man ab und zu irgendwie mit Kumpels eine Band gegr\u00fcndet hat und ein paar Songs geschrieben hat. So gen Abitur wurde das dann irgendwie mal ein bisschen gr\u00f6\u00dfer. Dann habe ich hier in Paderborn an der Uni angefangen Popul\u00e4re Musik und Medien zu studieren und da gibt es nat\u00fcrlich auch noch mal einen Input, was Musik betrifft, der ist sehr allgemein und in vielen Punkten auch irgendwie theoretisch, aber auch durch die Gemeinschaft der Studierenden hat man halt irgendwie da auch einen gewissen Input bei irgendwelchen Open Stages oder mal irgendwie mit Leuten in einem Proberaum jammen und so. Da nimmt man ja auf jeden Fall auch Dinge f\u00fcr sich selber als Musiker mit.<\/p>\n<p>[00:39:15]<\/p>\n<p>Joshi: Habe ich vorhin schon kurz angerissen, ich komme halt aus einem Haushalt, wo, wei\u00df ich nicht, mein Papa ist halt Musiker. Ich hatte immer Gitarren zuhause stehen, aber es hat mich \u00fcberhaupt nicht interessiert, bis ich 17 wurde. Da habe ich, ne, in Detmold gro\u00df geworden, irgendwie war ich unzufrieden mit meinem Umfeld da, weil das irgendwie so, f\u00fcr mich war das so hohl alles und dann habe ich irgendwann entdeckt &#8230;<\/p>\n<p>[00:39:47]<\/p>\n<p>Max: Ist es jetzt besser?<\/p>\n<p>[00:39:48]<\/p>\n<p>Joshi: Ja, keine hohle Erde mehr. [Gespr\u00e4ch, Gel\u00e4chter] Dann habe ich pl\u00f6tzlich entdeckt, dass es Menschen gibt, die Bands haben und eigene Songs schreiben, nicht nur so Cover-Geschichten, und das fand ich irgendwie richtig geil und bin dann durch einen Menschen, der mich ganz besonders beeindruckt hat damals \u2013 Gr\u00fc\u00dfe an Tett, Tetty. Er wird das wahrscheinlich nie sehen, aber wenn, dann wird er lachen. Er hat daf\u00fcr gesorgt, dass ich irgendwann eine Gitarre in die Hand genommen habe und dann bin ich tats\u00e4chlich meiner ersten Band beigetreten, bevor ich angefangen habe Gitarre zu spielen, genau, mit dem Versprechen, dass ich das jetzt lerne. Hatte irgendwie E-Gitarren zuhause stehen und mein Bruder, der ist ein paar Jahre \u00e4lter als ich, der hat mir dann einen Powerchord gezeigt und meinte: \u201eYo, den kannste hier spielen, da spielen, spiel den einfach, geht \u00fcberall.\u201c<\/p>\n<p>[00:40:54]<\/p>\n<p>Max: Und dann hast du Green Day gelernt.<\/p>\n<p>[00:40:55]<\/p>\n<p>Joshi: Nee, dann habe ich AntiFlag und Pennywise und solche Sachen gespielt, so Ami-Punk-Zeug. Nie Unterricht gehabt, ich bin komplett autodidaktisch da gro\u00df geworden, habe mir irgendwie Sachen angeguckt und dachte mir \u201eAh krass, die k\u00f6nnen sowas machen mit einer Gitarre, das will ich auch!\u201c Dann habe ich da irgendwie dran gesessen und einfach ausprobiert und von mir aus einen extremen Antrieb gehabt, einfach besser zu werden. Habe das auch irgendwie als eine Art von, wei\u00df ich nicht, ich habe so Rivalit\u00e4ten aufgebaut, aber eher so freundschaftlich \u00e0 la \u201eEy yo, ich will besser als der werden und ich will besser als derjenige werden!\u201c Dann hat mich das so ein bisschen angetrieben. Irgendwann habe ich auch gelernt, was eine Note ist, wie man die liest, habe ich auch irgendwann verlernt, lerne ich gerade wieder, eigentlich kann ich das mittlerweile. M\u00fcndet jetzt tats\u00e4chlich darin, dass ich gerade auch ein Gitarrenlehrer bin, arbeite gerade an einer Musikschule, was mir auch noch einmal sehr viele neue Impulse gibt, weil ich nie so didaktisch gearbeitet habe, dadurch, dass ich selber autodidaktisch gelernt habe, gehe ich halt da irgendwie so meinem eigenen Stil nach und bisher funktionierts, mal gucken, ob das weiter so funktioniert. Aber es macht mir sehr viel Spa\u00df, also, was will ich eigentlich sagen, ich will eigentlich sagen, es ist nie zu sp\u00e4t anzufangen, mit einer gesunden Ein- oder \u00dcbe-Mentalit\u00e4t dabei, weil wenn man nicht \u00fcbt, dann passiert nichts, so das muss einem klar sein. Und ja, ich habe mich verhaspelt.<\/p>\n<p>[00:42:48]<\/p>\n<p>Alex: Ja, wir k\u00f6nnen ja einfach weiter machen. Du hast einen interessanten Beitrag erz\u00e4hlt \u00fcber deine Erfahrung mit der Gitarre, wie du das gelernt hast. Wie war es bei dir?<\/p>\n<p>[00:42:59]<\/p>\n<p>Marius: Bei mir war es recht \u00e4hnlich wie bei Michi, also ich habe ganz fr\u00fch schon irgendwie im Rhythmus, im Takt geklopft, wenn irgendwo eine Blaskapelle aufgelaufen ist. Mein Opa hat auch immer Horn gespielt, das hat mich voll fasziniert. Danach wollte ich irgendwann, habe ich dann Blockfl\u00f6te in der ersten Klasse gespielt, hatte aber auch kein Bock mehr drauf. Dann habe ich seit der dritten Klasse bis zur achten Trompete gespielt, auch in diesem Verein, wo mein Opa t\u00e4tig war, weil das war irgendwie, war das so Uniform anhaben und so, fand ich irgendwie cool, aber bis dahin habe ich es nie geschafft, weil ich nicht so viel ge\u00fcbt habe. Und dann meinte ich so zu meiner Mum irgendwann: \u201eIch habe einfach kein Bock mehr auf Trompete, gib mir endlich eine Gitarre, ich habe da mehr Bock drauf!\u201c Und dann sie so: \u201eNein, du \u00fcbst das sowieso nicht, du \u00fcbst das sowieso nicht. \u00dcb erstmal Trompete!\u201c Dann hing mir das so zum Hals raus und irgendwann sind wir, ich glaub an einer Tankstelle vorbeigefahren, das wei\u00df ich noch, und dann lief ACDC. Und dann ich so: \u201eEy, Mama, h\u00f6r mal, wie geil das ist! Als ob du mir keine Gitarre kaufen willst! Ey das ist, ich muss, ich will einfach Gitarre spielen!\u201c Und sie irgendwann so: \u201eJa, ok, aber du versprichst mir, dass du \u00fcbst!\u201c Und dann hat die mir Gitarrenunterricht organisiert und eine Angus Young nicht un\u00e4hnliche Gitarre. Man sieht, was das f\u00fcr Auswirkungen hatte. Und hat dann mich da jede Woche hingefahren, Dienstag, das hei\u00dft Dienstag war mein Hasstag, weil ich hatte nie Bock auf Gitarrenunterricht, ich wollte einfach spielen k\u00f6nnen. Und dann hat mir der Gitarrenlehrer jedes Mal so gesagt: \u201eJa, das kannst du hier spielen und hier und hier.\u201c Und ich so: \u201eWie, da oben kann ich auch alles spielen?!\u201d Ich dachte nur unten ein bisschen und die B\u00fcnde w\u00e4ren irgendwie nur zur Zierde da, habe ich \u00fcberhaupt nicht gecheckt. Ich habe das eher vom H\u00f6ren so gefeiert. Und dann wurde ich auch irgendwann in unserem Dorf in so eine Band reingedr\u00e4ngt, die hat sich auch so aus unserem Fu\u00dfballverein irgendwie raus kristallisiert. Und da konnte ich nicht mal im Stehen spielen, ich war auch in der Band und konnte nicht spielen, \u00e4hnlich wie Joshi. Und dann irgendwann wurde Fu\u00dfball halt voll \u00f6de und ich habe einfach immer mehr Musik gemacht, weniger Fu\u00dfball, und dann hat sich das irgendwann zu so einer richtigen Band entwickelt. Und dann je ernster es wurde, je mehr Auftritte kamen, desto mehr Leute sind abgesprungen und wurden durch Leute ersetzt, die halt mehr Bock darauf haben, das hei\u00dft, sprich, ich bin eigentlich in dieser Band seit 2011 oder so, aber die hat sich immer verschoben und andere Namen bekommen. Michi ist irgendwann eingesprungen, direkt nachdem ich ihn im Studium kennen gelernt habe f\u00fcr unseren ehemaligen Schlagzeuger und dann hat sich das alles so gewechselt. Irgendwann kam Max dazu und dann Joshi. Dann habe ich eigentlich mit der Band Gitarre spielen gelernt, habe aber nie wirklich den Ansporn gehabt, das muss ich zugeben, viel mehr auf der Gitarre zu k\u00f6nnen als selber aus meinem Kopf herauskommt. Ich habe mich selber durch das Zeug, was ich spielen wollte, was ich geschrieben habe, gepusht, aber war nie wirklich auf lange Sicht der, der Cover ge\u00fcbt hat, oder so wirklich mich mental, oder mental rein getaucht ist in andere Gitarristen oder Gitarristinnen. Da hat mir irgendwie die Motivation gefehlt. Ich habe, wenn dann so ganz trocken ge\u00fcbt oder hab halt meinen eigenen Shit irgendwie gespielt oder es an den Leadgitarristen abgegeben, wenn es zu schwer war. Mein Ding war es eher, irgendwie Songs schreiben, mich selber begleiten zu k\u00f6nnen, mich ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen, aber dieses ganze Solozeug, das fand ich cool, hatte ich aber nie die Energie dazu, das wirklich zu lernen. Ich kann zwei Soli, oder so, eins davon ist unser eigenes, das andere ist irgendein Chili Peppers Solo. Vielleicht kommt es ja irgendwann noch, vielleicht kriege ich irgendwann noch einmal den Boost. Ich hatte irgendwie letztens eine Phase, da habe ich viel so Zupfgitarre gelernt, so viel Konzertgitarrenzeugs, so Bob Dylan Songs und so gelernt, das hat mir viel gegeben, aber so der Sologitarrist bin ich absolut nicht, deswegen bin ich super froh, dass wir Joshi haben, dass eine Band auch einen Leadgitarristen haben kann. Das w\u00e4re mir auch koordinativ zu viel, das beim Singen zu machen, da habe ich gr\u00f6\u00dften Respekt vor Bands wie Hirsch Effekt oder auch Billy Talent, die da kranke Arbeit leisten. Aber, was Gitarre spielen angeht, bin ich da eher der Kreierende und weniger der Star.<\/p>\n<p>[00:47:22]<\/p>\n<p>Alex: Also nicht so der Ausf\u00fchrende quasi.<\/p>\n<p>[00:47:25]<\/p>\n<p>Marius: Doch, doch, also ich spiel ja live auch Gitarre und ich kann mein Zeug auch spielen, aber ich bin dann eher der gerne das spielt, was man auch spielen kann, wenn man ausrasten will und so, also es sind nicht nur Powerakkorde oder nicht nur Barr\u00e9 Akkorde, hier und da mal eine Melodie. Aber ich sehe mein Musikmachen als Band-Ding und ich sehe mich gar nicht alleine auf einer B\u00fchne, ich sehe mich mit den Jungs auf der B\u00fchne und jeder \u00fcbernimmt da den Part und ich lege da halt die Basis mit meiner Gitarre und Joshi f\u00fcllt das irgendwie mit Leben, mit Topping und gibt die Richtung vor. Wie irgendwie wie in der Klassik, wo man von Streichinstrumenten gezogen wird, dann wieder fallen gelassen wird, so das macht er halt alles. Bei uns ist das so ein bisschen Four Layer Prinzip, jeder hat irgendwie sein Zeug zu tun, da synergien wir irgendwie super. Und damit bin ich voll zufrieden.<\/p>\n<p>[00:48:21]<\/p>\n<p>Alex: Ja das scheint ja auch zu funktionieren bei euch. Die Dynamik passt ja.<\/p>\n<p>[00:48:24]<\/p>\n<p>Marius: Danke.<\/p>\n<p>[00:48:26]<\/p>\n<p>Alex: Wie sieht es bei dir aus, Max? Wie hast du deine musikalischen F\u00e4higkeiten erlernt?<\/p>\n<p>[00:48:31]<\/p>\n<p>Max: Boah, ich habe, ich wei\u00df, ich habe bestimmt mal auf irgendwelchen T\u00f6pfen oder sowas rum getrommelt, so mit irgendwelchen Essst\u00e4bchen, die ich dann zerschmettert habe. Aber, wie gesagt, ich war ganz gro\u00dfer \u00c4rzte Fan und bin es halt immer noch. Und hatte halt Freunde, die wollten eine Band machen, das Einzige, was denen noch gefehlt hat, war ein Bassist und da habe ich halt meine Eltern gefragt: \u201eEy, darf ich Bass lernen?\u201c, und die so: \u201eYo, mach halt.\u201c Ja, dann habe ich, glaube ich, mit 14 bin ich in die Musikschule gekommen. Habe dann, was ich richtig gut fand, erstmal wirklich viel gespielt. Da ging es gar nicht darum \u201eok, das ist jetzt eine Terz oder eine Quinte und das ist eine Punktierte\u201c und sowas. Sondern da war erstmal so \u201eMach!\u201c und das fand ich super. Habe dann auch zuhause richtig viel geprobt und irgendwann ging es dann darum \u201eok, jetzt lernen wir mal Notenlesen.\u201c Dann habe ich aufgeh\u00f6rt mit der Musikschule. Und bin dann, ich glaube dann habe ich echt lange Pause gemacht, was hei\u00dft echt lange, zwei, drei Jahre oder so. Und bin dann irgendwie nach Paderborn gekommen, hatte dann mit diesen Leuten hier zu tun und die haben gefragt: \u201eEy, willst du bei uns Bass spielen? Bei uns ist unser Bassist gerade abgesprungen und keiner von uns hat Bock Bass zu spielen.\u201c \u201eJa, ok.\u201c Und dann war ich halt da, bei KID DAD. Seit dem spiel ich halt Bass und das ist halt auch nie so dieses, keine Ahnung, f\u00fcr mich hat Bass in einer Band halt immer diese Rolle so babababababam, durch ballern, dann irgendwie einen Boden geben. Und dann bin ich vielleicht auch so wie Marius, ich will nicht dar\u00fcber nachdenken m\u00fcssen, was ich spiele, weil sonst habe ich da keinen Bock drauf. So, ich will halt irgendwie auf der B\u00fchne noch parallel Synthie spielen oder Standtom oder singen oder ein bisschen rum h\u00fcpfen oder auf irgendetwas drauf dr\u00fccken. Und dabei ist es halt geblieben. Viel, viele Lernprozesse entstehen halt irgendwie im Proberaum bei mir, weil ich denke: \u201eOk, ich m\u00f6chte das und das so spielen. Ok, das kriege ich nicht hin. Was muss ich tun?