{"id":3901,"date":"2015-02-13T07:20:43","date_gmt":"2015-02-13T05:20:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/?p=3901"},"modified":"2019-05-15T10:43:28","modified_gmt":"2019-05-15T08:43:28","slug":"planung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/2015\/02\/13\/planung\/","title":{"rendered":"Planung von Studien"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3901 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3901')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3901').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Nach der Auswertung dieser Daten k\u00f6nnen Schlussfolgerungen gezogen werden. Genau diese Schlussfolgerungen f\u00fchren zur Einwicklung von Theorien (induktives Vorgehen). So entstandene Theorien m\u00fcssen jedoch weiterhin \u00fcberpr\u00fcft werden: Ist die Theorie \u00fcberhaupt plausibel? Kann die Theorie auf andere Themengebiete \u00fcbertragen werden? H\u00e4lt die aufgestellte Theorie weiteren Beobachtungen stand, bew\u00e4hrt sie sich also? Dies alles sind Fragen, mit denen sich wiederum die empirische Wissenschaft besch\u00e4ftigt. Durch Pr\u00fcfung pr\u00e4zise formulierter Forschungsfragen bzw. der daraus abgeleiteten Hypothesen wird die Theorie verworfen, weiterentwickelt und wenn n\u00f6tig ver\u00e4ndert (deduktives Vorgehen).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/files\/2015\/02\/Empirie-Theorie.png\" rel=\"attachment wp-att-5571\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5571\" src=\"http:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/files\/2015\/02\/Empirie-Theorie.png\" alt=\"Empirie-Theorie\" width=\"1428\" height=\"706\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/files\/2015\/02\/Empirie-Theorie.png 1428w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/files\/2015\/02\/Empirie-Theorie-300x148.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/files\/2015\/02\/Empirie-Theorie-768x380.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/files\/2015\/02\/Empirie-Theorie-1024x506.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/files\/2015\/02\/Empirie-Theorie-500x247.png 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1428px) 100vw, 1428px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb.: Wechselspiel von Theorie und Empirie aus: Imhof (2010), S. 18<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Theorie und Empirie stehen in einem st\u00e4ndigen Wechselverh\u00e4ltnis zueinander. Stellen Sie sich zur Veranschaulichung dieses Wechselverh\u00e4ltnisses von Theorie und Empirie folgendes Beispiel vor, eine typische Situation im Klassenraum der 6a: Sie beobachten als angehender Lehrer\/angehende Lehrerin w\u00e4hrend Ihres Praktikums jeden Tag, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in der sechsten Schulstunde besonders laut und unaufmerksam sind. Sie k\u00f6nnen sich kaum konzentrieren und Aufgaben werden meist nicht richtig zu Ende gef\u00fchrt. Des Weiteren beobachten Sie, dass sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler an einem Tag der Woche, am Donnerstag, anders verhalten. In der sechsten Stunde des Donnerstages ist das Verhalten der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler relativ unauff\u00e4llig. Im Unterricht herrscht eine rege Beteiligung und die Lehrerin in der Stunde gibt den SuS nie Hausaufgaben auf, weil Sie alles innerhalb dieser sechsten Stunde bereits erledigen. Nach einem Gespr\u00e4ch mit der Klassenlehrerin erfahren Sie, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der 6a immer am Donnerstag in der f\u00fcnften Stunde Sport haben. Sie entwickeln nun auf Grund Ihrer Beobachtungen die Theorie, dass die sportliche Bet\u00e4tigung der SuS zu einer erh\u00f6hten Konzentration f\u00fchrt, kurz: Sport f\u00fchrt zu mehr Konzentration und besserer Arbeitsleistung. Diese Theorie ist jedoch noch ziemlich wackelig, denn sie st\u00fctzt sich allenfalls auf ihre vereinzelten Beobachtungen.