{"id":894,"date":"2026-05-23T00:00:53","date_gmt":"2026-05-22T22:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/?page_id=894"},"modified":"2026-07-16T00:32:10","modified_gmt":"2026-07-15T22:32:10","slug":"seminar2026_erfahrungsbericht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/projekte\/seminar2026_erfahrungsbericht\/","title":{"rendered":"Erfahrungsbericht zum Praxisseminar: Lehr- und Unterrichtsfilme auf 16mm"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_894 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_894')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_894').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Das Seminar widmete sich praxisorientiert historischen Lehr- und Unterrichtsfilmen im 16mm-Format, die \u00fcber Jahrzehnte an Schulen eingesetzt wurden. Zentral war dabei die Frage, welche gesellschaftlichen Werte, p\u00e4dagogischen Konzepte und Mentalit\u00e4ten in den Filmen sichtbar werden. Eine besondere Rolle spielte die umfangreiche Lehrfilmsammlung des Instituts f\u00fcr Medienwissenschaften der Universit\u00e4t Paderborn, deren \u00fcber 1000 Filmkopien nicht nur filmhistorisches Material, sondern auch Begleitdokumente wie didaktische Hefte enthalten. So bot das Seminar die M\u00f6glichkeit, filmische Quellen sowohl inhaltlich als auch in ihrer Materialit\u00e4t zu analysieren und damit ein St\u00fcck Medien- und Mentalit\u00e4tsgeschichte praktisch zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn des Semesters meldete ich mich aus Neugier f\u00fcr das Praxissemester an, ohne genau zu wissen, was mich erwarten w\u00fcrde. Lehrfilme, 16mm-Projektionen, Archivarbeit \u2013 all das erschien zun\u00e4chst weit entfernt von meinem Alltag. Ich rechnete mit theoretischen Sitzungen und vielleicht einigen Filmausschnitten, die wir analytisch besprechen w\u00fcrden. Schnell zeigte sich jedoch, dass das Seminar wesentlich praktischer und intensiver war, als ich vernutet hatte.<br><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Begegnung mit dem Filmarchiv<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim ersten Termin fiel mir auf, wie klein und dicht gef\u00fcllt der Raum des Archivs ist. Regal an Regal, Metallbeh\u00e4lter neben Metallbeh\u00e4lter, kaum Platz zum Bewegen. Zun\u00e4chst schaute ich mich einfach nur um und las die Etiketten auf einigen Beh\u00e4ltern: Filmtitel, Produktionsjahre, Archivnummern. Dennoch entstand der Eindruck, wie nah diese Filme am Unterrichtsalltag fr\u00fcherer Jahrzehnte standen. Das Archiv erschien dadurch nicht nur als Aufbewahrungsort alter Filme, sondern als greifbares Zeugnis gelebter Medienpraxis.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Von der Theorie zur Praxis: Arbeit am Material<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den folgenden Sitzungen arbeiteten wir praktisch mit dem Material. Wir bekamen Filmrollen in die Hand, \u00f6ffneten vorsichtig die runden Beh\u00e4lter und legten die Kopien unter Anleitung in den Projektor. Mir wurde schnell klar, wie empfindlich dieses Material reagiert und wie viel Aufmerksamkeit es verlangt. Jede Ber\u00fchrung sollte \u00fcberlegt sein, jeder Griff pr\u00e4zise. Dieser praktische Umgang f\u00fchlte sich anfangs ungewohnt an, entwickelte sich aber zu einem spannenden Teil des Seminars. Das Arbeiten mit echten Kopien vermittelt ein Gef\u00fchl von Verantwortung, das \u00fcber reine Filmanalyse hinausgeht. Mediengeschichte lag buchst\u00e4blich in meinen H\u00e4nden. Ein besonderer Moment entstand, als ich zum ersten Mal den 16mm-Projektor \u201eBauer P7\u201c bedienen durfte. Das Ger\u00e4t wirkt sperrig, schwer, fast archaisch, aber gerade darin liegt seine Faszination. Die Mechanik bewegt sich h\u00f6rbar, die Projektion entsteht nicht durch einen Klick, sondern durch meinen Handgriff. In diesem Moment wurde deutlich, wie eng technische Praxis und medienwissenschaftliche Analyse verbunden sind. Neben den Filmkopien analysierten wir auch die Beschriftungen sowie die didaktischen Begleithefte des