{"id":403,"date":"2025-06-26T18:16:52","date_gmt":"2025-06-26T16:16:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/?page_id=403"},"modified":"2025-06-27T23:23:30","modified_gmt":"2025-06-27T21:23:30","slug":"pornografischer-schmalfilm","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/filmsammlung\/ueber-die-filmsammlung\/pornografischer-schmalfilm\/","title":{"rendered":"PORNOGRAFISCHER SCHMALFILM"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_403 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_403')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_403').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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W\u00e4hrend sich im angels\u00e4chsischen Raum die <em>Porn Studies<\/em> als eigenst\u00e4ndiges Forschungsfeld fest etabliert haben, f\u00fchren sie an deutschen Universit\u00e4ten und Filmarchiven weiterhin ein randst\u00e4ndiges Dasein.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund versteht sich die Sammlung zum pornografischen Schmalfilm als Teil einer umfassenden Archivt\u00e4tigkeit, die sich s\u00e4mtlichen auf Schmalfilm produzierten oder ver\u00f6ffentlichten Filmformen zuwendet \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie im privaten, halb\u00f6ffentlichen oder institutionellen Kontext zirkulierten. Im Zuge von Nachl\u00e4ssen, Schenkungen und gezielten \u00dcbernahmen entstand am Lehrstuhl f\u00fcr Filmwissenschaften ab den 2010er Jahren ein Bestand an soft- und hardpornografischem Material, der seit 2021 systematisch betreut, erg\u00e4nzt und erschlossen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit umfasst die Sammlung rund 400 Titel in den Formaten Normal 8, Super 8, 9,5mm und 16mm \u2013 darunter Produktionen aus Deutschland, D\u00e4nemark, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und den USA. Einen besonderen Schwerpunkt bilden sogenannte Loops f\u00fcr Heimprojektoren und Automaten aus den Jahren 1965 bis 1985, Akt-, Burlesque- und Nudistenfilme der 1940er bis 1960er Jahre sowie rare, h\u00e4ufig handkopierte <em>Stag Films<\/em>, die im fr\u00fchen 20. Jahrhundert in Bordellen, Privatclubs oder geschlossenen Kinovorf\u00fchrungen gezeigt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund ihrer marginalisierten Stellung im medialen Ged\u00e4chtnis bieten diese Filme aufschlussreiche Einblicke in \u00e4sthetische Konventionen, gesellschaftliche Normierungen und sexuelle Bildpolitiken vergangener Jahrzehnte. Sie dokumentieren nicht nur Formen von Begehren und K\u00f6rperrepr\u00e4sentation, sondern auch medientechnische, \u00f6konomische und soziale Bedingungen, unter denen sexuelle Inhalte produziert, verbreitet und rezipiert wurden. Ihre Analyse er\u00f6ffnet damit einen Zugang zu Themen wie Intimit\u00e4t, Voyeurismus, Zensur, Kontrolle und Lust \u2013 jenseits etablierter filmgeschichtlicher Narrative.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sammlung ist nicht allein als materielles Archiv angelegt, sondern auch als Denk- und Diskursraum. Sie l\u00e4dt zur interdisziplin\u00e4ren Forschung ebenso ein wie zur medienarch\u00e4ologischen Spurensuche. Seit 2022 werden ausgew\u00e4hlte Titel j\u00e4hrlich im Rahmen eines kuratierten Programms auf dem <em>PaderPorn<\/em>-Filmfestival<em> <\/em>\u00f6ffentlich pr\u00e4sentiert. Die Filme werden thematisch oder historisch kontextualisiert und durch Vortr\u00e4ge, Gespr\u00e4che und Begleitformate erg\u00e4nzt. Auf diese Weise \u00fcberf\u00fchrt das Festival die archivalische Arbeit in einen lebendigen Austausch mit Forschung und \u00d6ffentlichkeit. Es fungiert als Ort der Auseinandersetzung mit filmischer Sexualkultur, mit Geschichte und mit den Bedingungen ihrer \u00dcberlieferung.