\u201c Aber das ist dann immer mehr so zweckgebunden und nicht \u201eich schaffe mir erst eine Grundlage drauf und gucke dann, wo ich die irgendwann einstreuen kann.\u201c Irgendwann habe ich angefangen mich in so Effekte zu verlieben, und ich habe mittlerweile ein Effektboard, das ist eine kleine Raumstation, gef\u00fchlt &#8230;<\/p>\n<p>[00:51:01]<\/p>\n<p>Joshi: Auf jeden Fall h\u00e4tten Astronauten damit fr\u00fcher ein paar Mal um den Mond fliegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[00:51:06]<\/p>\n<p>Max: Ich hoffe ja, ich versuche das auch noch damit. Genau, und jetzt habe ich den Faden verloren.<\/p>\n<p>[00:51:13]<\/p>\n<p>Joshi: Sorry.<\/p>\n<p>[00:51:14]<\/p>\n<p>Max: Alles Gut.<\/p>\n<p>[00:51:14]<\/p>\n<p>Joshi: Du hast dich in Effekte verliebt.<\/p>\n<p>[00:51:15]<\/p>\n<p>Max: Ich habe mich in Effekte verliebt, und das klingt alles ganz toll und wummert so und da ist jetzt, wei\u00df ich nicht, ob das bei allen Bassisten so ist, aber das ist jetzt so mein Ding geworden, zu gucken, \u201eok, was kann ich alles dr\u00fccken und spielen\u201c. Mittlerweile ist es bei uns glaube ich so weit, dass ich halt versuche, nie nichts zu tun und ich dann trotzdem jetzt nachdenken muss, was ich tue. Also irgendwie hat das nicht so ganz geklappt, aber so alleine das Bassspielen an sich, das ist immer noch ein yo, muss halt funktionieren, muss sich halt einf\u00fcgen, nicht zu kompliziert, muss Spa\u00df machen, fertig &#8230;<\/p>\n<p>[00:51:58]<\/p>\n<p>Joshi: &#8230; muss Bass machen &#8230;<\/p>\n<p>[00:51:59]<\/p>\n<p>Max: &#8230; muss Bass machen.<\/p>\n<p>[00:52:02]<\/p>\n<p>Alex: Ja, dann kommen wir mal zur n\u00e4chsten Frage: Und zwar, wie kommt ihr in euren Songs auf Akkorde und Melodien, geht ihr da z.B. durch Experimentieren dran, oder nutzt ihr vielleicht auch die Regeln der Musiktheorie, wie macht ihr das?<\/p>\n<p>[00:52:17]<\/p>\n<p>Marius: Ich glaube, da gibt es zwei Etappen, einmal das, wenn man grunds\u00e4tzlich anf\u00e4ngt den Song zu schreiben, beeinflusst die Gesangsmelodie die Akkorde oder umgekehrt. Wenn diese Etappe halt von der Basis fertig ist, dann geht man, oder dann geh ich halt mit dem Song an die Band oder auch an den Produzenten, das als optionale dritte Etappe. Da wird dann noch einmal dr\u00fcber geschaut, kriegt man da vielleicht noch einen passenderen Akkord hin, weil feinere Akkorde oder speziellere Akkorde sind h\u00e4ufig wie ungew\u00f6hnlichere Vokabeln, also die sind meistens zutreffender als \u201eer tut\u201c, \u201eer macht\u201c, also ganz normale Standardw\u00f6rter. G-Dur, C-Dur erf\u00fcllen h\u00e4ufig ihren Sinn, aber wenn man dann irgendwelche add9 Sachen hat oder irgendwelche krassen Sachen, Joshi kennt da ein paar, dann l\u00e4sst sich damit die Suppe h\u00e4ufig irgendwie verfeinern und das ist halt meistens so irgendwie das, was am Schluss passiert. Aber die Basis ist, glaube ich, passiert gleichzeitig mit der Melodie, die Akkorde. Also da habe ich auch gar nicht viel, ich pers\u00f6nlich jetzt nicht viel musiktheoretisches Wissen. Ich mach das, ja, ich bring das ein, was ich kann, irgendwie und das, was halt mehr Verbesserungspotential braucht, das passiert dann halt im Proberaum oder im Studio.<\/p>\n<p>[00:53:42]<\/p>\n<p>Joshi: Daran anschlie\u00dfend, Musiktheorie ist bisher tats\u00e4chlich sehr wenig Bestandteil des Songwritings, sondern es ist eher, ich kann das nur aus meiner Sicht schildern, wenn z.B. der Boden quasi gelegt ist, also sprich die Akkorde sind klar, dann guckt man, oder gucke ich, was kann ich mit meinem Spiel f\u00fcr Vibes erzeugen, was passt, was erzeugt ungef\u00e4hr was f\u00fcr eine Stimmung, was trifft den Charakter, was unterstreicht z.B. den Gesang, was geht entgegen. Und dann, wei\u00df ich nicht, ich bin kein Typ, der Bock hat, nee. Ich versuche Grenzen auszuloten f\u00fcr mich. Dementsprechend probiere ich einfach viel rum und mal passen Sachen, mal nicht, aber es ist sehr viel probieren, aber nicht so stumpf, dass man das komplette Griffbrett rauf und runter wandert, sondern da gehen dann halt die Erfahrungswerte, die man in seinem Leben als musizierendes Wesen so zusammengesammelt hat und dann m\u00fcndet das irgendwo drin. Man wei\u00df irgendwie intuitiv, \u201eey, yo, das will ich machen\u201c und dann wurschtelt man sich das da zurecht. Aber was vielleicht die Musiktheorie ein bisschen ersetzt, ist vor allem unser Spiel mit Effekten, dass wir versuchen da eine andere Ebene mit rein zu bringen, die, wo wir jetzt nicht sagen, \u201eey, yo, das ist die, keine Ahnung, Stufenharmonik, jetzt dieser Schritt und dieser Schritt\u201c, sondern, \u201eey, yo, das hat eine krasse Wirkung, das kann man benutzen um irgendwie Spannung aufzubauen\u201c und nicht durch so einen typisch spannungsgebenden Akkord, den man sich musiktheoretisch herleiten w\u00fcrde, ich glaube, so funktioniert das eher bei uns.<\/p>\n<p>[00:55:42]<\/p>\n<p>Alex: Und wenn ihr dann z.B. eine neue Spiel- oder eine neue Vocaltechnik meinetwegen integrieren m\u00f6chtet in euren Songs, die ihr vorher z.B. noch nicht gehabt hattet oder noch nicht spielen konntet, wie geht ihr da dann vor?<\/p>\n<p>[00:55:57]<\/p>\n<p>Joshi: Ich glaube nicht, dass wir versuchen, nur weil wir eine neue Technik beherrschen, die zwangsl\u00e4ufig reinzubringen. Sondern es geht darum, dass es dem Song guttut, wenn das passt, dann passt es und wenn es nicht passt, dann geht es uns nicht darum, dass wir irgendwie beweisen, wie gute Musiker wir sind, sondern dass der Song im Vordergrund steht. Wei\u00df ich nicht, Michi haut nicht immer die krassesten, vertracktesten Grooves raus, weil der andere vielleicht einfach passender ist. Ich spiele nicht in jedem Song ein Solo, weil nicht jeder Song ein Solo braucht. Marius hat nicht immer die krassesten Tonwechsel, von hoch nach tief, weil es das vielleicht in dem Song nicht braucht. Max muss jetzt auch nicht sich eine dritte Hand wachsen lassen und &#8230;<\/p>\n<p>[00:56:50]<\/p>\n<p>Max: &#8230; w\u00e4r aber sch\u00f6n &#8230;<\/p>\n<p>[00:56:51]<\/p>\n<p>Joshi: &#8230; w\u00e4r aber sch\u00f6n, weil es das vielleicht nicht braucht. Wir sind nicht so darauf aus, dass wir den Leuten zeigen, wie krass unsere Techniken sind, sondern wir versuchen einfach Klangwelten zu erschaffen, die f\u00fcr uns einfach etwas Besonderes darstellen und was erzeugen, unabh\u00e4ngig davon, wie anspruchsvoll oder anspruchslos das jetzt ist.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc5\"><\/a><a name=\"_Toc98875235\"><\/a>Ziele<\/h2>\n<p>[00:57:14]<\/p>\n<p>Alex: Dann kommen wir mal zu einem anderen Thema, und zwar eine ganz allgemeine Frage: Welche Ziele verfolgt ihr mit eurer Musik, oder habt ihr Ziele, habt ihr keine Ziele? K\u00f6nnt ihr dazu was sagen?<\/p>\n<p>[00:57:27]<\/p>\n<p>Marius: Ich kann ja anfangen und wenn das nicht alles abdeckt, dann k\u00f6nnen die anderen ja erg\u00e4nzen. Ich glaube, dass unser Hauptaugenmerk einfach darauf liegt, dass wir uns nicht irgendwo dran ketten, also wenn uns ein Label sagt: \u201eYo, ihr m\u00fcsst jetzt alles auf Deutsch machen, daf\u00fcr werdet ihr reich.\u201c H\u00e4tten wir kein Bock drauf. Auf der anderen Seite wollen wir aber auch davon leben und wollen das nicht als teures Hobby behalten, sondern wir wollen uns kreativ ausdr\u00fccken k\u00f6nnen dauerhaft, und wir wollen, dass wir damit unser Leben finanzieren k\u00f6nnen. Und das sind so die beiden Hauptpunkte, wenn eins von beiden nicht funktioniert, dann wird es schwierig. Das ist, glaube ich, so das, was es f\u00fcr mich ist.<\/p>\n<p>[00:58:12]<\/p>\n<p>Michi: Das ist eigentlich gut zusammengefasst, wir wollen einfach so viel spielen, Songs schreiben, wie irgendwie geht und damit so viele Leute erreichen, wie irgendwie geht und dann hoffentlich irgendwie damit den Lebensunterhalt finanzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[00:58:34]<\/p>\n<p>Alex: Du hast ja eben angesprochen, dass du, dass ihr Leute erreichen wollt. Habt ihr da bestimmte Zielgruppen im Kopf z.B. oder sollen es einfach die Leute h\u00f6ren &#8230;<\/p>\n<p>[00:58:43]<\/p>\n<p>Marius: Keine Nazis.<\/p>\n<p>[00:58:43]<\/p>\n<p>Alex: &#8230; die es h\u00f6ren wollen?<\/p>\n<p>[00:58:44]<\/p>\n<p>Michi: Also, au\u00dfer keine Nazis oder \u00e4hnliches haben wir keine spezielle Zielgruppe, die wir jetzt direkt ansprechen wollen, oder auch wo wir sagen, ok wir schreiben Texte, die die und die Zielgruppe ansprechen, weil wir die unbedingt erreichen wollen. Ich glaube, uns ist einfach wichtig, dass die Leute uns, unsere Mukke und irgendwie die Band cool finden und uns dann h\u00f6ren und uns dann irgendwie begleiten. Aber das ist jetzt nicht festgelegt, was f\u00fcr eine Zielgruppe das sein soll.<\/p>\n<p>[00:59:25]<\/p>\n<p>Joshi: Ich glaube wir sind einfach dankbar f\u00fcr fast jeden Menschen, der uns sein Geh\u00f6r schenkt und wenn sich Menschen mit unserer Musik und unseren Inhalten besch\u00e4ftigen wollen, ist das einfach etwas sehr, sehr Sch\u00f6nes, wof\u00fcr wir unendlich dankbar sind. Weil das ist etwas Einzigartiges irgendwie, wenn man etwas kreatives schafft und Menschen sich damit auseinandersetzen wollen. Das ist sch\u00f6n.<\/p>\n<p>[00:59:56]<\/p>\n<p>Marius: Ich glaube mit der Dynamik und der Range der verschiedenen Songs kommt auch ein gemischtes Publikum. Also wir haben wirklich Leute dabei, die sagen so: \u201eDer und der und der Song das sind voll die verkopften, das sind meine Lieblingssongs.\u201c Das sind so ehemalige Math-Rock Opis oder Omis, die dann halt sagen: \u201eEy, das ist voll cool und die und die Songs liebe ich am meisten.\u201c Dann gibt es da aber auch nat\u00fcrlich so klassische kleine Punkkids, die dastehen, und alles dazwischen halt. Das ist supersch\u00f6n zu sehen, dass wir durch die Bank weg eigentlich jede Art und jedes Alter bedienen. Und alle tragen irgendwie das gleiche Merch, das ist witzig. [Gespr\u00e4ch]<\/p>\n<p>[01:00:41]<\/p>\n<p>Joshi: Es ist unheimlich r\u00fchrend. Wir haben, wann war denn das, am 05.09. haben wir auf dem Kuppelfest in Schloss Neuhaus gespielt \u2013 das ist ein Festival, was ehrenamtlich gr\u00f6\u00dftenteils organisiert wurde \u2013 und da gab es ein kleines M\u00e4dchen, ich glaube die war noch keine 10, und der Papa oder die Mama, ich wei\u00df es nicht mehr, die sind auf jeden Fall zusammen zu uns gekommen und haben nach einem Foto gefragt und dann hat sich im Laufe dieses Prozesses heraus gestellt, dass das ihr allererstes Konzert war und das hat sie total, also sie war sehr begeistert irgendwie und sehr beeindruckt. Das ist ein unglaublich sch\u00f6ner Moment gewesen. Klar finden wir es geil, wenn nach dem Konzert ganz viele Leute dar stehen oder nach einem Song und klatschen. Aber wenn man dann so eine Geschichte dahinter hat, \u201eey yo, das war mein allererstes Konzert und ich h\u00e4tte gerne ein Foto mit euch.\u201c Dann ist das was, wo das Herz einfach so ein bisschen aufbl\u00fcht und sich freut und h\u00fcpft.<\/p>\n<p>[01:01:47]<\/p>\n<p>Alex: Da kommt ihr auf jeden Fall gut bei euren H\u00f6rer*innen und Fans z.B. an. Mir stellt sich dann dabei auch die Frage, wisst ihr vorher auch, wie eure Songs bei den H\u00f6rer*innen ankommen werden oder wisst ihr m\u00f6glicherweise z.B. w\u00e4hrend des Songwritings welcher Song jetzt ein, sag ich mal, ein Hit wird, oder welcher Song beliebter f\u00fcr die Fans wird oder nicht?<\/p>\n<p>[01:02:10]<\/p>\n<p>Michi: Ich glaube, wissen kann man das eigentlich gar nicht, also man kann irgendwie Vermutungen anstellen und wir stellen sehr, sehr gerne Vermutungen an, welcher Song von uns jetzt der n\u00e4chste Hit ist.<\/p>\n<p>[01:02:20]<\/p>\n<p>Marius: Single Potential.<\/p>\n<p>[01:02:22]<\/p>\n<p>Michi: Genau, Single Potential ist so ein ber\u00fchmtes Wort in unserem Sprachgebrauch f\u00fcr irgendeinen Song, wo wir sagen: \u201eJa, der ist bestimmt mega gut und der kommt bestimmt richtig gut an, den m\u00fcssen wir als Single rausbringen!\u201c Also ich glaube, wir versuchen so gut es uns irgendwie m\u00f6glich ist, vorherzusehen, was passiert. Aber ich glaube, das ist eigentlich sehr, sehr schwer m\u00f6glich und wir sind einfach immer froh, wenn irgendetwas gut ankommt.