{"id":852,"date":"2026-05-22T19:57:06","date_gmt":"2026-05-22T17:57:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/?page_id=852"},"modified":"2026-07-16T00:31:48","modified_gmt":"2026-07-15T22:31:48","slug":"seminar2026_zwischen-staub-und-lichtspiel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/projekte\/seminar2026_zwischen-staub-und-lichtspiel\/","title":{"rendered":"Zwischen Staub und Lichtspiel"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_852 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_852')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_852').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/filmsammlung\\\/projekte\\\/seminar2026_zwischen-staub-und-lichtspiel\\\/\",\"post_id\":852,\"post_title_referrer_track\":\"Zwischen+Staub+und+Lichtspiel\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>von Mabel Sue Walter<\/em><\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>Der 16-mm-Lehrfilm als historisches Dokument und materielles Objekt&nbsp;<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auseinandersetzung mit unserem filmischen Erbe findet heute fast ausschlie\u00dflich auf digitaler Ebene statt. Doch jenseits von Datenbanken und Streaming-Files existiert der Film als physisches Objekt, das ganz eigene Anforderungen an die Forschung stellt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Praxisseminar am Institut f\u00fcr Medienwissenschaften der Universit\u00e4t Paderborn wurden allt\u00e4gliche Skills zum Bedienen digitaler Benutzeroberfl\u00e4chen zur Seite gelegt, um sich der haptischen Realit\u00e4t des 16-mm-Lehrfilms zu widmen. Mit einem Bestand von \u00fcber 1.000 Kopien bietet die Paderborner Sammlung eine bundesweit nahezu einmalige Forschungssituation, die es erlaubt, die Infrastruktur und die Inhalte des historischen Unterrichtsfilms unmittelbar zu erschlie\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"440\" height=\"660\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-854\" style=\"border-top-left-radius:40px;border-top-right-radius:40px;border-bottom-left-radius:40px;border-bottom-right-radius:40px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb01.jpg 440w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb01-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>K\u00fchler Stahl und eingefrorene Zeit<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Archivarbeit wird der Film nicht nur als \u00e4sthetisches Kunstwerk, sondern als Gebrauchsfilm und materielles Artefakt begriffen. Der Zugang zum Untersuchungsgegenstand erfolgt hier durch eine methodische Bestandsaufnahme in dem klimatisierten Archivraum und die haptische Arbeit am Sichtungstisch und am Projektor. Diese Perspektive erm\u00f6glicht es, den Blick \u00fcber die reinen Bildinhalte hinaus in das \u201eAlltagsleben\u201c der Kopien zu richten und es zu rekonstruieren. Anhand von Begleitkarten, physischen Gebrauchsspuren und didaktischen Begleitmaterialien lassen sich die Verleih-Strukturen der Stadt- und Landesbildstellen sowie die medienp\u00e4dagogische Praxis der vergangenen Jahrzehnte nachzeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der folgende Bericht dokumentiert diesen Prozess \u2013 von k\u00fchlen Archivregalen bis zur Reflexion im flimmernden Licht der 16-mm-Projektion. Begleitet wird die Darstellung von einer analogen Fotostrecke. Ziel war es, ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Mentalit\u00e4tsgeschichte des Nachkriegsdeutschlands zu entwickeln, die sich in den Lehrfilmangeboten des FWU (Institut f\u00fcr Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) unmittelbar niederschl\u00e4gt und deren Spuren die Bilder freilegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Anatomie der Filmdose<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"454\" height=\"680\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb02.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-855\" style=\"border-top-left-radius:40px;border-top-right-radius:40px;border-bottom-left-radius:40px;border-bottom-right-radius:40px;width:350px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb02.jpg 454w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb02-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Zeitkapsel<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor der Film den Weg zur Projektion findet, beginnt die Analyse beim Objekt selbst. In dem Archivraum der Universit\u00e4t Paderborn, innerhalb des Heinz-Nixdorf-Instituts, bietet sich die Gelegenheit, Filme in Original-Beh\u00e4ltnissen zu untersuchen. Die 16-mm-Kopien werden in Blech- oder Kunststoffdosen aufbewahrt. Diese sind im Archiv mit Kennziffern versehen und liegen weitestgehend geordnet. Bereits die ersten Eindr\u00fccke vom Zustand der Filmdosen erlauben erste Annahmen \u00fcber den vergangenen Verleih. Eine konkretere Vorstellung von Inhalt und<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"454\" height=\"680\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb03.