<\/p>\n<p>Zu vielen verschiedenen Themen bzw. Theorien existiert bereits Forschung und Literatur. Nicht nur aus Beobachtungen, sondern auch aus Literatur zu einem bestimmten Thema kann eine Theorie entwickelt werden. So k\u00f6nnen nicht nur durch Beobachtungen Fragestellungen entstehen, sondern auch auf Grund der Auseinandersetzung mit Literatur. Aus der Theorie werden Forschungsfragen entwickelt und Hypothesen abgeleitet, die es zu \u00fcberpr\u00fcfen gilt. Best\u00e4tigen sich die Hypothesen, ist die Theorie vorerst bew\u00e4hrt. Best\u00e4tigen sich die Hypothesen nicht, muss die Theorie entweder weiterentwickelt, ver\u00e4ndert oder sogar vollst\u00e4ndig verworfen werden.<\/p>\n<p><strong>Frageste<\/strong><strong>llung<\/strong>:<\/p>\n<p>Warum ist eine pr\u00e4zise Fragestellung so wichtig f\u00fcr die empirische Forschung? Die Fragestellung begleitet den\/die Wissenschaftler\/-in durch den gesamten Forschungsprozess. Anhand der Fragestellung entscheidet sich, welche Hypothesen zu pr\u00fcfen sind, welche Erhebungs- und Auswertungsmethoden qualitativer oder quantitativer Art zur Pr\u00fcfung der Hypothesen in Frage kommen und innerhalb welchem Forschungskontexts und Umfangs die Ergebnisse interpretiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im obigen Beispiel wird das Verhalten von SuS im Klassenraum diskutiert. Wichtig f\u00fcr eine empirische Studie ist eine m\u00f6glichst konkrete Fragestellung. Was unterscheidet nun eine Fragestellung von einem Thema? Wann ist eine Fragestellung pr\u00e4zise formuliert, so dass Sie den Forschungsprozess konstruktiv leiten und begleiten kann? Am obigen Beispiel und weiteren anderen Beispielen wird im Folgenden veranschaulicht, wie sich das Thema und die Fragestellung unterscheiden, genauer gesagt, wie eine pr\u00e4zise Fragestellung aus einem Thema abgeleitet werden kann. Das in Kapitel 1.1 beschriebene Beispiel der Klasse 6a kann grob dem Thema \u201eKonzentration im Unterricht\u201c zugeordnet werden. Hinsichtlich dieses Themas kann jedoch sehr viel Verschiedenes gefragt werden. Zum Beispiel: Wie macht sich die Konzentration von SuS bemerkbar? Was ist Konzentration? Wie kann Konzentration im Unterricht gef\u00f6rdert werden? All diese Fragen betreffen das Thema \u201eKonzentration im Unterricht\u201c, beziehen sich jedoch nicht auf die Beobachtung unseres Beispiels. Die konkrete Forschungsfrage passend zu den Beobachtungen in der 6a w\u00fcrde folgenderma\u00dfen lauten: \u201eWelchen Einfluss hat der Sportunterricht auf die Konzentrationsf\u00e4higkeit von SuS der sechsten Klassen?\u201c<\/p>\n<p>Nachfolgend sollen einige Themen und passende Fragestellungen exemplarisch den Unterschied von Thema und Fragestellung veranschaulichen:<\/p>\n<table style=\"height: 641px\" width=\"738\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"196\"><strong>Thema<\/strong><\/td>\n<td width=\"418\"><strong>Forschungsfrage<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"196\">Lesemotivation von SuS<\/td>\n<td width=\"418\">\n<ul>\n<li>Wie kann Lesemotivation von SuS in der Hauptschule gef\u00f6rdert werden?<\/li>\n<li>Wie lassen sich Geschlechterunterschiede in der Lesemotivation von Jugendlichen erkl\u00e4ren?<\/li>\n<li>Welchen Einfluss hat das Leseselbstkonzept auf die Lesemotivation von Grundsch\u00fclern\/Grundsch\u00fclerinnen der vierten Klasse?<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"196\">Unterrichtsst\u00f6rungen<\/td>\n<td width=\"418\">\n<ul>\n<li>Welche theoretischen Ans\u00e4tze zum Thema Unterrichtsst\u00f6rungen gibt es?