<\/p>\n<p>[01:02:58]<\/p>\n<p>Joshi: Wenn wir immer auf Single schreiben w\u00fcrden, dann w\u00fcrden wir wahrscheinlich immer den gleichen Song schreiben gef\u00fchlt. Deswegen ist das in diesem Prozess eigentlich gar nicht so relevant f\u00fcr uns. Aber es kristallisiert sich dann halt irgendwann heraus, was irgendwie &#8230; aber andererseits ich glaube nicht, dass &#8230; es gibt halt so ein paar Sachen: Ein schneller Song, der irgendwie schnell und direkt ist, da wei\u00df man, ok, das k\u00f6nnte halt so ein Baller-Song sein, in einem Rockkonzert, das funktioniert halt. Aber jetzt z.B. \u201eApartment\u201c, die erste Single-Auskopplung dieser EP, ist halt z.B. f\u00fcr uns was recht Neues gewesen vom Klangbild und dann wissen wir vorher nicht, wie das ankommt. Das ist nicht so, dass wir da irgendwie, keine Ahnung, irgendeine geheime Formel entdeckt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>[01:03:48]<\/p>\n<p>Marius: Es gibt ja auch verschiedene Arten von Hits, also eher so Szene-Hits, wo dann im kleinen Clubkonzert alle diesen Song schreien, ist ja eine andere Art von Hit, als wenn der 2, 3 Millionen Spotify Clicks hat oder in irgendeiner Netflix Serie l\u00e4uft. Das ist dann einfach eine andere Art, einmal eher der kommerzielle Hit, der viele verschiedene Geschm\u00e4cker trifft und der Hit, der sich nicht unbedingt gut verkauft, aber wo jeder den Text kennt und so. Diese beiden Ecken, die man mit einem Hit bedienen kann, aber was ist schon ein Hit?<\/p>\n<p>[01:04:27]<\/p>\n<p>Alex: Das ist nat\u00fcrlich sehr, ziemlich allgemein, das kann man, wie du schon sagtest, das kann man aus mehreren Perspektiven betrachten.<\/p>\n<p>[01:04:34]<\/p>\n<p>Marius: Ist auch sehr pers\u00f6nlich oft. Ich habe sehr h\u00e4ufig Prognosen angestellt, \u201eey das ist unser krassester Song, sorry, das ist unser Hit\u201c und dann hat der halt ein Zehntel so viele Clicks auf Spotify und die Leute kennen den nach ein paar Jahren immer noch nicht oder nach ein paar Monaten. Da denkt man sich so, \u201eich habe einfach einen anderen Geschmack als die Leute\u201c, oder wei\u00df ich nicht, \u201eirgendwas haben wir falsch gemacht\u201c, oder wei\u00df ich nicht, es ist immer sehr viele pers\u00f6nliche Gedanken, die da mit reinspielen.<\/p>\n<p>[01:05:03]<\/p>\n<p>Alex: Und beeinflusst das dann auch z.B. eure Kompositionsweise, wenn ihr jetzt z.B. solche Prognosen anstellt, was ein Hit sein k\u00f6nnte, \u00e4ndert sich dadurch irgendwas im Prozess bei euch?<\/p>\n<p>[01:05:13]<\/p>\n<p>Marius: Ich glaube, nur im Bezug auf live, oder? Also wenn irgendwas live nicht funktioniert, wenn wir merken, wir haben viele z\u00e4he Songs, die sehr lange brauchen oder sehr viele, die nur mit Gitarre und Gesang z.B. anfangen oder nur mit Drums, dann versucht man nat\u00fcrlich schon, auf die Gesamtdiskografie gesehen, da Abwechslung zu schaffen, das versuchen wir generell. Aber wenn wir jetzt denken, \u201eok, der letzte Song hat jetzt, obwohl wir dachten, es w\u00e4re ein Hit, ist nicht so gut angekommen oder wurde, wei\u00df ich nicht, bei keinem Radiosender gespielt\u201c, dann sagen wir ja auch nicht: \u201eOk, die Akkordfolge ist f\u00fcr uns gestorben.\u201c Dann ist das einfach, wei\u00df ich nicht, dieser Song ist halt dieser Song. Man kann mit den gleichen Akkorden, mit der gleichen Energie, dem gleichen Vibe einen Song schreiben, der sich milliardenfach verkauft. Deswegen ist das glaube ich immer so ein bisschen mit dem Pfeil auf das Gl\u00fccksrad geworfen.<\/p>\n<p>[01:06:03]<\/p>\n<p>Joshi: Ja, ich glaube, repr\u00e4sentativ ist da wirklich die aktuelle EP. Wir haben ja vorhin schon kurz angesprochen, dass wir uns dabei dachten, dass jeder Song das bekommt, von dem wir denken, dass das diesem Song guttut. Das bedeutet allerdings nicht, wir haben den Songs das gegeben, damit sie Hits werden, sondern einfach nur, dass wir keine Grenzen gesetzt haben. Das sind auf jeden Fall unterschiedliche Sachen, ich glaube nicht, dass wir so schreiben, dass wir denken, \u201eey yo, zum Hit braucht der Song jetzt noch das und diese Gesangs-Hookline und \u201awoahs\u2018 und \u201aahs\u2018 bitte noch.\u201c<\/p>\n<p>[01:06:43]<\/p>\n<p>Marius: Hits sind ja auch Hits, weil sie irgendwas im Kopf ausl\u00f6sen und wenn man danach geht, \u201eok ich m\u00f6chte, dass es was im Kopf ausl\u00f6st\u201c, dann w\u00fcrde ich schon sagen, ok, darauf arbeiten wir bei bestimmten Songs schon hin, wenn wir denken, \u201eok, es geht in die Richtung\u201c, wie bei \u201eApartment\u201c z.B., der sehr leicht zug\u00e4nglich, dass wir sagen, \u201eok, dann geben wir dem Song das, in die Richtung, wie er geht, und dass er bestimmte chemische Prozesse im Kopf ausl\u00f6st.\u201c Und dann machen wir das aber nicht, weil das zu einem Hit f\u00fchrt, sondern weil h\u00e4ufig Hits einfach diesen Effekt auch haben. So w\u00fcrde ich das, glaube ich, sehen.<\/p>\n<p>[01:07:16]<\/p>\n<p>Alex: Ja, das w\u00fcrde ich mal so unterstrichen lassen als \u201efinal statement\u201c, sag ich mal. Also in euren Songs hast du ja auch eben oder habt ihr eben gesagt, dass ihr teilweise politische Themen habt oder auch pers\u00f6nliche Themen, wie verarbeitet ihr die Themen in euren Texten, bzw. in deinen Texten?<\/p>\n<p>[01:07:36]<\/p>\n<p>Marius: Ich bin eigentlich jemand, der recht verschl\u00fcsselt schreibt, also in den meisten Songs, glaube ich, arbeite ich vielleicht sogar mit zu vielen Motiven oder mit zu vielen sprachlichen Bildern. Aber ich bin gar kein Fan davon, dass jeder wei\u00df, was der S\u00e4nger oder die S\u00e4ngerin mit dem Text meint, oder der Schreiber, die Schreiberin mit dem Text meint, weil jeder Text, der verschl\u00fcsselt bleibt, erzeugt bei jedem individuelle Bilder. Und wenn ich ein Kunstwerk nicht verstehe, dann finde ich es irgendwie faszinierender, also wenn ich im Museum bin und ich gucke mir ein Bild an und ich wei\u00df nicht, was der K\u00fcnstler oder die K\u00fcnstlerin sich dabei gedacht hat, dann erfinde ich meine eigene Story dazu. Deswegen versuche ich eigentlich immer Fragen auszuweichen, wie \u201eWas meinst du damit?\u201c, \u201eWas meinst du damit?\u201c und schreibe sehr, sehr gerne allgemein, ja, mittelallgemein, obwohl ich selber ganz, ganz stark mit dieser Zeile, was ganz Konkretes verbinde. Vielleicht wird es manchmal dann unverst\u00e4ndlich oder Leute k\u00f6nnen gar nichts damit anfangen, aber solange es in die Sprach\u00e4sthetik passt und wenn es sich gut in den Song einf\u00fcgt und ich was damit verbinde und nicht das Gef\u00fchl habe, ich gebe jemandem vor, er muss das darunter verstehen, er muss das dabei f\u00fchlen, habe ich das Gef\u00fchl, ich habe einen Text geschrieben, wo jeder was individuell mit anfangen kann. Ich stehe nicht auf diese Texte, die so sagen, keine Ahnung, \u201eDa war ein Junge und da ging ein M\u00e4dchen und dann hatten die voll den coolen Sommer und so\u201c. Also klar, \u201eApartment\u201c grenzt daran, \u201eApartment\u201c erz\u00e4hlt eine Geschichte, eine ganz klare Geschichte und es war auch ein Junge und ein M\u00e4dchen und es war Sommer, das versteht man nicht, wenn man nur sich nur den Text durchliest, sondern es ist die Story dahinter und bei dem Song hatte ich irgendwie Bock zu erkl\u00e4ren, was dahintersteckt. Aber da haben wir keine Grenzen, keine Linien, dass wir bei jedem Song sagen, \u201eDer muss unverst\u00e4ndlich sein! Der muss kryptisch sein!\u201c oder \u201eDen muss jeder verstehen!\u201c Ich bin halt, wie gesagt, Fan davon, dass jeder was Eigenes aus der Geschichte macht, wie so ein Malbuch, wo man selber entscheiden kann, welche Farbe man welchem Bereich gibt.<\/p>\n<p>[01:09:53]<\/p>\n<p>Alex: Haben dann auch die anderen aus deiner Band Einfl\u00fcsse auf deine Texte z.B.?<\/p>\n<p>[01:09:59]<\/p>\n<p>Marius: Definitiv, ja.<\/p>\n<p>[01:09:59]<\/p>\n<p>Alex: Also ich gehe davon aus, dass du die zuerst schreibst &#8230;<\/p>\n<p>[01:10:02]<\/p>\n<p>Marius: Ja.<\/p>\n<p>[01:10:03]<\/p>\n<p>Alex: &#8230; und dann die anderen darauf schauen, oder?<\/p>\n<p>[01:10:05]<\/p>\n<p>Marius: Manchmal ist es so, dass bis zum Studio einer von den Jungs nicht wei\u00df, worum es da geht, was auch v\u00f6llig ok ist, finde ich, auch wenn man beim Spielen was anderes versteht. Keine Ahnung, es muss, man f\u00fchlt es einfach, man f\u00fchlt, was dieser Song aussagt und der Titel sagt viel, die opening line sagt viel und die punch line sagt viel und was die einzelnen Zeilen hergeben, das kommt manchmal erst im Studio raus, oder wenn wir Lyrics irgendwo drauf drucken. Aber ich finde das extrem spannend, ich schreibe, teilweise schreibe ich \u00fcber die Jungs, und die wissen nicht, dass sie gemeint sind und spielen dann den Song und wissen nicht, dass es ein Song ist, zu dem sie mich inspiriert haben. Ich finde, alles andere w\u00e4re ziemlich autobiografisch, w\u00e4re durchweg autobiografisch und ich bin kein Einzelk\u00fcnstler. Ich versuche nach M\u00f6glichkeit alle Emotionen, die in dieser Band stattfinden, kanalisiert in die Texte zu packen und m\u00f6chte nicht Protagonist sein st\u00e4ndig in den Songtexten.<\/p>\n<p>[01:11:17]<\/p>\n<p>Max: Kannst mal fragen, welche Songs von uns \u00fcber die anderen Bandmitglieder gehen.<\/p>\n<p>[01:11:22]<\/p>\n<p>Alex: Steht jetzt da zwar nicht, aber \u2026<\/p>\n<p>[01:11:23]<\/p>\n<p>Max: Doch, doch, habe ich da gesehen.<\/p>\n<p>[01:11:25]<\/p>\n<p>Alex: Ich glaube, jetzt kommen so Geheimnisse hoch, die vielleicht nicht, die vielleicht Geheimnisse bleiben sollten.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc6\"><\/a><a name=\"_Toc98875236\"><\/a>Arbeitsteilung<\/h2>\n<p>[01:11:37]<\/p>\n<p>Alex: Das n\u00e4chste w\u00e4re Arbeitsteilung, wie seid ihr innerhalb eurer Band aufgeteilt, also hat jeder von euch bestimmte Funktionen oder macht jeder das, was gerade passt? Wie ist das bei euch?<\/p>\n<p>[01:11:51]<\/p>\n<p>Joshi: Wir l\u00f6sen nach x auf.<\/p>\n<p>[01:11:53]<\/p>\n<p>Michi: Ja also, wir haben bei so gro\u00dfen Punkten haben wir eigentlich eine ziemlich klare Arbeitsteilung. Also Max z.B. ist der in der Gruppe, der f\u00fcr visuelles verantwortlich ist, sag ich mal, also Max hat die meisten unserer Musikvideos gefilmt, geschnitten, bearbeitet. Max macht quasi alle unsere Fotos auf Social Media. Bei \u201eIn A box\u201c hatte er auch noch, weil halt irgendwie, ja, ein Mann gefehlt hat oder eine Frau, dann auch noch Grafik gemacht und hier mal noch ein Tourplakat gemacht und hat das Artwork f\u00fcr \u201eIn A Box\u201c mit gemacht. Also Max ist so der Mensch f\u00fcr das Visuelle.<\/p>\n<p>[01:12:41]<\/p>\n<p>Joshi: Macht er auch gut und schnell &#8230;<\/p>\n<p>[01:12:42]<\/p>\n<p>Michi: Macht er auch gut und schnell. Marius ist auf jeden Fall der, der halt eben mit den Songwriting-Sachen beginnt, also das hei\u00dft, das ist so die gro\u00dfe Aufgabe, die auch Marius einfach hat, einfach an Nachschub, oder f\u00fcr Nachschub zu sorgen, was das betrifft, und macht in letzter Zeit irgendwie auch viel Social Media-m\u00e4\u00dfig und ist da sehr aktiv. Joshi macht unseren Merch, unsere Online-Website-Geschichten, verschickt die ganzen Pakete und &#8230;<\/p>\n<p>[01:13:23]<\/p>\n<p>Marius: &#8230; kocht im Studio &#8230;<\/p>\n<p>[01:13:24]<\/p>\n<p>Michi: &#8230; kocht im Studio, macht irgendwelche Tabellen \u00fcber den Bestand von Schallplatten, T-Shirts und er kann gut unseren Proberaum einr\u00e4umen. Und ich bin so der, ich mach die Finanzen, ich mach so ein bisschen das Business-m\u00e4\u00dfige, was irgendwie mit unserem Management dann so Hand in Hand geht und irgendwie alles, was halt so ansteht. Manchmal f\u00fchle ich mich so ein bisschen wie der Feuerwehrmann. Genau so, das ist eigentlich so die &#8230;<\/p>\n<p>[01:14:04]<\/p>\n<p>Marius: Michi macht den Dreck weg.<\/p>\n<p>[01:14:07]<\/p>\n<p>Michi: Ja, das ist so die grobe Aufteilung. Dann ist halt nat\u00fcrlich immer, wenn irgendwas ansteht, oder wenn ein Release ist und viel zu tun ist, dann \u00fcbernimmt einfach jeder gewisse Aufgaben, so Sachen wie Artwork, Branding etc., so das machen wir gerne einfach zu viert zusammen. Klar haben dann immer irgendwelche Einzelnen Ideen und Inputs, aber da entscheiden wir einfach zu viert, Treffen uns oder haben einen Call auf Skype und sprechen da dr\u00fcber. Ja, eben, so essenzielle Sachen machen wir einfach alles gemeinsam und der Rest ist ein bisschen aufgeteilt.<\/p>\n<p>[01:14:51]<\/p>\n<p>Alex: Habt ihr da vielleicht auch noch andere Mitwirkende, jetzt nicht nur euch, au\u00dferhalb von der Band auch noch, die euch in der ganzen Zeit \u00fcber helfen oder euch unterst\u00fctzen?