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-856\" style=\"border-top-left-radius:41px;border-top-right-radius:41px;border-bottom-left-radius:41px;border-bottom-right-radius:41px;width:350px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb03.jpg 454w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb03-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Wo Geschichte lagert.<\/em>&nbsp;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mentalit\u00e4tsgeschichte l\u00e4sst sich mit n\u00e4herer Betrachtung er\u00f6rtern. In vielen Dosen der Sammlung befinden sich originale Laufkarten der Bildstellen sowie didaktische Begleithefte des FWU. Ein pr\u00e4gnantes Beispiel stellt der Film \u201e<em>Durch die Antarktis<\/em>\u201c (1958) dar. Hier lag der Dose sogar ein R\u00fcckmeldungsblatt bei. Es kann als Zeugnis f\u00fcr die direkte Interaktion zwischen Lehrkr\u00e4ften und der Bildstelle fungieren. Diese Dokumente erlauben es, die b\u00fcrokratische Seite und Pr\u00e4zision sowie den p\u00e4dagogischen Auftrag von Lehrfilmen in Nachkriegsdeutschland nachzuzeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch der Filmstreifen selbst spricht als materielles Artefakt. W\u00e4hrend der Bestandsaufnahme wurde der physische Zustand im Seminar und w\u00e4hrend der Sichtung dokumentiert.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:49px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Haptik des Analogen \u2013 Arbeit am Sichtungstisch&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kern des Praxisseminars liegt im manuellen Umgang mit Filmen. 16-mm-Filmarbeit ist ein physischer Prozess: das Einlegen der Spule, das vorsichtige F\u00fchren des Filmstreifens durch die Zahntrommeln des Sichtungstisches, das Einstellen des Magnet- oder Lichttons sowie das Bedienen des Steuerhebels. Die haptische Auseinandersetzung mit der Materialit\u00e4t und der Technik, die hinter dem Film steckt, geht im Digitalen meist verloren. Der Film wird nicht nur konsumiert, sondern bewusst ausgew\u00e4hlt und erf\u00fchlt. Dies ist ein bedeutender Teil der pr\u00e4zisen Zustandsanalyse. Dar\u00fcber hinaus dokumentieren die im Seminar angefertigten Sichtungsprotokolle die physische Beschaffenheit und den Inhalt akribisch. Auff\u00e4lligkeiten wie Laufstreifen, fehlende Vorspanne oder Tonspr\u00fcnge sind hier keine blo\u00dfen Defekte, sondern vielmehr \u201ehistorische Einschreibungen\u201c. Ein Beispiel entspringt der Sichtung des Lehrfilms <em>\u201eHitler an der Macht\u201c (1955)<\/em>. Im Seminar wurden zwei Kopien des Films gesichtet, die sehr unterschiedlichen Zustand aufwiesen. Die eine Kopie war vollst\u00e4ndig und in einem guten Zustand. Die andere Kopie wies zahlreiche Klebestellen, Laufstreifen, Tonspr\u00fcnge und g\u00e4nzlich fehlende Szenen auf. Am Sichtungstisch wird die Materialit\u00e4t der Kopie zur prim\u00e4ren Quelle der Erkenntnis bez\u00fcglich des Zustands. Klebestellen, Perforation, Geruch und Haptik des Filmstreifens k\u00f6nnen direkt wahrgenommen werden. An diesem Lehrfilm aus dem Jahr 1955 l\u00e4sst sich gut beobachten, dass bei gleichem Inhalt jede einzelne Kopie dennoch eine individuelle Geschichte hinsichtlich der Nutzung und Zirkulation tr\u00e4gt. Diese Mechanik zwingt zu einer Entschleunigung des Blickes beim Sichtungsprozess. Jede Schramme erz\u00e4hlt von einer intensiven Nutzung in Klassenzimmern und verbildlicht den Zeitaspekt der Entstehung der Kopien, nicht nur auf inhaltlicher Ebene. Die Auff\u00e4lligkeiten lassen ebenfalls auf ein Medium f\u00fcr den allt\u00e4glichen Gebrauch schlie\u00dfen, keines f\u00fcr die Ewigkeit.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-f56f613f wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"438\" height=\"657\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb04.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-857\" style=\"border-top-left-radius:40px;border-top-right-radius:40px;border-bottom-left-radius:40px;border-bottom-right-radius:40px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb04.jpg 438w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb04-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 438px) 100vw, 438px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Fingerspitzengef\u00fchl<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"392\" height=\"588\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb05.