How To: Archivarbeit

von Lara Gräber


Zwischen Spule und Schulbank – die 16mm Lehrfilmsammlung

Das Institut für Medienwissenschaften der Universität Paderborn besitzt am Arbeitsschwerpunkt Filmwissenschaft (zurückgehend auf die Initiative und Arbeit von Prof. Dr. em. Annette Brauerhoch) ein analoges Filmarchiv mit einem Schwerpunkt auf Avantgarde-, Experimental-, Amateur- und Lehrfilm.

Analoge 16mm-Filme sind ein wichtiges historisches Medium. Ihr Erhalt ist von einer fachgerechten Lagerung und einem sorgfältigen Umgang abhängig.

Diese Einführung richtet sich an Studierende, die erstmals mit einer 16mm-Filmsammlung arbeiten. Sie vermittelt grundlegende Kenntnisse über die Lagerung, den Aufbau des Archivs und die Arbeit am Sichtungstisch.

Ziel ist es, dass typische Fehler vermieden werden und dass die Studierenden einen ersten Einblick in das Archiv erhalten.

Was du wissen solltest,
bevor du mit der 16mm Filmsammlung arbeitest…

LAGERUNG

AUFBAU DES ARCHIVS

DER SICHTUNGSTISCH


LAGERUNG

Optimale Bedingungen für den Erhalt der Filmkopien.

Die Lagerung ist das A und O für den Erhalt der 16mm Filme. Sie müssen in einer kühlen, trockenen und dunklen Umgebung gelagert werden, da sonst ein chemischer Zerfall (das Essigsäure-Syndrom) eintreten kann.

  • Gleichbleibende Temperaturen
    • Maximal 20°
  • Optimale Luftfeuchtigkeit bei 50-55%
    • Ist die Luftfeuchtigkeit höher, entsteht das Essigsäure-Syndrom
    • Ist die Luftfeuchtigkeit niedriger, verliert der Film an Elastizität
  • Spulen in Metall- Kunststoff- oder Weißblechdosen lagern?
    • Metalldosen: stabil, aber Achtung: sie müssen in einem guten (nicht verbogen und keine scharfen Kanten) und rostfreien Zustand sein
    • Kunststoffdosen: günstigere Alternative zu den Weißblechdosen
    • Weißblechdosen: chemisch neutral

Das Essigsäure-Syndrom – Was muss ich wissen?

Das Essigsäure-Syndrom (bzw. die Acetatfilm-Basisdegradation) bezeichnet die Entstehung von Essigsäure-Kristallen auf Filmmaterial. Hervorgerufen werden die Kristalle durch die chemische Reaktion des Trägermaterials Celluloseacetat mit feuchter Luft. Diese Reaktion (auch Hydrolyse genannt) ist ein Zersetzungsprozess und entsteht im Laufe eines Lebens des Filmes.

Filme, die das Essigsäure-Syndrom haben, sollten in archivfestem Kunststoff gelagert werden.

Bemerkung: Das Essigsäure-Syndrom hat seinen Namen erhalten, da man dieses Syndrom mit der Nase erkennen kann: befallene Kopien riechen nach Essig!


AUFBAU DES ARCHIVS

Das Archiv ist numerisch geordnet. Die Archivnummer befindet sich auf der Verpackung der Filmkopien und wurde von den früheren Leihstellen übernommen. Alle FWU-Filme haben eine eindeutig zuordbare Nummer, die ebenfalls die Bildstellen übernommen haben. Dadurch lassen sich bis heute verschiedene Bestände vergleichen, selbst wenn die Filmkopien aus verschiedenen Bildstellen stammen. Wenn du dir aus der Bestandsliste einen Film ausgesucht hast, suche nach der Archivnummer. Wenn mehrere Exemplare des gleichen Films existieren, wird auf den vorhandenen Kopien eine dementsprechende Ergänzung vorgenommen (z.B: [Archivnummer]/2). Bei vielen Filmkopien findest du eine Archiv-Karte. Darauf sind Informationen zum Film (Titel, Jahr, Format, Ton, Farbe, Länge, Regie, Kameraführung, etc.), eine kurze Inhaltsangabe und gegebenenfalls Mängel der Kopie enthalten.