<\/p>\n<p>[01:15:04]<\/p>\n<p>Max: Wir haben seit, ich glaube, 2017 oder sowas, haben wir halt ein Management, ich wei\u00df nicht, warum er das macht, so viel hat er noch nicht mit uns verdient, aber er ist nett und engagiert, manchmal treibt er uns auch zur Wei\u00dfglut, aber er macht das eigentlich ganz gut und er sorgt halt quasi daf\u00fcr, ok, er ist so ein bisschen die vermittelnde Person zwischen uns als Band und Industrie. Er guckt dann halt, ok, Booking-Agencys oder Promotion oder Label-Geschichten, da macht er viel Kommunikation und schaut halt, \u201eOk, das w\u00e4re jetzt vielleicht klug, mal wieder eine EP zu machen nach dem Album\u201c oder \u201eHier ist eine Initiativ-Musikf\u00f6rderung, rutscht da doch mal rein, vielleicht wird das\u201c und das hat Gott sei Dank jetzt zweimal schon funktioniert, mit dieser F\u00f6rderung. Und wie gesagt, wir haben einen Booker oder ein Booking-Team von Karsten Jahnke, haben diverse PR-Menschen in Deutschland, UK und USA. Und bestimmt habe ich irgendwen vergessen. Gibt noch welche, die f\u00fcr das Streaming irgendwie zust\u00e4ndig sind, gibt mittlerweile eine Assistenz vom Management. Wen habe ich vergessen, Michael?<\/p>\n<p>[01:16:19]<\/p>\n<p>Michi: Ja, du hast unser Management in UK vergessen, \u00e4h unser Booking in UK. Und nat\u00fcrlich unser Label Long Branch Records und nat\u00fcrlich die ganze Crew, also FUH, Fotografen, also das ist eine sehr, sehr lange Liste, auch an Leuten, die sich in den letzten Jahren irgendwie zusammengefunden haben. Wahrscheinlich haben wir viele vergessen, es tut uns leid, aber danke an alle, die irgendwie dabei sind und die irgendwie Teil des ganzen Projektes sind. Wir hatten in den letzten Jahren einfach ultra Gl\u00fcck, dass wir sehr, sehr viele Leute gefunden haben, die an uns glauben und die irgendwie an die Band und das, was wir machen, glauben und uns damit weiterhelfen wollen und haben dadurch ein ziemlich gro\u00dfes und gutes Team mittlerweile hinter uns stehen.<\/p>\n<p>[01:17:16]<\/p>\n<p>Joshi: Ja, was da, gerade auch, weil es um Musik geht, glaube ich, noch erw\u00e4hnenswert ist, ist z.B. der Joschka Bender, mit dem wir sowohl \u201eIn A Box\u201c zusammen gemacht haben, also das Debutalbum, als auch jetzt die neue EP \u201eBloom\u201c. Da haben wir quasi das, also was, zumindest was Songwriting und Produktion angeht, haben wir eigentlich das gleiche Team, also da schon eine Kontinuit\u00e4t drinne. Prinzipiell arbeiten wir eigentlich lange schon mit dem gleichen Stamm an Menschen zusammen, was glaube ich auch noch einmal wichtig f\u00fcr uns ist, dass da, dass wir wissen, wer dabei ist und so weiter.<\/p>\n<p>[01:18:02]<\/p>\n<p>Alex: Die Mitwirkenden, die jetzt nicht ihr vier seid, also die au\u00dferhalb der Band stehen, haben die auch konkreten Einfluss auf eure Musik?<\/p>\n<p>[01:18:12]<\/p>\n<p>Michi: Ich w\u00fcrde sagen, dass vielleicht unser Manager als unsichtbarer F\u00fcnfter vielleicht eine halbe Stimme hat, vielleicht, oder zumindest mit uns in den Diskurs geht, was er gut findet, was er nicht gut findet. Was auf der einen Seite manchmal supernervig ist, aber auf der wieder anderen Seite ist es wichtig, jemanden zu haben au\u00dferhalb, der nicht Teil des Prozesses war, der sagen kann: \u201eEy, ganz ehrlich, das funktioniert nicht so gut, wie es vielleicht in eurer Bubble funktioniert, denkt da noch einmal dr\u00fcber nach.\u201c Und dann denken wir halt manchmal dar\u00fcber nach und sagen: \u201eOk, du hast Recht.\u201c Oder manchmal denken wir dar\u00fcber nach und sagen: \u201eJuckt uns nicht, also wir nehmen den Song trotzdem auf.\u201c Oder \u201eWir machen das so, wir machen das so.\u201c Also wir haben, wir haben vor allem in musikalischer Hinsicht alle Freiheiten und das ist ein wichtiges Gut, dass wir haben. Kein Label sagt uns, zumindest kein Label, was wir haben, sagt: \u201eHey, macht das so oder das wars.\u201c Es geht immer nur darum, dass es Leute findet, die was mit der Musik anfangen k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich ist es halt irgendwie auch eine Industrie, die da hinter steckt und wir machen das ja nicht nur zum Spa\u00df oder die machen das nicht nur zum Spa\u00df, wir schon. Nein, wir machen das nat\u00fcrlich mit Spa\u00df dahinter und die glauben an uns aber m\u00fcssen davon irgendwann auch leben und deswegen ist es ganz verst\u00e4ndlich, dass uns da Leute Hinweise geben, \u201eMacht das mal so, macht das mal nicht so\u201c. Aber bisher war das nie so, dass wir ungl\u00fccklich waren mit dem, was wir gemacht haben, wir haben uns immer alles vier, f\u00fcnf Mal \u00fcberlegt, diskutieren alles aus bis zum Ende mit jedem, haben auch einen sehr langen Atem, was das angeht, und lassen uns da eigentlich nicht rein quatschen.<\/p>\n<p>[01:20:14]<\/p>\n<p>Joshi: Ich glaube, was da noch exemplarisch ein ganz gutes Beispiel ist. Exemplarisch ein gutes Beispiel? \u2013 Premium! F\u00fcr die jetzige EP hatten wir, glaube ich, ein Demo Pool, also grob Songskizzen aus 40-50 Songs, glaube ich.<\/p>\n<p>[01:20:34]<\/p>\n<p>Marius: Ja, 41.<\/p>\n<p>[01:20:36]<\/p>\n<p>Joshi: 41 Skizzen. Da haben wir dann in Listening Sessions festgelegt, auf welche 10-15 oder so wir uns fokussieren. Und dann sind wir irgendwann tiefer rein gegangen und haben uns dann festgelegt und sind dann in eine Vorproduktion gegangen. Sprich, dass, da hie\u00df es nicht, \u201eEy schreib den Song so\u201c, sondern es sind Debatten gewesen, was wir uns vorstellen k\u00f6nnen, wo viel Potential drinnen steckt, was wir f\u00fchlen, was wir nicht f\u00fchlen, vor allem was wir f\u00fchlen und nicht f\u00fchlen. Dann ist das so immer kleinschrittiger geworden. Das ist glaube ich so ein Punkt, wo man ganz gut festsetzen kann, ok, da wird uns nicht reingeredet, sondern da wird gemeinsam diskutiert und dann findet sich da irgendwie ein Kompromiss oder halt einfach immer der n\u00e4chste Weg.<\/p>\n<p>[01:21:35]<\/p>\n<p>Michi: Also wer auf jeden Fall einen Einfluss hat, ist halt Joschka, weil er mit uns die Sachen und die Songs produziert hat. Das hei\u00dft halt, er hat zum einen, wir haben meistens, bevor wir ins Studio gehen, machen wir so eine Art Vor-Produktion, d.h. wir gehen \u00fcber die Songs und schauen gemeinsam mit Joschka nochmal und mit seinem Input, ob es irgendwelche Stellen gibt, die man verbessern kann, oder einfach da nochmal seinen Input zu haben. Nat\u00fcrlich hat er auch im Studio noch einen gewissen Input, den er gibt, den er uns mitgibt und auch noch eigene Ideen, die er an uns herantr\u00e4gt und sagt: \u201eEy, vielleicht k\u00f6nntest du das so oder so spielen.\u201c Oder: \u201eMach das mal so oder so, wir probieren das jetzt aus.\u201c Ich glaube er ist auf jeden Fall der, der noch am meisten Input gibt, was das Songwriting betrifft.<\/p>\n<p>[01:22:31]<\/p>\n<p>Marius: Wobei er manchmal auch rausfiltert, weil das der Punkt ist, wo nicht nur wir machen, wo unser Name drunter steht, sondern da f\u00e4ngt es an, wo auch der Produzentenname drunter steht. Er hat es produziert, das hei\u00dft er muss es auch feiern. Und es gab schon F\u00e4lle, wo er gesagt hat: \u201eOk, entweder wir machen den Song ein bisschen anders, dann geht es f\u00fcr mich klar, ansonsten nehmen wir einen anderen und ansonsten machen wir das nicht.\u201c Und das war f\u00fcr uns erstmal so, \u201euff, ok, wir sind die Band\u201c. Aber das ist nat\u00fcrlich voll verst\u00e4ndlich, man will ja auch nicht irgendwie seinen Namen unter etwas setzten, wovon man nicht zu 100% \u00fcberzeugt ist. Dann mindert das irgendwie die Qualit\u00e4t und auch die Motivation im Studio. Man m\u00f6chte als Produzent, glaube ich, nur Platten im Regal haben, die man selber produziert hat, wo man jede irgendwie seinem Kind mal geben w\u00fcrde und sagen w\u00fcrde: \u201eEy, das hat Papa gemacht, das ist cool.\u201c Und wenn da irgendetwas zwischen ist, wo dann so drei Minuten Free Jazz-Solo drin ist, was aber \u00fcberhaupt nicht reinpasst, jetzt als krasses Beispiel, dann muss man auch verstehen, dass da irgendwie ein Veto gezogen wird.<\/p>\n<p>[01:23:32]<\/p>\n<p>Alex: Also sobald es zur Produktion geht, dann ist der Produzent ja mit dabei quasi und will auch seine Unterschrift setzen, quasi.<\/p>\n<p>[01:23:39]<\/p>\n<p>Michi: Ja, genau.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc7\"><\/a><a name=\"_Toc98875237\"><\/a>Komposition\/Preproduction<\/h2>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>[01:23:41]<\/p>\n<p>Alex: Ja, ich sprach ja schon davon, dass wir uns besonders daf\u00fcr interessieren, welche Phasen ein Song durchl\u00e4uft und ihr habt ja auch schon erz\u00e4hlt, wie ihr Ideen findet, wie ihr Ideen auch festhaltet und Inspiration kommt. Wenn euch mal so eine Idee, sagen wir es ist z.B. ein bestimmter Sound, wie haltet ihr diesen Sound fest?<\/p>\n<p>[01:24:05]<\/p>\n<p>Joshi: Ich glaube, da gibt es zwei Stufen: Zum einen erstmal, was Marius bei so einer groben Skizze schon mal macht, da kannst du gleich vielleicht einhaken. Ich habe jetzt gerade ein ganz explizites Beispiel bez\u00fcglich der Single \u201eAs Soon As America\u201c, die bald kommen wird. Und zwar gibt es da am Ende, man k\u00f6nnte Solo sagen, aber eigentlich ist es nur eine Leadgitarre die Melodie macht. Die Melodie stand recht schnell, aber der Sound stand am Anfang \u00fcberhaupt nicht und wir haben geguckt, wie wir das besonders machen k\u00f6nnen. Das war zum einen nat\u00fcrlich wieder Erfahrungsschatz \u2013 also was hat man irgendwann mal im Laufe seines Lebens mal geh\u00f6rt und denkt was dazu passt \u2013 aber auch einfach stumpfes probieren. Wir, Max hat das ja schon erw\u00e4hnt, wir sind so sein bisschen sehr verliebt in Effekte und dann haben wir halt einfach mal geguckt, was kann man so machen und dann kann man pl\u00f6tzlich einem Riff, einer Melodie ein ganz anderes Gesicht geben, wenn man einfach mal soundtechnisch experimentiert. Ich denke mal Marius kann dazu auch bei so einer Skizze auch was dazu sagen, weil das formt schon den Eindruck beim H\u00f6ren, wenn du eine cleane oder eine verzerrte Gitarre hast, wenn du ein cleanes Piano oder wenn du eine verzerrte Orgelfl\u00e4che hast, obwohl es die gleichen Akkorde sind.<\/p>\n<p>[01:25:50]<\/p>\n<p>Marius: Also das war jetzt auf jeden Fall was sehr gitarrensoundspezifisches, ich kann vielleicht noch kurz was zum Grund-Songsound sagen. Es wird erfahrungsgem\u00e4\u00df eigentlich immer am Ende fast 180\u00b0 anders, wie man es geplant hat, bei mir zumindest. Ich habe z.B., wo wir jetzt bei \u201eAs Soon As America\u201c waren, den Song habe ich auf der Arbeit im Kopf gehabt, also die Choruszeile, und ich hatte vorher, ich wei\u00df nicht mehr welches Album es war, aber das letzte oder vorletzte von The 1975 geh\u00f6rt, und da ist ja \u201ePeople\u201c drauf, dieser Hardcore-Song, und ich fand die Energie einfach so monstr\u00f6s geil, ich mein ich kannte den Song vorher schon, aber da habe ich den, da habe ich die Musik ausgemacht und dachte: \u201eEy, ich will auch so einen Song! Ich will auch so einen Song, wo ich auf die B\u00fchne komme, ich schreie die Leute an und irgendeine politische Message!\u201c Dann habe ich einfach in mir gekramt, was mich gerade bewegt und hatte dann eben diese Amerikazeile im Kopf, ich glaube die hatte ich auch irgendwann mal aufgeschrieben in meinem Handy und die fiel mir dann ein und dann habe ich diese Memo, also ich arbeite nebenbei bei der Post und hab mich dann irgendwo hinter so einer Hecke versteckt und habe da halt so rein geschrien. Ich habe die Zeile \u201eI don\u00b4t wanna be dead as soon as America\u201c habe ich rein geschrien, wie laut man halt so schreien kann, wenn man als Postbote hinter einer Hecke steht. Dann habe ich mir das sp\u00e4ter angeh\u00f6rt und dachte so: \u201eOk, das ist cool, aber wie setze ich das jetzt um?\u201c Und dann habe ich mich an die DAW gesetzt und habe Akkorde drunter gelegt und die waren super, supersch\u00f6n, aber es war einfach nicht dieser Aufs-Maul-Song, den ich mir ausgemalt hatte. Und es wurde dann eher zu einer Hymne, zu was chorartigem, was einfach diese Wut, diese Traurigkeit auf einer ganz anderen Ebene darstellt. Das hat mich auf eine andere Weise ber\u00fchrt, ich dachte: \u201eOk, jetzt haben wir keinen Schrei-Song im Set, wo ich einfach meine ganze Wut rausschreie, aber habe diese Wut einfach durch diesen Chor geschafft f\u00fcr mich r\u00fcberzubringen.\u201c Und das war einfach, wie gesagt, 180\u00b0 anderer Song, das war n\u00e4her an Pink Floyd oder an irgendwelchen anderen The 1975 Songs, die haben ja auch viele mit Chor. Da dachte ich dann: \u201eOk, es f\u00fchrt mich dahin, also mach ich das.