<\/p>\n\n\n\n<p>(Text: Alexander Schultz)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-x-large-font-size\" style=\"font-style:normal;font-weight:400\">Glossar<\/h2>\n\n\n\n<p>Da die filmhistorische Besch\u00e4ftigung mit Pornografie bislang \u00fcberwiegend in englischsprachigen Publikationen stattgefunden hat, und zudem viele der darin verwendeten Begriffe entweder historisch geworden oder im deutschsprachigen Raum kaum verbreitet sind, entsteht hier eine kleine, fortlaufend erweiterte Begriffsammlung. Sie soll nicht nur zur Orientierung beitragen, sondern zugleich Einblicke in die Sammlung erm\u00f6glichen und ihre Kontexte verst\u00e4ndlich machen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.409), 1.1rem);font-style:normal;font-weight:700\"><summary>Burlesque<\/summary>\n<p style=\"font-size:1rem;font-style:normal;font-weight:400\"><strong>Italienisch <em>burla<\/em> f\u00fcr \u201eSchabernack\u201c, abgeleitet vom lateinischen <em>burra<\/em> f\u00fcr \u201eLappalie\u201c.<br><br>Theatralische Form der \u00dcbertreibung, Ironie und Parodie, die sich im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert zu einer popul\u00e4ren Unterhaltungsform entwickelte, in der erotische Inszenierung, Striptease, Tanz und humorvolle Elemente miteinander verschmolzen. In Europa und den USA (als Spielform des <em>Vaudeville<\/em>) war Burlesque ein zentrales Format der Variet\u00e9- und Revuekultur.<br><br>Im fr\u00fchen Kino wurden die Performances filmisch dokumentiert oder eigens f\u00fcr die Kamera re-inszeniert. Als Genre blieben sie in sp\u00e4teren Glamour-, Loop- und Kinoformaten auf Schmalfilm und 35mm erhalten.<br><br>Burlesque blieb stets wandelbar und wurde immer wieder neu verhandelt \u2013 etwa in den feministisch motivierten Live-Sexshows der kanadischen T\u00e4nzerin Lindalee Tracey in den 1970er- und 1980er-Jahren.<\/strong><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.409), 1.1rem);font-style:normal;font-weight:700\"><summary>Lavender<\/summary>\n<p style=\"font-size:1rem;font-style:normal;font-weight:400\"><strong>Englisch f\u00fcr \u201eLavendel\u201c \u2013 eine Farbe, die seit dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert symbolisch mit Homosexualit\u00e4t und queerer Kultur verbunden ist.<br><br>Im Bereich der Pornografie bezeichnet <em>Lavender<\/em> eine Kategorie schwuler Pornos, insbesondere in Archiven und Kuratoren-Kontexten, um queere Inhalte sichtbar zu machen, ohne auf problematische oder abwertende historische Begriffe zur\u00fcckzugreifen. Der Begriff betont dabei nicht nur sexuelle Orientierung, sondern auch \u00e4sthetische und kulturelle Eigenheiten queerer Bildproduktion.<br><br>Lavender-Filme reichen von kommerziellen 8mm-Loops \u00fcber Spielfilme auf 16mm bis hin zu variationsreichen Videoformaten. Sie dokumentieren nicht nur sexuelle Praktiken, sondern auch queere Lebensrealit\u00e4ten, politische K\u00e4mpfe und \u00e4sthetische Selbstentw\u00fcrfe.<\/strong><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.409), 1.1rem);font-style:normal;font-weight:700\"><summary>Porno Chic<\/summary>\n<p style=\"font-size:1rem;font-style:normal;font-weight:400\"><strong>Medienbegriff f\u00fcr eine kurze kulturelle Phase Anfang der 1970er-Jahre, in der pornografische Filme erstmals \u00f6ffentliches Interesse, gesellschaftliche Akzeptanz und \u00e4sthetische Anerkennung erfuhren \u2013 insbesondere in den USA.<br><br>Der Begriff wurde 1973 durch einen Artikel im New York Times Magazine von Ralph Blumenthal gepr\u00e4gt, der den Kinoboom um Filme wie Deep Throat (1972), Behind the Green Door (1972) und The Devil in Miss Jones (1973) beschrieb. Diese Filme wurden nicht mehr nur im Verborgenen gezeigt, sondern liefen in regul\u00e4ren Kinos, wurden in Mainstreammedien besprochen und  von gesellschaftlich gehobenen Schichten sowie Personen des \u00f6ffentlichen Lebens besucht. Pornografie galt f\u00fcr einen Moment als modisch, diskussionsw\u00fcrdig \u2013 chic.<br><br>Diese \u00c4ra der Rezeption endete zwar als Bewegung bereits Mitte der Dekade, doch auch in den sp\u00e4ten 1970er und fr\u00fchen 1980er Jahren entstanden weiterhin Pornofilme auf 35mm, die erfolgreich eine breitere Akzeptanz f\u00fcr ein Mainstram-Publikum und entsprechende Kinos herstellen konnten.