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-858\" style=\"border-top-left-radius:40px;border-top-right-radius:40px;border-bottom-left-radius:40px;border-bottom-right-radius:40px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb05.jpg 392w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb05-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 392px) 100vw, 392px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Zahn der Zeit<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"454\" height=\"680\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb06.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-859\" style=\"border-top-left-radius:40px;border-top-right-radius:40px;border-bottom-left-radius:40px;border-bottom-right-radius:40px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb06.jpg 454w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb06-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Retro-Lab<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:49px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Erziehung durch das Objektiv: Mentalit\u00e4ten im Wandel<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"454\" height=\"680\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb07.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-860\" style=\"border-top-left-radius:40px;border-top-right-radius:40px;border-bottom-left-radius:40px;border-bottom-right-radius:40px;width:350px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb07.jpg 454w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb07-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Das Rattern &#8230; <\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00dcbergang vom Einlegen des Filmes zur finalen 16-mm-Projektion im abgedunkelten Raum ver\u00e4ndert die Wahrnehmung rasant. Erst beim gemeinsamen Sichten und Diskutieren treten die Filme als Zeugnisse einer spezifischen Mentalit\u00e4tsgeschichte hervor. Der Projektor dient dabei nicht nur als Abspielger\u00e4t, sondern fungiert als Werkzeug einer kollektiven Analyse. Es wird nicht nur untersucht, <em>was<\/em> gezeigt wird, sondern <em>wie<\/em> es gezeigt wird und welche Weltbilder dabei mitschwingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fr\u00fche Lehrfilme wie <em>\u201eVerhalten \u2013 angeboren und gepr\u00e4gt\u201c (1963), \u201eDurch die Antarktis\u201c (1958)<\/em> oder <em>\u201eHitler an der Macht\u201c (1955) <\/em>illustrieren eine autorit\u00e4re Geste der Nachkriegszeit und die klassische \u00c4ra der FWU-Produktion. Die m\u00e4nnliche Erz\u00e4hlstimme gilt als typisches Merkmal und fungiert als unanfechtbare Experteninstanz, die das visuelle Geschehen streng wissenschaftlich einordnet. Die Filme vermitteln eine Welt, die geordnet und durch Experimente erkl\u00e4rbar ist. Die ruhige und beobachtende Kameraperspektive vermittelt zudem eine absolute Objektivit\u00e4t. Es scheint, als w\u00fcrde sich die Natur von selbst erkl\u00e4ren, obwohl auch ein Lehrfilm durch Montage und Auswahl stark manipuliert werden kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"454\" height=\"680\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb08.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-861\" style=\"border-top-left-radius:40px;border-top-right-radius:40px;border-bottom-left-radius:40px;border-bottom-right-radius:40px;width:350px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb08.jpg 454w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb08-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>&#8230; der Geschichte<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den folgenden Jahrzehnten nimmt der Film eine aufkl\u00e4rende Rolle ein. Eine deutliche Transformation wird bei Filmen sichtbar, die gesellschaftliche Krisen und Tabus thematisieren. Der Lehrfilm \u201eAIDS Teil 1\u201c aus dem Jahr 1986 verdeutlicht einen Wandel der medienp\u00e4dagogischen Strategie. Der Fokus bewegt sich dabei weg von der rein beobachtenden Naturwissenschaft hin zur Bedeutung der Aufkl\u00e4rung und dem Versuch, Hysterie abzubauen und Halbwahrheiten entgegenzuwirken. Eine explizite Thematisierung von Homosexualit\u00e4t und Verteidigung gegen Vorurteile zeigt den Lehrfilm als Instrument des sozialen Wandels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spannend ist au\u00dferdem die mediale Selbstreflexion in einigen Filmen. Der Trickfilm \u201eFragen Sie Gustav\u201c (1968) setzt auf eine spielerische \u00c4sthetik, um Filmtechniken wie Zeitraffer, Doppelbelichtungen oder Blue-Screen-Verfahren zu erkl\u00e4ren. Solche Filme dienten der fr\u00fchen Medienkompetenz-Vermittlung. Sie dekonstruieren die Magie des Films und weisen auf die Montage und Technik, die hinter den Bildern sichtbar sind. Dieser Ansatz wiederum wurde auch im eigenen Handeln innerhalb des Seminars praktisch gespiegelt. Auch der Film \u201eDemokratie und 4. Gebot\u201c (1968) basiert auf selbstreflektiven Elementen. Der Film beginnt direkt mit einer gespielten Szene aus der Schule, die anschlie\u00dfend in einem Weiterbildungsseminar f\u00fcr