\u201c Da habe ich halt, wie gesagt, um auf die Frage zur\u00fcckzukommen, habe ich versucht diesen Sound einzufangen, der Sound hat aber gesagt: \u201eEh-eh [im Sinne von \u201eNee, nee\u201c], wir gehen dahin.\u201c Dann sind wir dahin gegangen und jetzt ist es f\u00fcr mich, ich bin super zufrieden. Also ich lasse mich da gerne an die Hand nehmen und ziehen vom Song.<\/p>\n<p>[01:28:32]<\/p>\n<p>Alex: Also im Prinzip habt ihr dann schon so eine Sound-Idee im Kopf, aber durch weiteres Experimentieren kann es auch mal sein, dass es sich komplett ver\u00e4ndert, &#8230;<\/p>\n<p>[01:28:41]<\/p>\n<p>Marius: Absolut.<\/p>\n<p>[01:28:41]<\/p>\n<p>Alex: &#8230; so in eine ganz andere Richtung geht oder so.<\/p>\n<p>[01:28:43]<\/p>\n<p>Marius: Auch, wenn wir sagen: \u201eHey, wir wollten einen knochentrockenen Sound oder einen Song, der super organisch ist.\u201c Und dann kommt Max und legt einen brutal geilen Chorusteppich drunter mit irgendwelchen Pitches, denken wir: \u201eOk, das klingt jetzt \u00fcberhaupt nicht mehr nach trocken, das ist jetzt irgendwie ein Raumschiff, aber dann ist es halt ein Raumschiff, es klingt geil, fertig!\u201c<\/p>\n<p>[01:29:04]<\/p>\n<p>Max: Ein trockenes Raumschiff, dann.<\/p>\n<p>[01:29:09]<\/p>\n<p>Alex: Ihr habt ja eben schon etwas das Thema Live-Auftritte angerissen oder Live-Tauglichkeit, habt ihr in der Entwicklung eurer Songs auch schon Gedanken zum Thema Live-Auftrtitt, wie z.B. dieser und dieser Song auf der B\u00fchne r\u00fcberkommen?<\/p>\n<p>[01:29:24]<\/p>\n<p>Max: Ja, voll. Ich glaube, wenn wir schreiben und das ist gerade bei so Songs, die halt wirklich brachial nach vorne gehen so, dann gucken wir uns an und denken uns: \u201eWoah, der ballert live schon.\u201c Und die eigentliche Herausforderung f\u00fcr uns ist quasi, ok, wir gehen ins Studio, nehmen diesen Song auf und da liegen dann nicht nur zwei Gitarren z.B., sondern da liegen vielleicht eine dritte und eine vierte und eine f\u00fcnfte Gitarre noch und irgendwie Synth-Dinger und wir sind halt nur vier Musiker und dann ist halt die Frage: Ok, wie kriegen wir das \u00fcberhaupt live umgesetzt? Und das ist f\u00fcr uns immer so ein bisschen die Challenge, die dann aber auch Spa\u00df macht und mittlerweile gibt es da auch diverse work-arounds, wie wir das ganz gut hinkriegen.<\/p>\n<p>[01:30:05]<\/p>\n<p>Alex: Und gibt es z.B. auch Musik, die live weniger umsetzbar ist? Oder w\u00fcrdet ihr sagen, generell w\u00fcrde alles auf die B\u00fchne passen?<\/p>\n<p>[01:30:14]<\/p>\n<p>Marius: Also Musik, die wir jetzt machen?<\/p>\n<p>[01:30:16]<\/p>\n<p>Alex: Genau, eure Musik.<\/p>\n<p>[01:30:18]<\/p>\n<p>Joshi: Ich glaube, dass wir bisher, wenn sie z.B. in der Version, in der sie mal aufgenommen oder ge-demot war, nicht so ganz unseren Erwartungen entsprochen hat, bzw. wir das nicht gef\u00fchlt haben, dass wir dann einfach ein bisschen daran herum geschrieben haben und ausprobiert haben. Es gibt z.B. Songs von der allerersten EP, die klingen da ganz anders als jetzt, wir haben die halt einfach ein bisschen angepasst, ein bisschen daran herumexperimentiert und haben die so in eine Form gekriegt, dass die Spa\u00df machen f\u00fcr uns wieder.<\/p>\n<p>[01:31:03]<\/p>\n<p>Alex: Und dass es dann vielleicht auch auf der B\u00fchne den H\u00f6rern und den H\u00f6rerinnen auch Spa\u00df macht.<\/p>\n<p>[01:31:07]<\/p>\n<p>Joshi: Joa, schon, ich denke.<\/p>\n<p>[01:31:10]<\/p>\n<p>Marius: Schlussendlich sind wir ja eine Band, die auch live spielt, und wir, manchmal kommen Songs raus, die klingen nach Elliot Smith, mehr nach im Kleiderschrank eingesperrt und Lo-Fi und so und das ist auch irgendwie cool und wenn sowas irgendwann mal auf einer Platte landet, dann wei\u00df ich auch noch nicht, wie wir das umsetzen, ob wir das umsetzen k\u00f6nnen, wollen oder sollten. Aber bisher war es immer so, ok, z.B. haben wir einen Song auf der Platte, der hei\u00dft \u201eLive With It\u201c und der ist auch super introvertiert, den h\u00e4tte man auch mit einer Akustikgitarre umsetzen k\u00f6nnen, aber wir dachte so: \u201eHey, was sind wir f\u00fcr eine Band?\u201c Wir haben diese Instrumente und jeder m\u00f6chte Teil dieses Songs sein, also nehmen wir eine Version davon auf, die wir auch live spielen k\u00f6nnen. Und da transportiert es das ganze weg aus dem Kleiderschrank und hin zum Band-sitzt-eng-in-einem-dunklen-Raum-und-spielt-diesen-Song oder die-Flutlichter-sind-aus-und-es-ist-nur-noch-ganz-dunkel. Das ist der gleiche Song, anders umgesetzt, aber, ich glaube aktuell haben wir den Anspruch jeden Song, den wir rausbringen, auch live umsetzen zu k\u00f6nnen. Wir haben bisher keinen, das haben manche Bands, habe ich schon gesehen, es gibt Songs, die spielen die partout nicht, entweder weil sie nicht wirklich ein Saxophon dabei haben z.B., oder weil man, weil man daf\u00fcr einfach, wie bei \u201cBohemian Rhapsody\u201d<em>,<\/em> einfach einen krassen perfekten Chor im Hintergrund braucht und man sich das einfach nicht leisten kann, oder warum auch immer. Aber wir, wie Max schon sagte, haben work-arounds, die uns helfen, den Song dann doch so umsetzen zu k\u00f6nnen, dass wir damit zufrieden sind, wie er auf der B\u00fchne klingt. Es klingt nie wie im Studio, das ist auch gar nicht unser Anspruch, wir wollen den Songs das Momentum einhauchen, den Charakter geben, den eben eine Liveshow hat. Manchmal ist eine Liveshow absolute Ekstase und manchmal ist eine Liveshow ruhig und verspielt oder was auch immer. Wenn wir eben selber die Mukke nicht immer versuchen wie auf der CD oder auf der Platte oder auf MP3 zu imitieren, k\u00f6nnen wir die Stimmung, die sich in der Location befindet auch einfangen und das umsetzen.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc8\"><\/a><a name=\"_Toc98875238\"><\/a>Produktion\/Aufnahme<\/h2>\n<p>[01:33:27]<\/p>\n<p>Alex: Du hast eben erw\u00e4hnt, dass ihr keine Studioband, sage ich mal, an sich seid, sondern eine Liveband. Aber trotzdem m\u00fcsst auch ihr als Band ins Studio gehen und eure Songs aufnehmen. Zu dem Thema w\u00fcrde ich jetzt mal kommen, also wenn ihr jetzt z.B. eine Demo habt, oder Ideen gesammelt habt, geht es nat\u00fcrlich ins Studio f\u00fcr euch, wie l\u00e4uft dann eine Aufnahme ab? Kann das jemand von euch mal ganz grob erl\u00e4utern?<\/p>\n<p>[01:33:58]<\/p>\n<p>Joshi: Ok, ich wollte erst noch eine Frage in diese Runde stellen, ob wir sagen w\u00fcrden, dass wir keine Studioband sind?<\/p>\n<p>[01:34:03]<\/p>\n<p>Marius: Ne, ich meinte nur, wir sind auf jeden Fall auch eine Liveband, um Verwirrung vorzubeugen.<\/p>\n<p>[01:34:09]<\/p>\n<p>Joshi: Weil wir sind auf jeden, also wir sehen nicht nur das eine oder das andere, oder das eine oder das andere ist eine Last f\u00fcr uns, sondern beides sind eigene Welten, auf die wir beide Bock haben.<\/p>\n<p>[01:34:22]<\/p>\n<p>Marius: Das geht Hand in Hand.<\/p>\n<p>[01:34:23]<\/p>\n<p>Joshi: Genau.<\/p>\n<p>[01:34:24]<\/p>\n<p>Alex: Klar, das schlie\u00dft sich ja auch nicht gegenseitig aus.<\/p>\n<p>[01:34:27]<\/p>\n<p>Joshi: Es gibt ja schon diese Bands, die einfach sagen: \u201eJoa, wir sind jetzt im Studio und wir hauen da alles M\u00f6gliche drauf, was live niemals im Leben umsetzbar ist, aber wir machen das, weil das im Studio m\u00f6glich ist. Bei uns ist es irgendwie, wei\u00df ich nicht, ich glaub, nicht so dogmatisch. Wir haben da einfach keine Grenzen. Wir sehen uns nicht als das eine oder das andere, sondern wir versuchen das eine in das andere zu transportieren, und alles.<\/p>\n<p>[01:34:58]<\/p>\n<p>Marius: Nur als kleines Sternchen, dass wir keine durchgehende Liveband sind.<\/p>\n<p>[01:35:01]<\/p>\n<p>Alex: Gut, dass du das erw\u00e4hnt hast. Reine Studioband klingt jetzt so, als w\u00e4re das nur eine Richtung, aber klar, das erg\u00e4nzt sich gegenseitig. Aber um trotzdem jetzt mal auf die Studioarbeit zur\u00fcckzukommen. Wie l\u00e4uft eine Aufnahme bei euch ab?<\/p>\n<p>[01:35:19]<\/p>\n<p>Michi: Also im Moment ist es so, dass wir nicht die M\u00f6glichkeit haben zu sagen: \u201eJa, wir gehen ins Studio.\u201c Sind f\u00fcnf Wochen im Studio und schreiben da quasi von scratch auf. Sondern wir sind aktuell so, dass wir schauen, dass wir hier im Proberaum die Songs so weit es geht fertig machen, das hei\u00dft wir recorden zig Demoversionen, also ich nehme das irgendwie alles mit den Jungs auf und kann auch sein, dass da irgendwie mal Version 10 und 15 und 20 entsteht.<\/p>\n<p>[01:35:55]<\/p>\n<p>Joshi: Und die Joshi-Version ohne Gitarre.<\/p>\n<p>[01:35:57]<\/p>\n<p>Michi: Genau, richtig. Und dann bounce ich mal noch eine Version raus f\u00fcr Joshi und dann \u00fcberlegt der sich noch zwei Wochen lang eine neue Gitarren-Line. Auf jeden Fall machen wir das alles hier und dann gehen wir quasi her, nehmen die Demos, wo wir sagen: \u201eOk, damit sind wir erstmal cool, das ist f\u00fcr uns ein geiles Konstrukt, mit dem wir weiterarbeiten k\u00f6nnen.\u201c Und haben uns jetzt bei den letzten zwei Tontr\u00e4gern mit Joschka zusammengesetzt, haben quasi gesagt: \u201eEy, das hier sind die Songs.\u201c Und dann hat er nochmal Input gegeben, hat gesagt: \u201eEy, probiert da mal vielleicht das und das aus.\u201c Oder: \u201e\u00c4ndert mal da den Groove.\u201c Oder: \u201eWollt ihr da nicht noch einen Akkord dazu nehmen?\u201c Oder sowas in der Richtung. Und dann \u00fcberarbeiten wir die Songs quasi noch einmal, bis wir halt an dem Punkt sind, dass wir sagen: \u201eOk, der Song ist so fertig, damit k\u00f6nnen wir ins Studio gehen.\u201c Dann fahren wir ins Studio, wir waren jetzt zwei Mal in Berlin in der \u2013 oh Gott, wie hei\u00dft es &#8230;<\/p>\n<p>[01:37:03]<\/p>\n<p>Joshi: Soundwerkstatt.<\/p>\n<p>[01:37:03]<\/p>\n<p>Michi: Soundwerkstatt, genau. Wir haben dann eine Liste an Songs, die wir aufnehmen wollen, die wir quasi abarbeiten und fangen eigentlich immer mit Schlagzeug an und nat\u00fcrlich da auch immer erstmal gucken: Ey, welche Instrumente, also welche Snair benutzt man, welche Becken benutzt man etc.. Und dann recorden wir den Song mit Schlagzeug. Da ist nat\u00fcrlich auch, wenn man das recorded, on fly fallen da noch Ideen ein, oder man hat dann doch mal irgendwie eine Eingebung und sagt: \u201eEy, komm, lass das so und so machen. Das ist zwar anders wie auf der Demo, aber das ist irgendwie cooler.\u201c Und so gehen wir quasi jedes Instrument durch und layern das einfach, also wir nehmen es Track by Track auf und nicht alle gemeinsam. Das haben wir auch schon gemacht, also wir haben bei \u201eDisorder\u201c, bei der Debut-EP haben wir quasi alle zusammen in einem Raum aufgenommen und auch alle gleichzeitig den Song gespielt. Jetzt aktuell war es auf jeden Fall so, dass wir es quasi immer nacheinander gemacht haben, weil uns das irgendwie die M\u00f6glichkeit gegeben hatte, dass wir alle noch einmal explizit auf einzelne Parts, auf einzelne Instrumente schauen konnten und dann irgendwie jeder noch einmal da auch im Studio seinen Input geben konnte. Dann nehmen wir das Track by Track jeder hintereinander auf und haben dann am Ende, hoffentlich, ein cooles Produkt, einen coolen Song.<\/p>\n<p>[01:38:47]<\/p>\n<p>Alex: Kommt es auch teilweise mal vor, dass ihr z.B. Instrumente elektronisch einspielt?<\/p>\n<p>[01:38:52]<\/p>\n<p>Michi: Ja, also bei \u201eBloom\u201c jetzt auf jeden Fall deutlich mehr als bei \u201eIn A Box\u201c. Wir haben z.B., wir haben ja jetzt schon ein paar Mal \u00fcber \u201eAs Soon As America\u201c gesprochen, da haben wir z.B., da ist eine Drum Machine drunter, da haben wir eins zu eins die Samples benutzt, die Marius und ich damals auf Ableton gebastelt haben. Wir haben z.B. noch ein Glockenspiel recorded hier im Proberaum, das hat es auch eins zu eins quasi in den Song geschafft. So Geschichten sind selten, aber es kommt dann doch schon einmal vor, dass wir echt auch was aus den, was ich mit den Demos recorded habe, dass wir das einfach nehmen und dann irgendwie noch einmal Joschka dr\u00fcber geht und dann kommt das so rein. Es gibt auf jeden Fall einige Sachen, die z.B. digital, nat\u00fcrlich die ganzen Effekt-Geschichten, die kommen digital dazu. Wir haben so ein paar Piano-Roads-Geschichten, die halt irgendwie mal ein Filler sind, einfach um noch einen gewissen, noch ein Instrument und noch mal irgendwie was anderes reinzubringen, die man vielleicht nicht im Studio dar stehen hat, die man dann einfach durch einen Plug-in rein bringt.<\/p>\n<p>[01:40:08]<\/p>\n<p>Marius: Aber, ich glaub, wir nehmen echt fast alles au\u00dfer Drums, Vocals und Akkustikgitarre nehmen wir digital auf.