<\/li>\n<li>Welchen Einfluss hat ein systematisch organisierter Unterricht auf die H\u00e4ufigkeit von Unterrichtsst\u00f6rungen?<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"196\">Klassenklima<\/td>\n<td width=\"418\">\n<ul>\n<li>Wie kann das Klassenklima positiv beeinflusst werden?<\/li>\n<li>Welchen Einfluss hat das Klassenklima auf das Wohlbefinden des\/der einzelnen Sch\u00fclers\/Sch\u00fclerin?<\/li>\n<li>Weisen Klassen mit positivem Klassenklima eine bessere Schulleistung auf als Klassen mit schlechtem Klima?<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Formulierung einer stichhaltigen Fragestellung geh\u00f6rt zu den allgemeinen Vorbereitungen einer empirischen Untersuchung. Es ist wichtig, dass schon bei der Formulierung der Fragestellung darauf geachtet wird, m\u00f6glichst auf umgangssprachliche Formulierungen zu verzichten. Im Rahmen dieses Schrittes ist des Weiteren, wie oben schon erw\u00e4hnt, zu pr\u00fcfen, ob bereits Theorie zu der eigenen Fragestellung existiert. Welche Hypothesen wurden bereits gepr\u00fcft? Welche Forschungsergebnisse existieren bereits?<\/p>\n<p><strong>Stellenwert von Hypothesen im Forschungsprozess<\/strong><\/p>\n<p>Die vermuteten Antworten auf eine Fragestellung werden als <em>Hypothesen<\/em> bezeichnet. Hypothesen k\u00f6nnen gepr\u00fcft werden, wenn sie falsifizierbar, also widerlegbar sind. Ein Beispiel f\u00fcr eine schwer zu widerlegende Hypothese ist die Behauptung: \u201eEs gibt blaue B\u00e4ume.\u201c Auf der einen Seite ist die Hypothese best\u00e4tigt, wenn ein blauer Baum gefunden werden w\u00fcrde. Dies kann sich allerdings als ein sehr langwieriges Vorhaben herausstellen. Auf der anderen Seite, m\u00fcssten, um die Hypothese zu falsifizieren, alle auf der Erde existierenden B\u00e4ume betrachtet werden. Aber auch danach w\u00e4re es schwer festzustellen, ob nicht doch irgendwo ein blauer Baum existiert. Bei der Aussage \u201eEs gibt blaue B\u00e4ume\u201c handelt es sich um eine Existenzaussage. Die Schwierigkeit bei einer solchen Aussage liegt darin, sie zu widerlegen. Dieses Beispiel veranschaulicht die Notwendigkeit, dass wissenschaftliche Hypothesen potentiell falsifizierbar, also durch systematische Beobachtungen generell \u00fcberpr\u00fcfbar sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bei Hypothesen kann zwischen Unterschieds-, Zusammenhangs- und Ver\u00e4nderungshypothesen unterschieden werden. Unterschiedshypothesen postulieren einen Unterschied, bspw. zwischen zwei Gruppen. (Beispiel: Ziffernzeugnisse werden von SuS besser verstanden als verbale Beurteilungen). Zusammenhangshypothesen beziehen sich auf den Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen (Beispiel: Die Motivation der SuS h\u00e4ngt positiv mit den Leistungen im abschlie\u00dfenden Test zusammen). Ver\u00e4nderungshypothesen beschreiben demgegen\u00fcber Ver\u00e4nderungen \u00fcber die Zeit (Beispiel: Die Leistungen der SuS steigen vom Anfang bis zum Ende des Schuljahres).<\/p>\n<p><strong>Variablen<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Hypothesen beinhalten verschiedene Variablen. Was sind nun aber Variablen? Es wird unterschieden zwischen manifesten und latenten Variablen. Manifeste Variablen sind Aspekte bzw. Untersuchungsgegenst\u00e4nde, welche direkt beobachtet werden k\u00f6nnen. Zum Beispiel kann bei den Bundesjugendspielen die Schnelligkeit im 100-Meter-Lauf direkt mit Hilfe einer Stoppuhr gemessen werden. Latente Variablen sind im Gegensatz zu manifesten nicht unmittelbar beobachtbar. Beispielsweise muss zuerst operationalisiert werden, was mit \u201ek\u00f6rperlicher Fitness\u201c gemeint ist. Es m\u00fcssen demnach Aspekte gefunden