{"id":163,"date":"2025-02-28T11:28:04","date_gmt":"2025-02-28T10:28:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/?p=163"},"modified":"2025-02-28T11:28:04","modified_gmt":"2025-02-28T10:28:04","slug":"die-kulturtechnik-der-rezension-und-ihre-heutigen-plattformen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/2025\/02\/28\/die-kulturtechnik-der-rezension-und-ihre-heutigen-plattformen\/","title":{"rendered":"Die Kulturtechnik der Rezension und ihre heutigen Plattformen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_163 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_163')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_163').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Doch Technologien sind nur eine Seite der Medaille: zur Kategorie der Technik geh\u00f6ren zum Beispiel auch Praktiken des Herstellens, wie die technik des Schuhemachens; besondere Fertigkeiten, wie die Technik des Kopfrechnens oder der Meditation; oder auch das konkrete Agieren und Wissen des Bewirkens, wie wir es in so vielen Umgangsformen mit Dingen und anderne Menschen kennen. [1] Eine Philosophie der Technik kann folglich anhand unterschiedlichster Aspekte des menschlicher Praktiken ansetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden m\u00f6chte ich eine Reflexion \u00fcber die Technik des Rezensierens im Internet vornehmen. Diese werde ich entlang einer Rezension der Rezensionsnotiz von Anton Weils Roman \u201eSuper einsam\u201c auf der Plattform des Magazins Perlentaucher entwickeln. Die Plattform stellt eine Meta-Einordnung der verschiedensten Rezensionen \u00fcber B\u00fccher in (Online-)Zeitungen dar, indem sie die Rezensionen dieser rezensiert. (Pers\u00f6nlich kann ich vor der Anschaffung eines neuen Buches einen Blick auf die Rezensionsnotitzen nur empfehlen.) Also: fangen wir an!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"719\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.40.59-1024x719.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-164\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.40.59-1024x719.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.40.59-300x211.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.40.59-768x539.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.40.59-1536x1078.png 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.40.59-624x438.png 624w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.40.59.png 2032w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Besuchen wir die Vorstellung eines Buches auf Perlentaucher, wird uns ein zuerst ein \u00dcberbklick \u00fcber die zentralen Eckdaten eines Buches geboten \u2014 zumindest wenn man sich nicht von den unz\u00e4hligen Werbungen ablenken l\u00e4sst. Wir sehen direkt, dass der Auftritt recht pragmatisch gestaltet ist. Neben den Eckdaten werden uns Optionen zum Empfehlen, Drucken, Merken aber auch Kommentieren geboten. Letzterer Aspekt veranschaulicht gut, dass es sich heirbei um eine Community handelt, die im Diskrus \u00fcber B\u00fccher (und deren Rezensionen) kollektiv Eindr\u00fccke \u00fcber die Werke versammeln m\u00f6chte. In dieser Hinsicht stellt die Plattform eine Art kollektiv hergestellte Hilfsstellung dar, die einer passionierten Lesendenschaft Hilfestellungen zur Orientierung auf dem (immer mehr gefluteten) B\u00fcchermarkt bieten sollen. Eine Funktion, die einst von den Rezensionen der jeweils abnonierten Zeitschriften wahrgenommen wurde. Diese Plattform beitet jedoch die M\u00f6glichkeit die individuellen Pr\u00e4ferenzen der einzelnen Rezensent:innen einzuordnen und sie als Teil eines kulturellen Diskurses ersichtlich werden zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Blick von Oben hat viele Vor-, aber auch viele Nachteile. Als Medium stellt die Plattform eine Instanz dar, die es uns erm\u00f6glicht, einen anderen Blick auf das Geschehen der literarsischen Szene zu werden. Es vermittelt uns nicht nur den Eindruck einer Einordnung der Diskurse: es selbst ist ein Mittel, das sich zwischen die B\u00fccher und die Rezensent:innen stellt und den Lesenden somit einen anderen Blick auf die B\u00fccher selbst erlaubt. Die Macht der Meinungen \u00fcber literarische Werke wird durch diese Plattform den wenigen Gatekeepern der Rezensent:innen-Welt entrissen. Ja, entrissen, weil sich durch die Etablierung der Plattform \u2014 auf ihr erw\u00e4hnt zu werden, kann heute als Gate zur Bekanntschaft genannt werden \u2014, durch das Medium-Perlentaucher, die Rezensent:innen nach den Rezensionen ihrer Rezensionen aus(zu)richten (haben)! (An dieser Stelle k\u00f6nnte man gut die Vor- und Nachteile eines vergesellschafteten Diskursraumes er\u00f6rtern, in dem die klare Position einer einzlenen Person an Gewicht verliert \u2014 doch das geh\u00f6rt auf ein anderes Blatt. [2])<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kommen wir nun zur Rezension der Rezensionsnotiz. Beginnen wir diese wieder mit einem Blick auf die Darstellung bei Perlentaucher:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"916\" height=\"824\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.41.26.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-165\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.41.26.png 916w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.41.26-300x270.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.41.26-768x691.