<\/p>\n<p>[01:40:13]<\/p>\n<p>Michi: Ah, genau, richtig, also die Gitarren durch einen Kemper nehmen wir die digital auf, oder einen Helix.<\/p>\n<p>[01:40:21]<\/p>\n<p>Joshi: Ich wollt grad fragen, wo ist da grad die Grenze? Also, was bedeutet digitales Aufnehmen? Bedeutet das, dass wir z.B. per Midi-Keyboard irgendwie &#8230;<\/p>\n<p>[01:40:30]<\/p>\n<p>Alex: Also, das w\u00e4re schon digitales Aufnehmen. Die Grenze w\u00fcrde ich jetzt festlegen bei, wenn ein Mikrofon vor einem steht und ihr fangt das ins Mikrofon auf.<\/p>\n<p>[01:40:39]<\/p>\n<p>Joshi: Weil, das ist n\u00e4mlich eine riesengro\u00dfe Baustelle dann. Was hei\u00dft Baustelle, wir spielen halt alle mittlerweile digitale Amps, also alle schlie\u00dft Michi nat\u00fcrlich aus, weil er ist Schlagzeuger. Wobei du spielst digitales Pad teilweise auch. Dementsprechend ist tats\u00e4chlich sehr viel digital.<\/p>\n<p>[01:41:02]<\/p>\n<p>Michi: Wir haben aber auch digital die Gitarren auch schon recorded, als ihr noch Amps gespielt habt.<\/p>\n<p>[01:41:07]<\/p>\n<p>Marius: Haben wir auch noch digital. Aber wir haben auch sehr viel roh aufgenommen, also uneffektiert, vor allem manche Zusatzgitarren und Rhythmusgitarre, und da kam dann erst in der Produktion, in der Postproduction kamen Effekte drauf, und da hat man halt ganz andere M\u00f6glichkeiten, als man sie hat, wenn man analog aufnimmt. Nat\u00fcrlich f\u00e4ngt es irgendwie den Charme ein, wenn man in einem Raum steht und man h\u00f6rt alles gleichzeitig \u00fcber jedes Mikrofon, aber wir sind gerade so ein bisschen unromantisch geworden, also wir nehmen einfach das, was am coolsten klingt, sind eher auf der Future-Seite gerade und versuchen mehr, oder setzen uns einfach keine Grenzen Equipment technisch mehr. Haben auch Bock auf Synthesizer, auf digitales Zeug, Pads, Drum Machines.<\/p>\n<p>[01:41:58]<\/p>\n<p>Joshi: Das ist auch irgendwie kein Pl\u00e4doyer f\u00fcr oder gegen irgendwas, sondern wir haben uns einfach f\u00fcr etwas entschieden und fahren das halt als Band. F\u00fcr uns w\u00fcrde das jetzt einfach keinen Sinn machen, wenn ich z.B. wieder einen Verst\u00e4rker hier hinstelle und extrem laut spiele. Wir spielen halt einfach gerade diese digitalen Set-ups und bisher funktioniert das f\u00fcr uns so ganz gut.<\/p>\n<p>[01:42:21]<\/p>\n<p>Alex: Michi, du hast ja eben gesagt, dass ihr auch selber Samples, selber dran gebastelt habt. Gibt es auch z.B. Samples, die ihr von anderen Sound-Bibliotheken z.B. nutzt?<\/p>\n<p>[01:42:33]<\/p>\n<p>Marius: Die Drum Machine ist aus Ableton.<\/p>\n<p>[01:42:34]<\/p>\n<p>Michi: Die Drum Machine ist quasi direkt stock Ableton. Ich glaube, Joschka hat auf jeden Fall auch im Studio noch so ein paar Sachen, die aus irgendwelchen Datenbanken sind. Aber ich glaube doch, dass wir auf jeden Fall das meiste dann doch noch irgendwie selber quasi einspielen. Bei \u201eBloom\u201c ist relativ oft so ein Juno-Synthesizer drunter. Da hatten wir halt das Gl\u00fcck, dass einer im Studio war, den wir dann selber spielen konnten und nicht per midi und plug-in ziehen mussten. Aber je nach dem wie es sich halt ergibt, es kommt schon vor, ist bei uns noch relativ selten, aber wir sagen jetzt nicht: \u201eWir m\u00fcssen alles selber aufnehmen.\u201c Wenn irgendein cooler Sound auf einer Datenbank ist, dann kann man den auch benutzen.<\/p>\n<p>[01:43:32]<\/p>\n<p>Alex: Und wie lange dauert dann durchschnittlich, sag ich mal, so ein Recording-Prozess eines Songs? Kann man das \u00fcberhaupt so grob sagen?<\/p>\n<p>[01:43:42]<\/p>\n<p>Max: Wir k\u00f6nnen es quasi runter brechen, von der aktuellen EP, die jetzt quasi frisch recorded ist, ich glaube wir waren zwei Wochen im Studio?<\/p>\n<p>[01:43:49]<\/p>\n<p>Michi: 10 Tage.<\/p>\n<p>[01:43:50]<\/p>\n<p>Max:10 Tage und es waren 5 Songs.<\/p>\n<p>[01:43:54]<\/p>\n<p>Michi: Manche Songs gehen schneller, manche dauern langsamer, aber wir &#8230;<\/p>\n<p>[01:43:58]<\/p>\n<p>Marius: Aber wir haben auch viel Zeit investiert noch in den ersten zwei Tagen, um herauszufinden, was wir jetzt genau bei welchem Song machen, d.h. die Vor-Produktion war nicht so \u201eGenau so nehmen wir es auf.\u201c, sondern das war noch ausprobieren dabei und Sound-Findung. D.h. ich w\u00fcrde sagen, vielleicht eineinhalb Tage pro Song, wenn ich mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehne.<\/p>\n<p>[01:44:15]<\/p>\n<p>Joshi: Es ist auf jeden Fall ein super dynamischer Prozess. Ich wei\u00df gar nicht, ob man das so starr in so eine Zeit fassen kann. Es ist z.B. so, wenn Michi gerade drin war, beim Drumzeugs, dann hat man die ein, zwei, drei Songs vielleicht gemacht, die z.B. die gleiche Basedrum hatten, du hast die glaube ich irgendwann mal gewechselt. Und dann hat man das einfach in einem Rutsch schon einmal gemacht, wenn Michi gerade drin war und wenn es dann irgendwann hie\u00df, \u201eOk, ich bin jetzt einfach dr\u00fcber, die Konzentration reicht nicht mehr\u201c, oder so, dann geht man auch mal zu einem anderen Song, zu einem anderen Instrument und nicht immer starr nach so einer Reihenfolge, sondern eigentlich so, wie es sich vielleicht gerade ergibt und wie bereit jemand auch gerade ist. Nur wenn man irgendwie einen 12-16 Stunden Tag im Studio hat, bedeutet das nicht, dass jeder zu jeder Zeit grad irgendwie &#8230;<\/p>\n<p>[01:45:09]<\/p>\n<p>Marius: &#8230; verf\u00fcgbar ist.<\/p>\n<p>[01:45:10]<\/p>\n<p>Joshi: &#8230; ja, oder so frisch daf\u00fcr ist und dementsprechend ist es sehr organisch, der Prozess. Es wird halt viel Vorarbeit geleistet. Also z.B. bei dem Schlagzeug, wenn wir dabeibleiben, da haben wir am Anfang ganz viel geguckt, welche Sounds haben wir, welches Equipment steht da gerade rum, was passt zu welchem Song und das ist halt so eine Sound-Findung, die irgendwie eine Art von Fundament legt, was man dann sp\u00e4ter nicht mehr pro Song immer wieder braucht, sondern man hats halt am Anfang mal ausgecheckt. Was Gitarren Amps angeht, also die Simulation z.B., da haben wir dann eben auch anfangs etwas l\u00e4nger an einem Grund-Set-up gebastelt, was wir dann eventuell auch in anderen Songs reingetragen haben und feinjustiert haben. Aber am Anfang hat man halt so eine Fundamentlegung, wenn man das so ausdr\u00fccken kann. Ich glaube Gesang ist da auch ein spannendes Thema, weil man kann irgendwie nicht sagen: \u201eOk, wir machen erst zwei Tage Drums, dann zwei Tage das und das und am Ende wird zwei Tage nur Gesang durch geballert.\u201d Weil irgendwann kommt eine Stimme, die braucht halt auch Ruhephasen und Erholung.<\/p>\n<p>[01:46:26]<\/p>\n<p>Marius: Meine krassester Tag war, glaube ich, der vorletzte, da hatte ich acht Stunden am St\u00fcck Gesangssachen, aber das ging halt, weil die EP sehr gemischt ist, also wir haben wirklich Songs, die sind einfach zu singen und dann haben wir aber auch richtige Schreipassagen, und wenn wir jetzt z.B. ein Album aufnehmen w\u00fcrden, dass von der Dynamik ganz weit oben w\u00e4re und jeden Song m\u00fcsste ich schreien, dann br\u00e4uchte ich bestimmt doppelt so lange f\u00fcr die Vocals, als wenn ich ganz gem\u00fctlich, in einer komfortablen Range irgendwie singe.<\/p>\n<p>[01:46:55]<\/p>\n<p>Michi: Wir haben das halt jetzt eigentlich so gemacht, dass wir halt immer geguckt haben, ok, wir nehmen dann irgendwie abends an den Tagen nochmal zwei, drei Stunden, um Vocals zu machen und das dann halt auf die Tage verteilt, damit eben Ruhezeiten und sowas da sind. Ich glaube, da waren wir jetzt im Studio auch einfach relativ flexibel, wie es irgendwie gepasst hat, aber ich glaube so unterm Strich ein bis zwei Tage kann man pro Song schon so zusammenrechnen.<\/p>\n<p>[01:47:22]<\/p>\n<p>Alex: Und wie lange w\u00fcrdet ihr z.B. den reinen Vocalprozess, also wie viel nimmt er davon ein von der Gesamtaufnahme?<\/p>\n<p>[01:47:31]<\/p>\n<p>Marius: Ich w\u00fcrde fast sagen, pro Song halber Tag. Wenn wir jetzt, wir hatten jetzt Ch\u00f6re drin, die wir teilweise selber, teilweise mit Freunden gemacht haben, da dauert es nat\u00fcrlich dann, \u201eAs Soon As America\u201c, w\u00fcrde ich jetzt fast sagen, hat einen Tag vocalm\u00e4\u00dfig gedauert. Daf\u00fcr gingen zwei andere Songs, darunter \u201eApartment\u201c war an einem Abend in zwei Stunden eingesungen. Also ich w\u00fcrde jetzt sagen, zweieinhalb bis drei Tage haben Vocals f\u00fcr f\u00fcnf Songs unserer Intensit\u00e4t gebraucht.<\/p>\n<p>[01:48:06]<\/p>\n<p>Michi: Kommt auch wieder auf den Song drauf an, aber so zwischen einem Drittel und einem Viertel.<\/p>\n<p>[01:48:12]<\/p>\n<p>Marius: Man muss halt bedenken, es ist wirklich nicht nur Mainvocals, das, was man so aktiv h\u00f6rt. Max macht auch Backings, ich habe auch viele Harmonien gesungen, es ist viel auch Falsett, es ist viel tief, es sind viele Dopplungen, rechts, links, Mitte. Also was man in dem Song h\u00f6rt, das ist wirklich nur ein Bruchteil von dem, was wirklich eingesungen wird. Und man macht ganz viel, also man h\u00f6rt dann nur aus dem Regieraum: \u201eJetzt sing noch das. Jetzt sing noch das. Jetzt sing noch das.\u201c Und man wei\u00df gar nicht, wie viel \u00fcberhaupt noch kommt, man macht es einfach und irgendwann wird gesagt: \u201eJa, komm mal r\u00fcber, wir checken das.\u201c Und dann guckt man, ob noch was fehlt und wenn nicht, dann ist cool so. Aber man versucht nat\u00fcrlich dem Mischer und dem Masterer m\u00f6glichst viele M\u00f6glichkeiten zu bieten, den Song entweder gro\u00df oder klein zu machen. Aber ich w\u00fcrde sagen, dass es so lange dauert, wie ein anderes Instrument auch. Auf jeden Fall mit mehr Verschlei\u00df, vielleicht \u00e4hnlich wie Schlagzeug und ein bisschen weniger rum probieren, aber ich w\u00fcrde jetzt sagen zweieinhalb bis drei Tage, ca.<\/p>\n<p>[01:49:21]<\/p>\n<p>Alex: Und so als abschlie\u00dfende Frage zum Aufnahmeprozess, wollte ich euch noch fragen, welche Rolle spielt f\u00fcr euch der Aufnahmeprozess f\u00fcr das Endprodukt. Seht ihr da z.B. nur ein Mittel zum Zweck, dass, ja klar, die Aufnahme muss gemacht werden? Oder versteht ihr darunter vielleicht auch noch etwas Tiefgr\u00fcndigeres?<\/p>\n<p>[01:49:39]<\/p>\n<p>Michi: Also ich glaube, dass wir, also ich kann nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr uns alle sprechen, aber ich glaube, dass wir diese Studiozeit an sich trotzdem als wichtig und auch sehr, sehr gut f\u00fcr uns als Band ansehen. Wir machen das immer so, dass wir meistens mittags irgendwie gemeinsam kochen, die Leute, die halt gerade irgendwie nichts zu tun haben und wir dann halt einfach mal zwei, drei Wochen irgendwie wirklich konzentriert zusammen an etwas arbeiten, ich glaube, das macht auch was mit einem. Nat\u00fcrlich geht man sich irgendwann vielleicht auch mal f\u00fcr einen halben Tag auf den Sack. Aber, ich glaube, dass wir trotzdem das als wichtigen Punkt in dem Bandleben haben, so diese Studiozeit, weil wir einfach gemeinsam an den Songs arbeiten k\u00f6nnen und das ist irgendwie schon was, also es ist erstmal cool, dass wir die M\u00f6glichkeit haben, so professionell und auf so einer Basis ins Studio zu fahren und das so machen zu k\u00f6nnen. Und ich glaube, das ist einfach schon auch eine gute Zeit, die wir da gemeinsam verbringen.<\/p>\n<p>[01:50:51]<\/p>\n<p>Joshi: Gef\u00fchlt ist das ein Schlaraffenland. Wahrscheinlich haben wir da alle andere Emotionen irgendwie bei, aber f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist es z.B. der Ort, wo das, wo man die letzten Wochen und Monate im Proberaum verbracht hat, pl\u00f6tzlich wirklich zum Leben erweckt wird. Alles, was vorher so war, \u201eok das reicht f\u00fcr eine Demo, das reicht f\u00fcr eine Demo, das reicht f\u00fcr eine Skizze\u201c, nimmt dann pl\u00f6tzlich Form an \u00e1 la \u201eey, das ist noch nicht gut genug f\u00fcr die Produktion\u201c. Und dann geht man richtig rein und mit jedem Tag, mit jedem Fortschritt lebt das irgendwann mehr. Wenn dann dieser Moment kommt, dass man wirklich f\u00fcr einen Song mal alles aufgenommen hat, ohne dass es jetzt gemixt ist und man das mal h\u00f6rt, das ist so, also f\u00fcr mich ist das ein ganz gro\u00dfer Moment immer gewesen, wo man dann gemerkt hat, \u201eoh wow, krass, das passiert hier gerade\u201c. Der Song beginnt neu zu leben, neu zu atmen. Ich wei\u00df nicht, f\u00fcr mich ist das ein sehr, sehr, sehr intensives Erleben, was man da hat. Das ist allerdings jetzt gerade nur die sehr romantisierte, sch\u00f6ne Seite. Nat\u00fcrlich bedeutet das auch viel warten. Es ist ein sehr vielf\u00e4ltiger Prozess, es ist nicht nur alles geil, geil, geil, geil, geil, sondern man guckt auch und wartet und versucht Zeit zu \u00fcberbr\u00fccken und guckt, wie man das sinnvoll machen kann, oder vielleicht auch nicht. Man kann sich sehr ausprobieren.