<\/strong><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.409), 1.1rem);font-style:normal;font-weight:700\"><summary>Glamour<\/summary>\n<p><\/p><p style=\"font-size:1rem;font-style:normal;font-weight:400\"><strong>In Gro\u00dfbritannien bezeichnet <em>Glamour<\/em> eine Spielart erotischer Darstellung, die sich ab den 1950er-Jahren zwischen Pin-up-Kultur, Softcore-Pornografie und Voyeurismus positionierte. Charakteristisch f\u00fcr sogenannte Glamour-Loops oder Glamour Reels waren kurze, stumme 8mm- oder 16mm-Filme mit Striptease-Szenen oder posierenden Frauen \u2013 inszeniert in h\u00e4uslicher Umgebung, im Atelier oder im Freien.<br><br>Im Gegensatz zu Porno-Loops konzentrieren sich Glamour-Filme auf die Zurschaustellung des K\u00f6rpers ohne explizite Sexualit\u00e4t. Nacktheit wurde als \u00e4sthetisch aufgeladetes Spiel mit Blick und Pose inszeniert \u2013 h\u00e4ufig mit Blickkontakt zur Kamera, flie\u00dfenden Bewegungen und ikonischen Gesten.<br><br>Die Produktionen entstanden in semi-professionellen Studios, insbesondere im Umfeld britischer Erotikverlage wie Russell Gay oder Harrison Marks, die ihre Filme \u00fcber den Postversand oder in spezialisierten Gesch\u00e4ften vertrieben.<\/strong><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.409), 1.1rem);font-style:normal;font-weight:700\"><summary>Loops<\/summary>\n<p style=\"font-size:1rem;font-style:normal;font-weight:400\"><strong>Englisch <em>loop<\/em> (\u201eSchleife\u201c), in Anspielung auf die mechanische Wiedergabeform, in der die Filme ohne Unterbrechung als Endlosprojektion wiederholt werden konnten.<br><br>Kurze (3 bis 10 Minuten), auf Schmalfilm vertiebene pornografische Filme, die ab den 1950er-Jahren bis in die fr\u00fchen 1980er-Jahre weit verbreitet waren. Sie zeigen Striptease sowie  angedeutete oder explizite sexuelle Handlungen in konzentrierter Form, oft ohne klare Handlung und zumeist ohne Tonspur.<br><br>Die Filme wurden illegal oder halblegal vertrieben und in semi-professionellen Studios in den USA, Deutschland, den Niederlanden oder Skandinavien produziert. Die Distribution erfolgte \u00fcber Buchl\u00e4den, Sexshops, per Postversand oder auf sogenannten \u201ePeepshow\u201c-Ger\u00e4ten in Kinos und Automatenkabinen.<\/strong><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.409), 1.1rem);font-style:normal;font-weight:700\"><summary>Sexploitation<\/summary>\n<p style=\"font-size:1rem;font-style:normal;font-weight:400\"><strong>Wortkombination aus <em>sex<\/em> und <em>exploitation<\/em> (engl. f\u00fcr \u201eAusbeutung\u201c bzw. \u201eVerwertung\u201c) \u2013 Bezeichnung f\u00fcr ein Subgenre des Exploitation-Films, das sich haupts\u00e4chlich in den 1960er-Jahren auf die Vermarktung sexueller Inhalte spezialisierte.<br><br>Sexploitation-Filme entstanden vor allem in den USA und Europa in einem medienrechtlichen Zwischenraum: Sie zeigen Nacktheit, sexuelle Reize und oft grenz\u00fcberschreitende Themen, ohne jedoch in den Bereich expliziter Pornografie vorzudringen.<br><br>Im Unterschied zu sp\u00e4teren Softcore-Formaten war Sexploitation oft ruppiger, greller und rei\u00dferischer \u2013 mit bewusst kalkulierten Tabubr\u00fcchen, die zugleich sexuelle, gesellschaftliche oder moralische Normen infrage stellten.<br><br>Ber\u00fchmte US-amerikanische Pionier:innen waren u.a. Doris Wishman, Russ Meyer, Joe Sarno, Radley Metzger, Michael und Roberta Findlay, Lee Frost oder Ron Sullivan.<br><br>Sexploitation war bis in die fr\u00fchen 1970er-Jahre ein wesentlicher Bestandteil der Grindhouse-Kultur und pr\u00e4gte ma\u00dfgeblich die visuelle Sprache und Marktstrategien der fr\u00fchen Pornoindustrie. Viele Vertreter:innen wechselten danach in den Hardcore-Bereich.<\/strong><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.409), 1.1rem);font-style:normal;font-weight:700\"><summary>Hardcore<\/summary>\n<p style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.227), 1rem);font-style:normal;font-weight:400\"><strong>Englisch f\u00fcr \u201ekompromisslos\u201c oder \u201egnadenlos\u201c \u2013 Bezeichnung explizit pornografischer Darstellungen im Film.<br><br><em>Hardcore<\/em> beschreibt Filme, in denen sexuelle Handlungen sichtbar, offen und detailliert gezeigt werden \u2013 darunter Penetration, Ejakulation und andere nicht-simulierte Praktiken. Im Gegensatz dazu steht <em>Softcore<\/em>, eine mildere Form erotischer Darstellung, die sich auf angedeutete oder stilisierte Sexualit\u00e4t konzentriert.