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/ethical-machines\/files\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-28-um-09.41.26-624x561.png 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 916px) 100vw, 916px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zu dem Buch findet sich (bisher) nur eine Notiz zu der Rezension auf Deutschlandfunk Kultur. Dieses (H\u00f6rfunk-)Medium hat ein eher j\u00fcngeres Publikum, was der in der Notiz beschriebenen Thematik des Buches \u2014 das Leben als kreative, junge Person in Berlin und dessen Einsamkeit \u2014 passend ist. Ferner lesen wir, dass die rezensierte Rezensentin das Buch eher positiv bewertet, da sie es als \u201eungesch\u00f6nt ehrlich\u201c und mit einer gewissen \u201eSogwirkung\u201c beschreibt. Im Zentrum des Buches stehe der \u201eKrebstod der Mitter des Protagonisten\u201c, welcher entlang eines \u201elangen Bewusstseinstroms\u201c geschildert wird. Aus diesem Grund scheint das Buch auch in die Kategorien \u201eTrauer und Verlust\u201c von \u201ejungen\u201c Menschen \u2014 \u201eGeneration Y\u201c, \u201eMillenials\u201c \u2014 eingeordnet. (Der Rechtschreibfehler am Ende der Notiz veranschaulicht uns nochmals die Community-Arbeit, die offensichtlich keiner Korrekur unterliegt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Diese positive Notiz nahm ich als Anlass Weils Deb\u00fctroman selbst zu lesen. Meine gr\u00f6\u00dfte Erkenntis dabei war: das Medium der Ver\u00f6ffentlichung der rezensierten Rezension auf Perlentaucher ernster zu nehmen. Denn: es verwundert mich nicht mehr, dass Deutschlandfunk Kultur das Buch positiv bewertet. Ein Medium, das bis 2005 noch DeutschlandRadio Berlin hie\u00df, wird autofiktionale Geschichten \u00fcber das verwirrende Leben in der Hauptstadt aus guten Gr\u00fcnden positiv bewerten. Hier meine eigene Rezension.<\/p>\n\n\n\n<p>Anton Weils Roman \u201eSuper einsam\u201c handelt von Vito, einem 30 Jahre alten, in Kreuzberg lebenden Schauspieler, dem wir nach einer Trennung einige Tage bei einer Art Sinnsuche begleiten. Vito sehnt sich nach N\u00e4he, die ihm diverse Aspekte des Gro\u00dfstadtlebens in Berlin zu verwehren scheinen. Gr\u00fcnde hierf\u00fcr findet er viele: die Gentrifizierung des eigenen Kiezes, die das Leben steril und austauschbar macht; die Oberfl\u00e4chlichkeit im Umgang miteinander, da alle nur nach ihrer eigenen hedonistischen Zufriedenheit streben; die Erziehung seines Vaters und dessen Konsitution von M\u00e4nnlichkeit, die Vito gegen\u00fcber keine W\u00e4rme zulassen kann; sowie der fr\u00fche Tod seiner Mutter. Zwischen Vitos Drogenexzessen, die er eigentlich hinter sich lassen m\u00f6chte, sieht er seine einzigen Auswege aus der gro\u00dfst\u00e4dtlichen Einsamkeit in zwei Hoffnungen: einer Reise an den franz\u00f6sischen Atlantik oder im Beginn einer neuen romantischen Beziehung. Ersteres scheint mir eine Flucht nicht un\u00e4hnlicher seiner Drogenexzesse zu sein; zweiteres ein ziemlich konservatives Ideal einer romantischen Paarbeziehung, die ihn \u201eerl\u00f6sen\u201c w\u00fcrde. Diesen Erl\u00f6sungsgedanken der Paarbeziehung finde ich problematisch. Zum einen reproduziert er den von Daniel Schreiber in seinem Essay \u201eAllein\u201c als \u201eletzte gro\u00dfe Erz\u00e4hlung\u201c unserer Gesellschaften beschriebenen Mythos der Erf\u00fcllung durch eine:n romantische:n Partner:in \u2014 was den Anderen eine erhebliche B\u00fcrde auferlegt. Zum anderen wirkt die zwischen den Zeilen entwickelte Gesellschaftskritik durch dieses Narrativ als un\u00fcberwindbar.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Weils autofiktionales Werk muss als gelungener erster Roman gesehen werden, der jedoch zu einer sehr speziellen Gruppe Menschen sprechen soll: jungen Menschen in Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin, die bei der Suche nach Sinn im Leben unz\u00e4hligen Hindernissen ausgesetzt sind. Hindernisse, die zwischen den kapitalistisch-materialistischen Bedinungen, der Ablehnung der Werte vergangener Traditionen \u2014 au\u00dfer dem Wert der romantischen Paarbeziehung \u2014 und der Verleitung zum Exzess zu enorm scheinen, um \u00fcberwunden werden zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch ist im Kein und Aber Verlag als sch\u00f6n-gebundene Ausgabe mit 240 Seiten f\u00fcr 22\u20ac erh\u00e4ltlich. <\/p>\n\n\n\n<p>Sven Thomas<\/p>\n\n\n\n<p>Fu\u00dfnoten:<\/p>\n\n\n\n<p>[1] An dieser Stelle empfehle ich Hubigs Buch \u201eDie Kunst des M\u00f6glichen I\u201c. In diesem Werk entwickelt er eine Perspektive, die Technik als ein Medium versteht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[2] Das k\u00f6nnte ein spannendes Hausarbeitsthema sein \ud83d\ude09 Ich denke zum Beispiel an Hannah Arendts in ihrer Vita activa entwickelten Analyse des Verkommens der \u00d6ffentlichkeit und Privatheit hin zu dem, was sie das Gesellschaftliche nennt; in dem es nur noch ein Sich-Verhalten gibt; in dem keine herausragende Leistung der Individuuen mehr gew\u00fcrdigt wird; \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer Rezension von Anton Weils Roman \u201eSuper einsam\u201c Das Feld der Technikphilosophie wird meistens mit einer Reflexion \u00fcber Bedeutung von Technologien f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von Mensch und Welt in Verbdinung gebracht. 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