Zu manchen Filmen gibt es ein historisches Beiheft, das sich mit der Kopie in der Schachtel beziehungsweise Dose befindet. Die Beihefte unterscheiden sich in der Ausführlichkeit des Inhaltes. In der Regel enthalten sie eine kurze Zusammenfassung des Filminhaltes und manche haben eine Replikation des Filmes sowie Vorschläge zur Verwendung im Unterricht. Die Beihefte lagen als Standard bei den Leihkopien bei und sollten Lehrpersonen bei der Vor- und Nachbereitung unterstützen. Sie enthalten in der Regel eine inhaltliche Zusammenfassung, einen didaktischen Leitfaden, Diskussionsfragen und filmbezogen Aufgaben für Schüler:innen.


DER (STEENBECK-)SICHTUNGSTISCH

CHECKLISTE
(bevor es los geht):

✓ Lampe für das Bild eingeschaltet?
✓ Lichtton oder Magnetton?
✓ Perforation greift?
✓ Filmkopie ist beim Einlegen gespannt?
✓ Vor dem Einlegen benötigst du eine Fangspule, worauf sich die Filmkopie wickeln kann. [Die „leere“ Spule wird Fangspule genannt.]


Wie lege ich einen Film richtig ein? – Schritt für Schritt Anleitung

1. FILMKOPIE EINLEGEN

Beachte: Perforation nach unten!

2. ES WERDE LICHT!

Öffne zunächst die Halter und die Schutzklappe der Lampe (siehe Bild 12; blaue Kreise). Du benötigst eine gewisse Länge zum Einlegen. Wenn du dir die Länge abgerollt hast, lege anschließend den Film stramm ein (siehe Bild 8) und schließe die Halter. Achte darauf, dass die Zähne der Transportspule, über die der Film vor dem Lichtfenster/Prisma verläuft, richtig in die Perforationslöcher des Filmstreifens greifen.

Bemerkungen zu 2. (Bild 11) und 3. (Bild 9): Die Halter kannst du mit Drücken Ÿder grauen Knöšpfe bewegen! (Siehe blaue Kreise in Bild 12).

Bild 9 (Detail)

3. HÖRST DU WAS?

Lege den Film nach dem Bild (siehe Bild 8) entlang. Öffne auch hier die Halter und achte darauf, dass der Film gespannt ist (siehe Bild 9; darauf siehst du die Tonlampe für den Lichtton und den Tonkopf für den Magnetton.) Wenn der Ton leiert, musst du erneut die Halter lösen und den Filmstreifen strammer ziehen. Die Rolle mit dem roten Knopf ist beweglich und hier sollte Spannung sein, damit der Filmstreifen bei der Tonlampe genügend straff liegt. Achte darauf, dass du das richtige Ton-System eingestellt hast. Dieses kannst du manuell am Sichtungstisch einstellen (drehbares Element mit „opt 1“ und „opt 2“ oben in Bild 9).

Bild 5

4. WAS TUN MIT DER FANGSPULE?

Um die Filmkopie auf die Fangspule zu drehen, betätige den runden Schalter leicht (!) (Abb 5), damit sich der Film weiterdreht und sich somit um die Fangspule wickeln kann. Achtung: dies erfordert Fingerspitzengefühl!

Mit dem Schalter kannst du die Abspiel-Geschwindigkeit einstellen: 1 bedeutet normale Geschwindigkeit, 0 bedeutet Stillstand / keine Bewegung.

Bemerkung zu 4.: Um den Film um die Fangspule zu wickeln, nutze deine Finger und wickle ihn 2-3 mal rum und spule gleichzeitig den Film etwas vor, dass der Film sich an der Fangspule festziehen kann.

5. FILM AB!

Ist die Filmkopie fest auf der Fangspule gespannt und alle Halter sind geschlossen, kannst du den Schalter (Bild 5) auf 1 stellen und der Film spielt in der Normalgeschwindigkeit ab. Wenn du zurück spulen möchtest, betätige den Schalter gegen den Uhrzeigersinn von der „0“ weg. Möchtest du schneller Vorspulen, musst du den Schalter über die „1“ hinausschieben.

QUICKCHECK

✓ Rollen aufgelegt?
✓ Film korrekt durch alle FüŸhrungen gelegt?
✓ Fest auf die Fangspule gewickelt?

Let’s Go!


Text: Lara Gräber

Fotos: Mabel Walter


Quellen:


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