werden, die auf eine k\u00f6rperliche Fitness schlie\u00dfen lassen. Dies kann zum Bespiel die Schnelligkeit im 100-Meter-Lauf sein, aber auch die Ausdauer,\u00a0 die Beweglichkeit, die Muskelmasse u.v.m. Eine weitere Unterscheidung kann hinsichtlich der Funktion von Variablen getroffen werden. Variablen lassen sich in dem Fall in unabh\u00e4ngige (uV) und abh\u00e4ngige Variablen (aV) unterschieden. Diese Differenzierung dr\u00fcckt ihre Beziehung innerhalb einer Hypothese aus. Wir werden im Kapitel 1.6, in welchem verschiedene Untersuchungsdesigns vorgestellt werden, n\u00e4her auf die Beziehung zwischen abh\u00e4ngigen und unabh\u00e4ngigen Variablen eingehen.<\/p>\n<p>Eine weitere Unterscheidung hinsichtlich der Funktion von Variablen ist die Einteilung in unabh\u00e4ngige und abh\u00e4ngige Variablen. Wir werden im Kapitel \u00fcber die Untersuchungsdesigns weiter darauf eingehen.<\/p>\n<p><strong>Probleme der Operationalisierung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Spezifizierung Ihrer Untersuchung ist es unerl\u00e4sslich, diejenigen Aspekte bzw. Variablen, welche Sie untersuchen wollen, zu definieren. Das richtige Fachwort hierf\u00fcr ist \u201eOperationalisierung\u201c. Mit der Operationalisierung stellt sich die Frage nach dem, was \u00fcberhaupt gemessen werden soll. Bei der oben gestellten Forschungsfrage nach dem Einfluss des Klassenklimas auf die Leistung der SuS ist es notwendig, mehrere Aspekte genau zu operationalisieren. Auf der einen Seite muss die Frage beantwortet werden, was unter dem Begriff Klassenklima verstanden und ab wann dieses als positiv bezeichnet werden kann. Es steht die Entscheidung aus, wie das Klassenklima in der Untersuchung erhoben werden soll? Wer, wie und was genau soll befragt werden? Auf der anderen Seite muss genau festgelegt werden, was mit Schulleistung gemeint ist. Schulleistung kann auf Grundlage von Noten, Leistungs- oder Intelligenztests ermittelt werden. Die Schulleistung eines einzelnen Sch\u00fclers, aber auch der ganzen Klasse kann f\u00fcr die Untersuchung relevant sein. In der m\u00f6glichst genauen Operationalisierung von Variablen bestimmt sich h\u00e4ufig die G\u00fcte einer Untersuchung.<\/p>\n<p>Als Exkurs soll an dieser Stelle kurz auf die Qualit\u00e4t bzw. die G\u00fcte empirischer Forschung eingegangen werden, welche sich anhand verschiedener Kriterien beurteilen l\u00e4sst. Es werden in der Regel drei G\u00fctekriterien voneinander unterschieden: die Objektivit\u00e4t, die Reliabilit\u00e4t und die Validit\u00e4t. Die <strong>Objektivit\u00e4t<\/strong> betrifft die Unabh\u00e4ngigkeit der Untersuchung von dem Testleiter. Sie ist im gesamten Forschungsprozess (Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation der Untersuchung) relevant. Die Betrachtung von <strong>Reliabilit\u00e4t<\/strong> besch\u00e4ftigt sich mit der Frage der Genauigkeit einer Messung. Eine Messung ist reliabel, wenn ein Merkmal exakt, also ohne Messfehler, gemessen wird. Wird zum Beispiel die Rechenleistung eines Sch\u00fclers zu zwei verschiedenen Messzeitpunkten mit gleichen Testverfahren gemessen und wird davon ausgegangen, dass zwischen den beiden Messzeitpunkten keine Ver\u00e4nderung stattgefunden hat, muss ein reliabler Test dasselbe Testergebnis hervorbringen. Der Sch\u00fcler m\u00fcsste also zu beiden Messzeitpunkten dieselbe Rechenleistung aufweisen. Um die Reliabilit\u00e4t zu bestimmen, gibt es bestimmte Testverfahren, wie die Retest-Reliabilit\u00e4t, die Paralleltest-Reliabilit\u00e4t, die Interrater-Reliabilit\u00e4t (besonders f\u00fcr qualitative Forschung), die Testhalbierungs-Reliabilit\u00e4t oder die interne Konsistenz. An dieser Stelle soll jedoch nicht weiter darauf eingegangen werden. Die <strong>Validit\u00e4t<\/strong> besch\u00e4ftigt sich im Gegensatz zur Reliabilit\u00e4t mit der Frage, ob tats\u00e4chlich das gemessen wird, was gemessen werden soll. Dabei kann zwischen interner und externer Validit\u00e4t unterschieden werden. Diese Formen von Validit\u00e4t nehmen einen \u00fcbergeordneten Blick auf die gesamte Planung einer Untersuchung ein. Die interne Validit\u00e4t betrifft die Untersuchung selbst. Sind die Beobachtungen und Befunde innerhalb einer Studie tats\u00e4chlich darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, was gemessen wurde und was als urs\u00e4chliche Variable angenommen wurde? Hingegen dazu geht es bei der externen Validit\u00e4t um die Generalisierbarkeit der Ergebnisse. K\u00f6nnen die Ergebnisse einer Untersuchung \u00fcber die Stichprobe hinweg verallgemeinert werden?<\/p>\n<h1><strong>Versuchsdesigns\/<\/strong><strong>Versuchsplan\/Versuchsanordnung<\/strong><\/h1>\n<p>Ist eine Fragestellung konkret formuliert und sind daraus Hypothesen abgeleitet, m\u00fcssen wir uns nun damit besch\u00e4ftigen, wie und welche Daten passend zu unserer Fragestellung erhoben werden. Beller (2008) formuliert f\u00fcr diesen Schritt folgende Frage: \u201e Wie ist die Untersuchung zu gestalten, damit die Fragestellung \u00fcberhaupt sinnvoll beantwortet werden kann?\u201c<\/p>\n<p>Je nachdem, welche Hypothesen gepr\u00fcft werden sollen, bieten sich unterschiedliche Untersuchungsdesigns an. Dies h\u00e4ngt eng damit zusammen, um welche Art von Hypothese es sich handelt. Oben wurden drei Arten von Hypothesen vorgestellt: Unterschieds-, Zusammenhangs-, und Ver\u00e4nderungshypothesen.<\/p>\n<p>Zum Betrachten von Zusammenhangshypothesen, also z. B. der Hypothese: \u201eJe h\u00f6her ausgepr\u00e4gt das lesebezogene Selbstkonzept des Sch\u00fclers\/der Sch\u00fclerin ist, desto h\u00f6her ist auch seine\/ihre Lesemotivation\u201c, eignen sich am besten <em>korrelative Studien<\/em>. Hier werden verschiedene Variablen, in unserem Fall, das lesebezogene Selbstkonzept und die Lesemotivation betrachtet, erhoben und deren statistischer Zusammenhang berechnet. <a href=\"http:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/2014\/11\/26\/zusammenhangsmasse\/\">Hier<\/a> gehen wir noch genauer auf die Auswertung hinsichtlich der Zusammenhangsma\u00dfe ein. An dieser Stelle sei nur schon einmal auf die Limitation von korrelativen Studien hingewiesen. Korrelationen veranschaulichen ausschlie\u00dflich den statistischen Zusammenhang zwischen zwei Variablen, es kann keine Wirkrichtung, also Kausalbeziehung ausgedr\u00fcckt werden. Was hier verglichen wird, sind immer mehrere unabh\u00e4ngige Variablen (uVs).<\/p>\n<p>Einen Vorteil hinsichtlich der Aussagen zur Kausalit\u00e4t bietet das <em>Experiment<\/em>. Verglichen wird dabei der Einfluss von unabh\u00e4ngigen Variablen (aV) auf eine oder mehrere abh\u00e4ngige Variablen (uV). Dabei wird meist eine unabh\u00e4ngige Variable ver\u00e4ndert, um den Einfluss dieser auf die abh\u00e4ngige Variable zu pr\u00fcfen. Betrachten wir in diesem Fall die Hypothese, dass die Leseh\u00e4ufigkeit die Leseleistung positiv beeinflusst. Die abh\u00e4ngige Variable ist hier die Leseleistung, die unabh\u00e4ngige die Leseh\u00e4ufigkeit. Mit Hilfe eines Experimentes k\u00f6nnen wir diese Hypothese folgenderma\u00dfen pr\u00fcfen: Wir w\u00e4hlen verschiedene sechste Klassen aus mehreren Realschulen aus. Diese Klassen erhalten in ihrem Unterricht extra Lesezeit zur Verf\u00fcgung (Experimentalgruppe). Alle anderen Klassen der beteiligten Realschulen erhalten keine extra Lesezeit (Kontrollgruppe). Die Leseleistung wird nun in Kontroll- und Experimentalgruppe sowohl vor Einf\u00fchrung der zus\u00e4tzlichen Lesezeit