<\/p>\n<p>[01:52:31]<\/p>\n<p>Marius: Ich muss noch ganz kurz was hinzuf\u00fcgen, ich finde n\u00e4mlich, dass es nicht nur irgendwie auf der Erlebnisseite oder auf das, was es f\u00fcr uns als Band ist, wichtig ist, sondern irgendwie auch als Punkt oder Schlussstrich f\u00fcr diesen Schreibe-Prozess, weil wir, wenn man uns keinen Punkt vorsetzen w\u00fcrde und sagen w\u00fcrde: \u201eEy, Michi, ihr fahrt irgendwann ins Studio, schreib den Song perfekt!\u201c Wir w\u00fcrden jetzt noch an unserem ersten Song sitzen, wirklich! Wir w\u00fcrden den kaputt schreiben, wir w\u00fcrden so lange daran sitzen, bis irgendwer sagt: \u201eH\u00f6r auf jetzt!\u201c Das ist das Sch\u00f6ne am Studio, dass das halt nicht nur irgendwie eine Momentaufnahme ist, von dem, wo du gerade bist, sondern auch irgendwie: Das ist jetzt der Song, das bestimmt, was der Song ist und das ist die Basis f\u00fcr alles, was wir live machen und das, wie man sich an den Song erinnern wird. F\u00fcr mich ist es nicht so: Wir gehen ins Studio, nehmen das auf und direkt, wenn wir weiterkommen, arbeiten wir weiter daran, sondern dann ist das Kapitel erst einmal abgeschlossen. Das hei\u00dft nicht, dass wir den Song live nicht ein bisschen ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, sondern das Ding ist durch, es ist aus dem Kopf und jetzt k\u00f6nnen neue Ideen wachsen und das finde ich, ist so ein super, superwichtiger Punkt bei uns, dass er einfach ein Punkt macht.<\/p>\n<p>[01:53:43]<\/p>\n<p>Alex: Vor der Aufnahme setzt ihr dann quasi einen Schlussstrich, so dass die Skizze vom Song steht.<\/p>\n<p>[01:53:49]<\/p>\n<p>Marius: Ne, nach dem Aufnahmeprozess, also es ver\u00e4ndert sich noch w\u00e4hrend des Aufnehmens und wenn es wirklich alles im Kasten ist, dann sagen wir: \u201eSo!\u201c<\/p>\n<p>[01:53:56]<\/p>\n<p>Alex: Ja, ihr habt ja eben schon gesagt, dass ihr auch w\u00e4hrend der Aufnahme noch ein paar Dinge ver\u00e4ndert. Welchen Stellenwert nehmen diese improvisatorischen Elemente beim Aufnehmen f\u00fcr euch?<\/p>\n<p>[01:54:09]<\/p>\n<p>Max: Die sind f\u00fcr uns eigentlich ziemlich wichtig, weil, Marius sagt immer, das ist so intrinsisch, was dann passiert, weil, keine Ahnung, man hat sich dann halt Wochen, Monate vorher Gedanken \u00fcber den Song gemacht, wie arrangiert man den, wie nimmt man den auf? Und dann h\u00f6rt man den so an den Monitorboxen und jetzt gerade bei der letzten EP sa\u00df Marius dann irgendwann da und hat Gitarre gespielt und hat ein bisschen zu gejammt und war dann so: \u201eBoah, ist eigentlich ganz geil, k\u00f6nnen wir noch einmal aufnehmen?\u201c Und dann ist das halt noch dazu gekommen und das war dann irgendwie so ein sehr iconic Gitarrenpart, den er da irgendwie geschrieben hat und das war f\u00fcr uns, ja irgendwie witzig, weil das halt so ungeplant war, aber das teilweise mit zu den sch\u00f6nsten Dingen geh\u00f6rt, die da so passieren, weil man dann nat\u00fcrlich auch die M\u00f6glichkeit hat, ok das mal auszutesten. Das ist halt dieses Studioding, du kannst halt alles zusammenf\u00fcgen, was du haben willst und wenn du hier im Proberaum sitzt, bist du halt nur begrenzt auf vier Menschen und da sind es halt theoretisch unendlich viele.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc9\"><\/a><a name=\"_Toc98875239\"><\/a>Postproduction<\/h2>\n<p>[01:55:20]<\/p>\n<p>Alex: Wenn ihr jetzt die Aufnahme fertig gemacht habt, dann wird der Song in die Postproduction \u00fcbergeben und wir w\u00fcrden halt gerne wissen, wie daraus ein fertiger Tontr\u00e4ger wird, also was passiert f\u00fcr euch als Band noch Entscheidendes in der Postproduction?<\/p>\n<p>[01:55:35]<\/p>\n<p>Max: Am Song?<\/p>\n<p>[01:55:36]<\/p>\n<p>Alex: Am Song, ja.<\/p>\n<p>[01:55:36]<\/p>\n<p>Joshi: Viele Telkos.<\/p>\n<p>[01:55:39]<\/p>\n<p>Max:Wir kriegen meistens dann erst einmal einen Mix von dem, der das halt mixt und dann h\u00f6ren wir uns den erst einmal an. Wir versuchen das \u00fcber so viele Ger\u00e4te wie m\u00f6glich uns anzuh\u00f6ren, dass wir auch einen, dass wir nicht irgendwie beeintr\u00e4chtigt von Laptoplautsprechern oder es gibt ja auch irgendwelche Lautsprecher, die \u00fcbelst basslastig sind, dann irgendwelche, die \u00fcbelst mittenlastig sind. Wir versuchen dann auf jeden Fall jeder irgendwie einen guten Weg zu finden und dann schreibt sich quasi jeder das auf, was er hat und dann geht das Feedback nicht direkt zur\u00fcck an den Produzenten oder an den Menschen, der das mixt, sondern das wird dann erstmal im Plenum oder in einer Runde besprochen. Dann wird geschaut, gut, welche Punkte \u00fcberschneiden sich, weil es bringt nichts, wenn derjenige oder diejenige dann einfach zwanzigmal &#8230; viermal den gleichen Punkt kriegt, sondern wir schauen halt, \u201eok, was von uns \u00fcberschneidet sich? Was sind vielleicht Sachen, die nicht untereinander stimmen?\u201c Wenn Michi jetzt sagt: \u201ePunkt a muss lauter.\u201c Und ich sage: \u201ePunkt a muss leiser.\u201c Dann wird halt erstmal diskutiert, \u201eok, was wollen wir eigentlich? Und was wollen wir damit bezwecken?\u201c Weil manchmal wollen wir auch das gleiche. Aber Michi sagt dann: \u201eGut, der Teil muss leiser.\u201c Und ich sag: \u201eDer Teil muss lauter.\u201c Da versuchen wir einfach immer einen Mittelweg zu finden. Dann geht das halt wieder zur\u00fcck an denjenigen, der es mixt, und wir kriegen wieder was Neues und dann wiederholt sich das Ganze, bis es halt irgendwann zu einem Ergebnis kommt, womit wir alle sehr, sehr zufrieden sind. Dann in der letzten Instanz geht es eigentlich noch einmal ans Mastern, das nehmen wir meistens ab, weil wei\u00df nicht, also ich pers\u00f6nlich hab da jetzt nicht so den Plan von und sage: \u201eBoah das klingt jetzt noch mal krass anders und das muss jetzt vier Hertz irgendwie eingedellt werden\u201c \u2013 keine Ahnung, ob das so Worte sind, die man daf\u00fcr benutzt. Und dann hast du irgendwann das Ergebnis und dann kriegst du einen Drivelink oder so und kannst dir das runterladen und hast dann so deine Musik, deine Platte.<\/p>\n<p>[01:57:52]<\/p>\n<p>Michi: Beim Mastern haben wir sehr oft Joschkas Feedback irgendwie vertraut, weil der hat einfach ein sehr krasses Geh\u00f6r. Bei Joschka kann dann sein, er sagt: \u201eJa, mach mal hier bei Frequenz 1,7 kHz, mach das mal um 0,37 dB lauter und leiser. So das kann halt von uns keiner.<\/p>\n<p>[01:58:16]<\/p>\n<p>Marius: Und dann kommt halt sowas wie: \u201eAh, jetzt geht die Sonne auf!\u201c Wir h\u00f6ren dann so, \u201eIst das das gleiche wie vorher?\u201c<\/p>\n<p>[01:58:21]<\/p>\n<p>Michi: Aber ansonsten ist das eigentlich das, was Max gesagt hat. Da sind halt einfach noch mal einige Feedback-Schleifen, die halt im Mix und ein, zwei, die halt im Master noch anstehen.<\/p>\n<p>[01:58:34]<\/p>\n<p>Joshi: Es ist auf jeden Fall ganz interessant, was in diesem Prozess sich noch bandintern herauskristallisiert, und zwar, dass, obwohl wir die Spuren alle aufgenommen haben, wie wir sie halt aufnehmen wollten, dass dann auch noch einmal Diskussionen aufkommen \u00e1 la \u201eah, ich dachte der Song soll eher so einen Vibe haben\u201c und \u201eder Song soll eher so einen Vibe haben\u201c. Und dann haben wir tats\u00e4chlich noch einmal Diskussionen in welche Richtung wir den Mix jetzt steuern wollen. Ich wei\u00df jetzt gar nicht mehr, ob das bei uns in der Diskussion so Thema war, aber \u201ewollen wir da eher einen Rock Song oder wollen wir einen Popsong so mixtechnisch haben?\u201c Entsprechend ist das einfach, man denkt sich ja irgendwie, \u201eah, ihr habt jetzt eure Instrumente aufgenommen, jetzt ist der Song fertig\u201c \u2013 nee, das dauert noch ein bisschen, bis dann wirklich der Mix fertig ist. Den haben wir \u00fcbrigens vorhin vergessen, der Mensch, der &#8230; Genau. Joe Joaquin hei\u00dft der, der ist auch in Berlin ans\u00e4ssig. Der hat sowohl die \u201eIn A box\u201c-Songs, zumindest die zweite H\u00e4lfte hat der gemixt und gemastert. Und jetzt f\u00fcr \u201eBloom\u201c hat der auch den Mix und den Mastering auch.<\/p>\n<p>[01:59:57]<\/p>\n<p>Alex: Also ist das auch, kommt das bei euch \u00f6fter vor, dass auch der Mixer oder die Mixerin das auch mastert?<\/p>\n<p>[02:00:02]<\/p>\n<p>Michi: Also es war bis jetzt so, dass immer Joschka als Produzent so einen groben Mix schon einmal gemacht hat, so in die Richtung soll es gehen. Und dann haben wir es jetzt bei \u201eBloom\u201c und bei der zweiten H\u00e4lfte \u201eIn A Box\u201c quasi an Joe gegeben, der dann noch einmal mit einem frischen und einem anderen Ohr einfach dr\u00fcber geguckt hat und dann quasi noch einmal einen zweiten Mix gemacht hat und dann gemastert hat. Es war jetzt eigentlich keine bewusste Entscheidung zu sagen, der, der irgendwie mixt, soll es auch mastern. Es hat sich jetzt in dem Fall einfach angeboten, weil Joe halt beides echt gut kann und das so gut funktioniert hat.<\/p>\n<p>[02:00:42]<\/p>\n<p>Joshi: Hat wohl auch irgendwie Gr\u00fcnde, dass Joschka und Joe \u00f6fters mal zusammenarbeiten und sich dementsprechend auch irgendwie schon kennen, miteinander kommunizieren k\u00f6nnen. Sie wissen, wie sie arbeiten, sie wissen, was sie brauchen untereinander, gegenseitig und dadurch ist so ein Workflow da, den du vielleicht nicht so hast, wenn da Leute aufeinandertreffen, die sich \u00fcberhaupt nicht kennen, geschweige denn m\u00f6gen. Und dementsprechend reiten wir eine Welle des Gl\u00fccks.<\/p>\n<p>[02:01:14]<\/p>\n<p>Alex: Dazu anschlie\u00dfend h\u00e4tte ich noch eine passende Frage, wenn ihr euch Produzenten aussucht, was ist euch wichtig bei denen, also was m\u00fcssen Produzenten f\u00fcr euch mitbringen, damit ihr euer Ergebnis erreichen k\u00f6nnt?<\/p>\n<p>[02:01:26]<\/p>\n<p>Marius: Er muss es f\u00fchlen. Er muss die gleiche Vision haben, wie wir. Er muss gleichzeitig Know-how haben und bezahlbar sein, ich glaube, das sind die einzigen drei, oder die drei Hauptpunkte, die erstmal wichtig sind, bevor man jemanden kennenlernt. An Joschka sind wir auch nur gekommen, weil unser Manager meinte: \u201eJa, ich habe mal mit einem in einer Band gespielt und so.\u201c Dachten wir so: \u201eOk, das ist jetzt irgendeine Notl\u00f6sung oder so.\u201c Es klang auf jeden Fall so. Aber, er ist halt eine nicht unbekannte Hausnummer in Berlin und er hat echt was auf dem Kasten. Bevor wir ihn kennen gelernt hatten, war uns eigentlich nur wichtig, findet der uns \u00fcberhaupt gut, mag der uns oder will der nur Kohle machen? Aber dann hat sich herausgestellt, dass er unsere Vision teil und unser Verst\u00e4ndnis von Musikmachen, dass er bezahlbar ist und dass er ein gewisses Level an Know-how f\u00fcr die Ger\u00e4tschaften, die er hat und die wir haben, mitbringt, das hei\u00dft er hat Gitarre studiert, das hei\u00dft ein Instrument hat er schonmal sehr gut drauf, das ist immer f\u00fcr einen Produzenten. Wir haben auch schon mit dem ersten Produzenten, mit dem wir gearbeitet haben, der war auch Gitarrist, das hei\u00dft wir kennen eigentlich nur Gitarren gelernte Produzenten. Das waren so unsere wichtigsten Punkte f\u00fcr den ersten Eindruck. Und dann ist nat\u00fcrlich wichtig, dass man sich versteht, das hei\u00dft, bei Joschka war es so, er ist erst zu uns nach Paderborn gekommen, wir haben mit ihm so eine Soundsession gemacht, erstmal sich beschnuppert. Haben abends dann noch irgendwie ein bisschen zusammen was getrunken, haben uns kennengelernt. Bevor das nicht gewesen w\u00e4re, h\u00e4tten wir niemals gesagt: \u201eKomm, lasst uns ein Album aufnehmen!\u201c Weil, das ist einfach so etwas intimes, das w\u00fcrden wir niemals mit einer g\u00e4nzlich unbekannten Person angehen, auch wenn sie g\u00fcnstig und skillfull ist.<\/p>\n<p>[02:03:34]<\/p>\n<p>Max: Was vielleicht noch ganz wichtig ist, was wir bei Joschka unheimlich sch\u00e4tzen ist, dass wir quasi mit einer Idee an ihn herantreten k\u00f6nnen, auch quasi w\u00e4hrend des Recordingprozesses und er nicht so ist \u00e1 la \u201enee, wir haben das jetzt schon so besprochen, und so aufgenommen, das machen wir nicht.\u201c Sondern er h\u00f6rt sich das halt wirklich an und auch, wenn er von etwas vorher nicht \u00fcberzeugt war, und er es h\u00f6rt und er ist doch \u00fcberzeugt, dann sagt er das halt offen. Und er hat halt nicht dieses Ego zu sagen: \u201eIch bin der Produzent, ich habe Recht, ich bin hier einfach in der krasseren Position als ihr.