<\/strong><br><br><strong>Die begriffliche Unterscheidung geht auf die US-amerikanische Obsz\u00f6nit\u00e4tsdebatte der 1950er- und 1960er-Jahre zur\u00fcck. Jurist:innen unterschieden dort zwischen <em>hardcore pornography<\/em> \u2013 die keinerlei literarische, k\u00fcnstlerische oder gesellschaftliche Relevanz besa\u00df und somit klar unter das Verbot obsz\u00f6ner Inhalte fiel \u2013 und <em>borderline pornography<\/em>, also grenzwertiger Pornografie, die durch \u00e4sthetische, narrative oder dokumentarische Aspekte als nicht eindeutig obsz\u00f6n gelten konnte.<\/strong> <br><br><strong>Die Trennlinie zwischen Hardcore und Softcore ist historisch wie kulturell wandelbar und wird auch von Zensur, Gesetzgebung und Marktbedingungen gepr\u00e4gt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.227), 1rem);font-style:normal;font-weight:400\"><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.409), 1.1rem);font-style:normal;font-weight:700\"><summary>Nudie Cutie<\/summary>\n<p style=\"font-size:1rem;font-style:normal;font-weight:400\"><strong>Spielfilm-Genre, das sich Ende der 1950er- und in den 1960er-Jahren insbesondere in den USA etablierte.<br><br>Nudie Cuties wurden zumeist auf 35mm gedreht und kombinieren Nacktheit mit kom\u00f6diantischen oder pseudo-dokumentarischen Elementen \u2013 etwa in Szenarien wie Nudistencamps, paradiesischen Inseln oder absurden Alltagssettings. Im Fokus stehen nackte K\u00f6rper, meist weiblich, jedoch ohne explizite Sexualit\u00e4t. Der popul\u00e4re Startpunkt dieser Entwicklung war The Immoral Mr. Teas (Russ Meyer, USA 1959).<br><br>Die Filme entstanden im Spannungsfeld restriktiver Zensur und wachsender Publikumsneugier. Ihre \u00c4sthetik \u2013 voyeuristische, pseudo-dokumentarische Kamera, ironischer Off-Kommentar, FKK-Settings \u2013 umging oft erfolgreich Staatsauflagen und verschob deren Grenzen.<br><br>Der Begriff Nudie wurde auch im britischen Raum verwendet, wo er allgemein zur Bezeichnung leichter, nicht-expiziter Nacktdarstellungen in Film und Fotografie diente \u2013 etwa in Glamour-Loops, Posing-Filmen oder Striptease-Formaten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.409), 1.1rem);font-style:normal;font-weight:700\"><summary>Stag<\/summary>\n<p style=\"font-size:1rem;font-style:normal;font-weight:400\"><strong>US-amerikanischer Begriff f\u00fcr fr\u00fche, meist stumme Pornofilme, die in den USA etwa von den 1910er- bis in die 1950er-Jahre kursierten. Der Begriff <em>stag<\/em> verweist auf den Herrenabend \u2013 eine m\u00e4nnerexklusive Veranstaltung, f\u00fcr die diese Filme konzipiert waren. Gezeigt wurden sie bei Junggesellenabschieden, in Bordellen oder Hinterzimmern. <br><br>Stag-Filme sind kurze Einakter von rund zehn Minuten L\u00e4nge, produziert meistens auf 35mm oder sp\u00e4ter auch 16mm-Material. Sie zeigen explizite sexuelle Handlungen in Nahaufnahme und gelten als fr\u00fcheste Form des Hardcorefilms. Ihre K\u00fcrze, oftmals einfache Machart und illegale Verbreitung verliehen ihnen eine besondere Faszination, die ihnen parallel zur Legalisierung von Pornografie in den 1970ern zu einem nostalgischen Revival verhalfen.<br><br>In ihrer anonymen, oft amateurhaften \u00c4sthetik dokumentieren Stag-Filme nicht nur fr\u00fche pornografische Bildsprachen, sondern auch soziale Fantasien, Machtverh\u00e4ltnisse und visuelle Codes, die sich bis in die Gegenwart erhalten haben. Heute gelten sie als wichtiger Bestandteil filmischer Pornoarch\u00e4ologie \u2013 selten, fragmentarisch, aber kulturell aufschlussreich.<\/strong><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz anhaltender Debatten \u00fcber den privaten, \u00f6ffentlichen und politischen Umgang mit Pornografie blieb die wissenschaftliche Auseinandersetzung in Deutschland lange begrenzt. W\u00e4hrend sich im angels\u00e4chsischen Raum die Porn Studies als eigenst\u00e4ndiges Forschungsfeld fest etabliert haben, f\u00fchren sie an deutschen Universit\u00e4ten und Filmarchiven weiterhin ein randst\u00e4ndiges Dasein. 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