gemessen als auch ca. ein halbes Jahr danach. Die aufgestellte Hypothese l\u00e4sst sich best\u00e4tigen, wenn die Experimentalgruppe zum zweiten Messzeitpunkt eine bessere Leseleistung aufzeigt, als die Kontrollgruppe. In einem solchen Schulsetting besteht die M\u00f6glichkeit, dass andere Variablen, wie z.B. der Deutschunterricht der Lehrkraft, die Konzentrationsf\u00e4higkeit bzw. Intelligenz der SuS als so genannte St\u00f6rvariablen das Untersuchungsergebnis indirekt bedingen. In Experimenten, bei denen in einer nat\u00fcrlichen Umgebung etwas ver\u00e4ndert wird, z.B. in der Schule, im Kindergarten oder in anderen Institutionen, wird somit von einem Feldexperiment oder einem quasiexperimentellen Design gesprochen. \u00a0Es sollte versucht werden, Unterschieden, welche sich auf Grund der Gruppeneinteilung ergeben, durch Randomisierung, also einer zuf\u00e4lligen Zuteilung der Testpersonen zu Experimental- und Kontrollgruppe, gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Das eben beschriebene Untersuchungsdesign l\u00e4sst sich als <em>Pr\u00e4-, Post-, Kontrollgruppendesign<\/em> bezeichnen. Es eignet sich, wie das Beispiel der Leseh\u00e4ufigkeit veranschaulicht, sehr gut, um die Wirksamkeit von bestimmten F\u00f6rderma\u00dfnahmen, Unterrichtsmethoden usw. zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Betrachten Wir nun Untersuchungsdesigns, die herangezogen werden, um Ver\u00e4nderungen zu messen. Mit Hilfe eines <em>Querschnittsdesigns<\/em> werden unterschiedliche Gruppen bzw. Kohorten zu einem bestimmten Messzeitpunkt untersucht. Kohorten k\u00f6nnen beispielsweise Jahrg\u00e4nge, Altersgruppen, Berufsgruppen u.a. sein. So arbeitet z.B. die gro\u00dfe Schulleistungsvergleichsstudie PISA mit einem Querschnittsdesign. Zum selben Messzeitpunkt wird in allen OECD-L\u00e4ndern derselbe bzw. den bestimmten L\u00e4ndern angepasste Schulleistungstest bei 15-j\u00e4hrigen SuS durchgef\u00fchrt. Die Leistungsergebnisse der SuS in den einzelnen L\u00e4ndern k\u00f6nnen dann miteinander verglichen werden. Was ein Querschnittsdesign nicht leisten kann, ist der Vergleich auf individueller Ebene \u00fcber einen bestimmten Zeitraum hinweg. Das hei\u00dft z.B. die Ver\u00e4nderung individueller Schulleistung \u00fcber die gesamte Schulzeit.<\/p>\n<p>Soll dies das Ziel einer empirischen Studie sein, bietet sich als Untersuchungsdesign der <em>L\u00e4ngsschnitt<\/em> an. Hier werden \u00fcber mehrere Messzeitpunkte hinweg dieselben Personen (dieselbe Stichprobe) immer wieder untersucht. Zur Veranschaulichung kann die Forschungsfrage \u201eWie entwickelt sich die Lesemotivation im Laufe der Schulzeit?\u201c herangezogen werden. Daraus kann die Hypothese abgeleitet werden, dass die Lesemotivation im Laufe der Schulzeit immer geringer wird. Folglich werden mehrere Messzeitpunkte ben\u00f6tigt, um diese Hypothese zu pr\u00fcfen: Die erste Messung m\u00fcsste zu Beginn der Schulzeit stattfinden; weiterf\u00fchrend k\u00f6nnte in der Mitte und am Ende der Grundschulzeit gemessen werden. Im Idealfall w\u00fcrden die an der Messung beteiligten SuS auch in der weiterf\u00fchrenden Schule an mehreren Erhebungen (5., 7., 10., 12. Schuljahr) teilnehmen. So kann ein \u00dcberblick \u00fcber die gesamte Schullaufbahn gegeben werden. Allein f\u00fcr diese beim ersten Anblick sehr simpel erscheinende Forschungsfrage ergeben sich 7 Messzeitpunkte, die SuS w\u00fcrden \u00fcber zw\u00f6lf Jahre begleitet werden. Es wird deutlich, welche Schwierigkeiten mit einer L\u00e4ngsschnittuntersuchung verbunden sind:<\/p>\n<ul>\n<li>L\u00e4ngsschnittuntersuchungen k\u00f6nnen mitunter sehr aufwendig bzw. zeitaufwendig sein.