\u201c Und das ist halt unheimlich wichtig f\u00fcr uns auch, dass wir sagen k\u00f6nnen: \u201eLasst uns das mal ausprobieren.\u201c Und dann machen wir das und er akzeptiert es so und das ist ganz cool.<\/p>\n<p>[02:04:13]<\/p>\n<p>Marius: Voll diplomatisch auch.<\/p>\n<p>[02:04:15]<\/p>\n<p>Joshi: Das ist wirklich sch\u00f6n, das ist nicht so dieses: \u201eNein.\u201c Sondern auch wenn er sich denkt: \u201eEy, nee, ich f\u00fchle das \u00fcberhaupt nicht, was ihr da sagt.\u201c Aber bevor wir das nicht ausprobiert haben, und bevor das nicht aus den K\u00f6pfen raus ist, geht es nicht weiter. Das ist etwas, was f\u00fcr uns als Band sehr wichtig ist, weil wir m\u00fcssen viele Dinge ausdiskutieren und wir m\u00fcssen die Dinge einfach mal ausprobiert haben, um sie aus den K\u00f6pfen zu kriegen. Danke, Joschka!<\/p>\n<p>[02:04:55]<\/p>\n<p>Alex: Und wenn ihr jetzt z.B. mit Joschka einen Song fertig gemacht habt, oder der Song steht, wann ist f\u00fcr euch der Song beendet? Wann sagt ihr: \u201eJetzt ist Schluss, jetzt arbeiten wir nicht mehr weiter dran\u201c? Habt ihr da z.B. bestimmte Kriterien, oder habt ihr einfach ein Gef\u00fchl dabei?<\/p>\n<p>[02:05:11]<\/p>\n<p>Joshi: Ich glaube, wir h\u00f6ren irgendwann im Studio auf zu arbeiten, aber dann fangen wir erneut an dran zu arbeiten, wenn es um die Live-Umsetzung geht.<\/p>\n<p>[02:05:19]<\/p>\n<p>Alex: Ok, inwiefern dann?<\/p>\n<p>[02:05:22]<\/p>\n<p>Joshi: Wie Marius z.B. eben schon dargelegt hat, wir haben 20 Vocalspuren aufgenommen, wie setzen wir das live um? Was brauchen wir live? Was h\u00f6rt man wirklich auf der Aufnahme? Mit Gitarren das Gleiche. Wenn vier Gitarren \u00fcbereinander liegen, mit Dopplung hier und da und da eine Akzentgeschichte, kannst du ja nicht alles spielen. Wie setzt man das um? Und dann arbeitet man wieder mit dem Song, aber auf einer ganz anderen Basis eben, auf, bzw. f\u00fcr einen ganz anderen Zweck. Ich denke, beendet ist der Song auf jeden Fall, also die Studioproduktion, mit dem Mastering. Es ist egal, ob irgendwer dann noch unzufrieden ist oder zufrieden, wenn es gemastert ist, und irgendwann geben wir es halt einfach darein. Oder es wird entschieden, dass er jetzt darein geht, gemeinsam, dann k\u00f6nnen wir ja nichts mehr dran \u00e4ndern, dann ist der Song irgendwann fertig und dann geht der so, wie der zu dem Zeitpunkt ist, irgendwann ins Presswerk bzw. auf die Streamingportale oder einfach in dieses \u201eInternetz\u201c rein.<\/p>\n<p>[02:06:31]<\/p>\n<p>Alex: Und dann gibt es auch kein Zur\u00fcck mehr, dann ist das da, und dann steht der Song.<\/p>\n<p>[02:06:35]<\/p>\n<p>Joshi: Ich wei\u00df nicht, ob irgendwelche supergro\u00dfen K\u00fcnstler mit viel, viel mehr Budget dann irgendwann sagen k\u00f6nnen: \u201eJa, ne, wollen wir nicht mehr, wir gehen jetzt noch einmal zur\u00fcck in den Mix.\u201c Bei uns nicht.<\/p>\n<p>[02:06:46]<\/p>\n<p>Michi: Ist das nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>[02:06:47]<\/p>\n<p>Max: Wie Kanye West, der einfach sein Album immer wieder verschiebt.<\/p>\n<p>[02:06:51]<\/p>\n<p>Joshi: Ja, z.B..<\/p>\n<p>[02:06:56]<\/p>\n<p>Michi: Ich glaube, wir haben aber davor, also bevor der Song dann wirklich fertig ist, haben wir schon so oft und so ausf\u00fchrlich \u00fcber die ganzen Sachen diskutiert und gesprochen, dass wir dann einfach an einem Punkt sind, wo jeder cool damit ist, dass dieser Song so ist und so fertig ist und so dann auch ver\u00f6ffentlicht wird. Ich glaube, da sorgen wir schon daf\u00fcr, dass das dann funktioniert.<\/p>\n<p>[02:07:17]<\/p>\n<p>Marius: Wir reiten dann irgendwann nur noch auf so Nuancen rum, wo man dann als Au\u00dfenstehender sagen w\u00fcrde: \u201eEy, ihr habt sie doch nicht mehr alle.\u201c Aber f\u00fcr uns ist das dann so wichtig, dass da noch dieser Punkt, dass das noch ein bisschen lauter ist, \u201ein der Demo war es viel cooler, da wars ganz anders, mach das nochmal so.\u201c Und dann so: \u201eEy, halt die Klappe, wir machen das jetzt einfach so.\u201c Ein Au\u00dfenstehender w\u00fcrde niemals den Unterschied bemerken.<\/p>\n<p>[02:07:39]<\/p>\n<p>Joshi: Ich m\u00f6chte, dass die Snair eher so piuuuuuu und weniger piu macht.<\/p>\n<p>[02:07:43]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Alex: Ein kleiner, aber feiner Unterschied.<\/p>\n<p>[02:07:46]<\/p>\n<p>Marius: \u201eDas wird f\u00fcr immer so bleiben, wir k\u00f6nnen das jetzt nicht so lassen, wir haben jetzt noch die Chance das zu \u00e4ndern!\u201c Dann neues Fass aufgemacht.<\/p>\n<p>[02:07:53]<\/p>\n<p>Joshi: Und dann diskutiert man eine Stunde dar\u00fcber, ob man das Fass jetzt aufmachen musste.<\/p>\n<p>[02:08:01]<\/p>\n<p>Alex: Ja, cool. Das waren jetzt alle Schritte, die wir gerade durchgegangen sind in eurem Song. Ich h\u00e4tte doch eine Abschlussfrage. Und zwar, wenn ihr einen Song schreibt, der f\u00fcr ein Album stehen soll oder als Single dar stehen soll, ich wei\u00df nicht, ob ihr das vorher schon im Hinterkopf habt, aber \u00e4ndern sich dadurch Schritte im Prozess bei euch? Oder behandelt ihr jeden Song im Prinzip gleich?<\/p>\n<p>[02:08:28]<\/p>\n<p>Michi: Eigentlich behandeln wir jeden Song gleich. Also das war auch vor \u201eIn A Box\u201c und auch vor \u201eBloom\u201c war eigentlich nie 100% klar, welcher Song jetzt eine Single wird. Bei \u201eIn A Box\u201c zum Teil schon, weil wir dann auch mal nur f\u00fcr einen Song im Studio waren, aber wir haben danach dann auch zweite H\u00e4lfte quasi f\u00fcnf Songs, glaube ich, oder sechs am St\u00fcck aufgenommen und wir meistens dann im Prozess eher sp\u00e4ter an den Punkt kommen, wo wir dar\u00fcber diskutieren, welcher Song wird jetzt eine Single und welcher Song bleibt ein Album-Song. Deswegen ist, glaube ich, der Punkt bei uns im Songwriting nicht so vorhanden, einfach weil wir erst eine Stufe sp\u00e4ter entscheiden, welcher Song jetzt als Single rauskommt und welcher nicht.<\/p>\n<p>[02:09:18]<\/p>\n<p>Marius: Aber bei, ich muss sagen, ich erinnere mich an eine Situation, wo wir irgendetwas ausreizen wollten, oder irgendetwas extrem lang oder extrem anders oder unkonventioneller machen wollten und dann fiel der Satz: \u201eAch, komm, wird eh keine Single. Das machen wir jetzt einfach.\u201c<\/p>\n<p>[02:09:37]<\/p>\n<p>Max: Aber, welcher Song?<\/p>\n<p>[02:09:38]<\/p>\n<p>Joshi: \u201eHello?\u201c Oder?<\/p>\n<p>[02:09:40]<\/p>\n<p>Marius: Ne, ich glaube bei \u201eYour Alien\u201c. Ich glaube das war irgendwas auf \u201eIn A Box\u201c, das war so irgendwas so \u201each komm &#8230;\u201c<\/p>\n<p>[02:09:46]<\/p>\n<p>Michi: Bei \u201cYour Alien\u201d haben wir dann trotzdem nochmal sp\u00e4ter dar\u00fcber diskutiert, ob der jetzt eine Single wird oder nicht.<\/p>\n<p>[02:09:50]<\/p>\n<p>Marius: Jaja, aber das wei\u00df man vorher nie so genau. Aber wenn man, wie jetzt bei wir mit \u201eBloom\u201c ins Studio geht, man versinglet jeden Song, das war jetzt bei dieser EP der Plan, dann hat es eh keine Relevanz, dann machen wir eh das, was dem Song am besten steht und das ist so ein bisschen das, die Flagge, unter der dieses Schiff jetzt f\u00e4hrt. Jeder Song kriegt das, was er braucht, ganz besonders penibel darauf geachtet. Aber bei \u201eIn A Box\u201c, wie gesagt, erinnere ich mich daran, dass ein, wir hatten schon zur H\u00e4lfte, also nach der H\u00e4lfte des Aufnahmeprozesses hatten wir schon drei Songs versinglet und dann sollten noch einmal drei kommen und dann konnte man schon ausschlie\u00dfen, dass zwei, drei Songs nicht versinglet werden und da erinnere ich mich daran, dass wir gesagt haben, oder Joschka hat das, glaube ich, sogar gesagt, so: \u201eEy, kommt Jungs, wir machen das jetzt einfach. Das ist zwar irgendwie strange, aber wir machen das jetzt. Haben wir Bock drauf.\u201c Und dann haben wir das gemacht und dann war es auch cool. Aber wenn das jetzt eine Single geworden w\u00e4re, w\u00e4re es jetzt auch kein Drama gewesen.<\/p>\n<p>[02:10:54}<\/p>\n<p>Joshi: Jetzt bei \u201eBloom\u201c bei dem Aufnahmeprozess hat sich ein Song tats\u00e4chlich strukturell noch einmal sehr ver\u00e4ndert und zwar unsere kommende Single \u201eAs Soon As America\u201c. Und zwar hatten wir urspr\u00fcnglich eine Version gedacht, wo jeder Chorus sehr gro\u00df wird und in den Strophen wieder kleiner wird und Joschka hat da f\u00fcr uns ein Wort gepr\u00e4gt und einen Vorschlag gemacht, und zwar: Den Karottensong. Und zwar geht eine Karotte, die ist klein und dann wird die gr\u00f6\u00dfer. Das ist irgendwie mit \u201eAs Soon As America\u201c passiert und warum ich das jetzt erz\u00e4hle, das ist ein komplett anderer Song als die Demo, die wir aufgenommen haben, obwohl wir eigentlich nur mit Elementen anders gespielt haben, die ohnehin schon Teil dessen waren. Und dementsprechend wei\u00df ich gar nicht, ob man jetzt vorher h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen: \u201eJa, den machen wir so und so, weil Hit.\u201c Weil der sich einfach sehr ver\u00e4ndert hat. Bzw. Single.<\/p>\n<p>[02:12:08]<\/p>\n<p>Marius: Hitsingle, sag es doch.<\/p>\n<p>[02:12:10]<\/p>\n<p>Joshi: Hitsingle. Keine Ahnung. Ich kann nur wiederholen, jeder Song hat unserer Meinung nach das bekommen, was dem Song am besten getan hat und nicht, was den Song am radiotauglichsten gemacht hat, sondern, was dem Song am besten gestanden hat. Da waren wir alle mehr oder weniger offen f\u00fcr. Ich wei\u00df noch, wir hatten Diskussionen bei \u201eAs Soon As America\u201c, ich habe es gar nicht gef\u00fchlt anfangs.<\/p>\n<p>[02:12:43]<\/p>\n<p>Marius: Ich auch nicht.<\/p>\n<p>[02:12:45]<\/p>\n<p>Alex: Aber dann habt ihr es alle gef\u00fchlt danach, oder?<\/p>\n<p>[02:12:47]<\/p>\n<p>Marius: Wir haben es gemacht und dann irgendwann haben wir es gef\u00fchlt. Also es geh\u00f6rt auch eine Portion Vertrauen dazu, wenn jemand schon 300 Songs produziert hat, die allesamt irgendwie gut sind, dann muss man ab irgendeinem Punkt, wo es 50\/50 steht, kann man nicht sagen: \u201eOk, boys, wir bauen jetzt hier eine Decke auf und machen Armdr\u00fccken.\u201c Sondern man muss sagen: \u201eJoschka, du machst den Call einfach, wir vertrauen dir da jetzt einfach.\u201c Und dann haben wir das so gemacht. Ich glaube, er hat sogar noch gesagt: \u201eOk, wenn wir das jetzt so karottig machen, dann ist es halt eher ein Popsong und wenn wir es klein-gro\u00df-klein-gro\u00df machen, ist es eher ein Rocksong.\u201c Und weil wir aus den Demos rausgegangen sind und dachten: \u201eOk, das ist vielleicht eher ein popigerer Song\u201c, haben wir uns vielleicht eher dahingehend entschieden, dass wir denken: \u201eOk, f\u00fcr uns schreit der nicht \u00b4Rock\u00b4, sondern f\u00fcr uns schreit der eher \u201aPop\u2018 und deswegen machen wir es so. Joschka, wir vertrauen dir.\u201c Und dann haben wir es so gemacht.<\/p>\n<p>[02:13:39]<\/p>\n<p>Joshi: Das ist auf jeden Fall so ein Punkt, wo K\u00fcnstlerego eine Rolle spielt, wo man Sturheit eventuell \u00fcberwinden muss, wo man die Argumente von anderen Menschen annehmen muss, auch wenn man vielleicht selber anderer Meinung ist. Das ist gl\u00fccklicherweise in dieser Band so, dass wir das aussprechen k\u00f6nnen, auch wenn wir nat\u00fcrlich nicht begeistert sind, wenn irgendwer sagt: \u201eEy, nee, das gef\u00e4llt mir nicht.\u201c Aber das ist die Grundlage eigentlich daf\u00fcr, dass es funktioniert und dass wir so ein Songwriting haben, wie wir das haben, dass wir das aussprechen k\u00f6nnen und unsere Egos auch mal zur\u00fcckstellen und einfach mal ausprobieren und akzeptieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[02:14:24]<\/p>\n<p>Alex: Ja, das w\u00fcrde ich auch so jetzt mal als Schlusspl\u00e4doyer stehen lassen, das hat jetzt gut gepasst. Ich bedanke mich bei euch, dass wir echt ein ausf\u00fchrliches Interview hatten und auch viele Einblicke in eure Arbeit finden konnten. Danke daf\u00fcr.<\/p>\n<p>[02:14:41]<\/p>\n<p>KD(alle): Sehr gerne. Danke euch f\u00fcr die Zeit. Hat viel Spa\u00df gemacht.<\/p>\n<p>[02:14:45]<\/p>\n<p>Alex: Uns auch.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vierk\u00f6pfige Alternative-Band aus Paderborn hatte im Jahr 2017 ihr Deb\u00fct mit der EP Disorder, drei Jahre sp\u00e4ter folgte ihr erstes Album In A Box, welches sich aus einem Mix von Synthesizern, Gitarrenriffs und Grunge zusammensetzt. 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