Instituts f\u00fcr Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) und dokumentierten diese fotografisch f\u00fcr sp\u00e4tere Sichtungsprotokolle. Die Hefte erkl\u00e4rten, wie die Filme im Unterricht genutzt werden sollten und welche p\u00e4dagogischen Ziele damit verbunden waren. So wurde sichtbar, dass Lehrfilme nicht nur kulturelle Produkte, sondern auch Werkzeuge einer staatlich strukturierten Bildungspolitik waren. Diese praktische Archivarbeit machte deutlich, historische Lehrfilme in mehrfacher Hinsicht als Quellen zu verstehen: Sie dokumentieren nicht nur Inhalte und gesellschaftliche Vorstellungen, sondern auch p\u00e4dagogische Praktiken, technische Voraussetzungen und Materialspuren von Gebrauch. Erst durch die Kombination von Projektionstechnik, Archivmaterial und inhaltlicher Interpretation wurde nachvollziehbar, welchen mentalit\u00e4tsgeschichtlichen Wert ein solches Filminventar besitzt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Sichtungen: Zwischen Zeitdokument und Lehrmaterial<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinsam w\u00e4hlten wir eine gro\u00dfe Bandbreite an FWU-Produktionen aus mehreren Jahrzehnten aus. Darunter waren naturwissenschaftliche Filme, politische Bildungsfilme, Sportanleitungen sowie Filme zu sozialen oder pers\u00f6nlichen Themen. Die Vielfalt zeigte, wie unterschiedlich p\u00e4dagogische Ziele filmisch umgesetzt wurden: mal \u00fcber kommentierende Sprache, mal \u00fcber Demonstration, mal \u00fcber Animation oder Szenenspiel. Bei jeder Sichtung war der Zeitgeist erkennbar \u2013 weniger durch Mode oder Technik, sondern durch die Art, wie Wissen vermittelt, Autorit\u00e4t dargestellt und gesellschaftliche Rollen adressiert wurden. Manche Filme setzten auf klare Anleitung, andere zeigten Alltagssituationen oder richteten sich an pers\u00f6nliche Erfahrungen. So wurde deutlich, welche Vorstellungen \u00fcber Bildung, Verhalten und Gemeinschaft zu einer bestimmten Zeit vermittelt wurden. Die Diskussionen nach jeder Sitzung halfen, die Filme nicht nur als Unterrichtsmaterial, sondern auch als Spiegel der Gesellschaft zu verstehen. Sie vermitteln Wissen und zugleich gesellschaftliche Haltungen, die \u00fcber den Unterricht hinauswirken.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Pers\u00f6nliches Fazit<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich meldete mich aus Interesse f\u00fcr das Seminar an und erwartete eher eine theoretische Vertiefung in medienwissenschaftliche Fragestellungen. Stattdessen bekam ich einen Zugang, der Technik, Archivarbeit und filmhistorische Analyse vereint. Gerade diese Kombination erlaubte es mir, Mediengeschichte nicht nur zu verstehen, sondern sie direkt zu erleben. Lehr- und Unterrichtsfilme im 16mm-Format erscheinen mir heute nicht als veraltete Materialien, sondern als historische Quellen, die gesellschaftliche Vorstellungen pr\u00e4gen und sichtbar machen. Das Seminar vermittelte nicht nur Wissen, sondern auch Respekt f\u00fcr Archive&nbsp; und die Bedeutung von Materialit\u00e4t in der Medienforschung. Ich habe nicht nur Filme gesehen, sondern auch eine Form von Bildungs- und Medienpraxis kennengelernt, die mir zuvor fremd war. Das Seminar hat gro\u00dfen Spa\u00df gemacht. Besonders die Arbeit mit den historischen Lehrfilmen und die gemeinsamen Diskussionen bereicherten den Lernprozess und machten das Thema lebendig.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-2 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Bulut_Abb02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"708\" height=\"974\" data-id=\"880\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Bulut_Abb02.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-880\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Bulut_Abb02.jpg 708w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Bulut_Abb02-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 708px) 100vw, 708px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a 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