<\/li>\n<li>Wenn Leistungstests in L\u00e4ngsschnittuntersuchungen eingesetzt werden, kann es zu einem \u00dcbungseffekt kommen: Bearbeiten SuS immer wieder in kurzen Abst\u00e4nden dieselben Aufgaben, merken sie sich die L\u00f6sungen.<\/li>\n<li>Je l\u00e4nger der Zeitraum der Untersuchung, umso gr\u00f6\u00dfer ist die Wahrscheinlichkeit eines Drop-Offs (Ausfall von Versuchspersonen; Selektivit\u00e4t). Der gr\u00f6\u00dfte Drop-Off bei Unserem Beispiel w\u00e4re im \u00dcbergang von der Grundschule zur Weiterf\u00fchrenden Schule zu bef\u00fcrchten, da die SuS an viele verschiedene weiterf\u00fchrende Schulen wechseln. Aufgrund von Anonymisierung (<a href=\"http:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/fips\/2015\/02\/13\/forschung-und-ethik\/\">siehe Kapitel zu Forschung und Ethik<\/a>) ist schwer nachzuvollziehen, welche SuS an welche Schulen wechseln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wird Quer- und L\u00e4ngsschnittdesign kombiniert, kann von einem <em>Kohorten-Sequenz-Design<\/em> gesprochen werden. Dies ist die sowohl die zeitaufwendigste als auch die kostenintensivste Form der Untersuchungsdesigns. Es werden hier mehrere Kohorten, also z.B. Grundsch\u00fcler\/-innen der 3. und 4. Klasse sowie SuS der weiterf\u00fchrenden Schulen in der 5., 7. und 10. Klassen zu mehreren Messzeitpunkten untersucht. Eine gute Beispielstudie f\u00fcr das Kohorten-Sequenz-Design ist das Nationale Bildungspanel (NEPS) der Universit\u00e4t Bamberg.<\/p>\n<p>Zum Abschluss des Kapitels soll an zwei Fragestellungen in der folgenden Tabelle der Weg von der Fragestellung \u00fcber die Hypothese zum Untersuchungsdesign noch einmal veranschaulicht werden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Beispiele der Untersuchungsplanung:<\/strong><\/p>\n<table style=\"height: 251px\" width=\"584\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"205\">\n<h1>\u00a0Fragestellung<\/h1>\n<\/td>\n<td width=\"205\">Lernen SuS besser mit Graphiken und Bildern oder aus Texten?<\/td>\n<td width=\"205\">Wie h\u00e4ngt das Bildungsniveau der Eltern mit der Leseleistung von SuS zusammen?<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"205\">\n<h1>\u00a0Hypothese<\/h1>\n<\/td>\n<td width=\"205\">SuS lernen mit Hilfe von Graphiken und Bildern besser als aus Texten.(Unterschiedshypothese)<\/td>\n<td width=\"205\">Je h\u00f6her das Bildungsniveau der Eltern ist, umso besser k\u00f6nnen SuS lesen.(Zusammenhangshypothese)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"205\">\n<h1>\u00a0Variablen<\/h1>\n<\/td>\n<td width=\"205\">Lernleistungen (aV), Texte (uV), Bilder und Graphiken (uV)<\/td>\n<td width=\"205\">Bildungsniveau der Eltern (uV), Leseleistung der SuS (uV)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"205\">\n<h1>Untersuchungs-<\/h1>\n<h1>design<\/h1>\n<\/td>\n<td width=\"205\">Pr\u00e4-Post-Kontrollgruppen-Design, Feldexperiment<\/td>\n<td width=\"205\">Korrelative Studie<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Beller, S. (2008). <em>Empirisch forschen lernen. Konzepte, Methoden, Fallbeispiele, Tipps<\/em>. 2. \u00fcberarb. Aufl. Bern: Huber.<\/p>\n<p>Imhof, M. (2010). <em>Psychologie f\u00fcr Lehramtsstudierende <\/em>(2. Aufl.). Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n<p>Moosbrugger, H. &amp; Keleva, A. (2012). <em>Testtheorie und Fragebogenkonstruktion<\/em>. Berlin: Springer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabrina Wiescholek Verh\u00e4ltnis von Theorie und Empirie Aufgrund von systematischer Beobachtung mit Hilfe verschiedenster Erhebungs&#8211; und Auswertungsverfahren sammeln empirisch arbeitende Wissenschaftler\/-innen Daten. Nach der Auswertung dieser Daten k\u00f6nnen Schlussfolgerungen gezogen werden. 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