die Lehrenden verwendet wird, um diese zu einer Diskussion anzuregen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend stellte sich die Frage nach der bildungspolitischen Wirkmacht. Das FWU entschied \u00fcber Jahrzehnte hinweg, welche Bilder in deutsche Klassenzimmer gelangten. Die Projektion von Propagandamaterial, Filmen zur NS-Zeit oder Filmen zu geschlechtsspezifischen Themen zeigte besonders deutlich, wie schmal der Grat zwischen Bildung und Beeinflussung sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskussion im Seminar sowie der diverse Wissenspool der Seminarteilnehmer*innen erlaubten es uns, diese Machtstrukturen freizulegen und zu hinterfragen, inwiefern die Filme nicht nur Wissen transportieren, sondern auch gesellschaftliche Normen festigen oder herausfordern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Vom Archivschlaf zum Online-Dossier<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reise durch das Paderborner 16-mm-Archiv endet nicht wieder im Archivraum, sondern f\u00fchrt in die digitale Gegenwart. Zentrales Ziel des Praxisseminars ist die Transformation des analogen Bestands in Rechercheberichte, Online-Dossiers und eine kuratorische Arbeit in Form einer Filmvorstellung. Dieses Projekt dient nicht nur der internen Dokumentation, sondern soll die Best\u00e4nde und Erkenntnisse langfristig f\u00fcr die Forschung und Allgemeinheit sichtbar machen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Weg zu diesem Dossier war intensiv und praxisnah. Tobias Hering gestaltete das Seminar als Werkstatt und begleitete nicht nur als Dozent, sondern als erfahrener Kurator und Mentor durch die Praxis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Medienwissenschaftler*innen bietet die Arbeit am 16-mm-Material einen essenziellen Mehrwert: Sie erm\u00f6glicht es, die physische Basis und die technikhistorischen Voraussetzungen unserer heutigen digitalen Kultur zu begreifen. Die Auseinandersetzung mit dem Analogen f\u00f6rdert dabei ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Materialit\u00e4t von Informationen und die allgemeine Archivarbeit. Letztlich wird deutlich, dass die kritische Analyse historischer Best\u00e4nde die notwendige Grundlage bildet, um vermeintlich immaterielle Strukturen unserer Gegenwart dekonstruieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-f56f613f wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"454\" height=\"680\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb09.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-862\" style=\"border-top-left-radius:40px;border-top-right-radius:40px;border-bottom-left-radius:40px;border-bottom-right-radius:40px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb09.jpg 454w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb09-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Ber\u00fchrungspunkte<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"454\" height=\"680\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb10.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-863\" style=\"border-top-left-radius:40px;border-top-right-radius:40px;border-bottom-left-radius:40px;border-bottom-right-radius:40px\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb10.jpg 454w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/files\/2026\/05\/Abb10-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fotos &amp; Text: Mabel Sue Walter<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u1405 <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/projekte\/seminar2026_uebersicht\/\" data-type=\"page\" data-id=\"872\">Zur\u00fcck zur Seminar-Projekt-Seite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Mabel Sue Walter Der 16-mm-Lehrfilm als historisches Dokument und materielles Objekt&nbsp; Die Auseinandersetzung mit unserem filmischen Erbe findet heute fast ausschlie\u00dflich auf digitaler Ebene statt. Doch jenseits von Datenbanken und Streaming-Files existiert der Film als physisches Objekt, das ganz eigene Anforderungen an die Forschung stellt.&nbsp; Im Praxisseminar am Institut f\u00fcr Medienwissenschaften der Universit\u00e4t Paderborn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9268,"featured_media":869,"parent":794,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-852","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/852","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9268"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=852"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/852\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":992,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/852\/revisions\/992"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/794"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/media\/869"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}